Firma Colonia Leather

Vom Schlachthof ins Regal: Fuldataler verarbeiten Tierleder für Bücher

Aufgerollt: Jean Thomas Keil und seine Mitarbeiter verarbeiten Leder von Rind, Schwein, Ziege, Schaf und Kamel. Foto: Degner

Fuldatal. Gegründet bei Köln, verarbeitet Colonia Leather seit 1928 Tierleder für Bücher. Seit 1991 hat das Unternehmen seinen Sitz in Fuldatal. Bis ein Buch, in Leder gebunden, im Regal steht, dauert es jedoch mehrere Wochen. In fünf Schritten erklären wir, wie Leder für Bücher angefertigt wird.

Bücher sind nicht nur zum Lesen da. Kaum einer weiß das so gut wie Jean Thomas Keil, Geschäftsführer von Colonia Leather. Ein in Leder gebundenes Buch nennt er eine Schönheit. "Das muss ich lesen, riechen und fühlen können", sagt der Lederhändler aus Fuldatal.

Gegründet bei Köln, verarbeitet Colonia Leather seit 1928 Tierleder für Bücher. Seit 1991 hat das Unternehmen seinen Sitz in Fuldatal.

Auf der Frankfurter Buchmesse (19. bis 23. Oktober) organisieren Keil und seine Mitarbeiter Veranstaltungen rund um das Buchleder. Unter anderem haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Notizbücher unter Anleitung in eine Lederdecke einzubinden. Bis ein Buch, in Leder gebunden, im Regal steht, dauert es jedoch mehrere Wochen. In fünf Schritten erklären wir, wie Leder für Bücher angefertigt wird.

1. Passendes Leder wählen: Der Weg des Buchleders beginnt auf der Weide. Colonia Leather verarbeitet sowohl die Haut von Schwein und Rind, als auch das Fell von Ziege, Schaf und Kamel.

Der Kunde entscheidet schließlich, wessen Haut Keil und seine Mitarbeiter zu Buchleder verarbeiten sollen. Dabei sei der Preis ausschlaggebend, sagt der Lederhändler. Ein Buch aus Ziegenleder kostet im Handel etwa doppelt so viel wie ein Buch, eingebunden in Rindsleder. Warum? „Ziegenleder ist feiner als die Haut vom Rind“, sagt Keil.

2.  Das Leder wird gegerbt: Im zweiten Schritt wird das Leder – in diesem Fall vom Rind – gegerbt. Die bis dahin unbehandelte Haut wird in der Gerberei unter anderem enthaart und in mehrere Schichten, die etwa 1,2 Millimeter dick sind, gespalten.

Im selben Schritt entscheidet er über Farbe und Glanzstufe des Leders – glänzend und matt – sowie über das Muster, das in der Gerberei in das Leder geprägt werden soll. Nachdem die Farbe aufgetragen worden ist, pressen 50 Tonnen schwere Platten das Muster bei 150 Grad Celsius hinein. Je dicker die Tierhaut, desto einfacher nimmt sie die Prägung an. 

3.  Das Leder wird gestanzt: Spaltleder heißt es, weil die Rindshaut in mehrere Schichten gespalten und für mehrere Zwecke verwendet werden kann. „Wenn das Leder von der Gerberei zu uns zurückkommt, ist es aber noch lange kein Buch“, sagt Keil. Das Leder hat dann eine Größe von 1,50 Meter mal 1,30 Meter. Mit der Stanze wird es auf Buchgröße verkleinert. Die Stanze setzt der 55-Jährige manuell an, damit sich weder OP-Narben, noch Venen oder etwa Brandzeichen des Tieres auf dem jeweiligen Abschnitt befinden.

4.  Feinheiten ausbessern: Besonders knifflig ist es, das Leder für die maschinelle Weiterverarbeitung zu präparieren. Da an den Buchecken das Leder dreifach übereinander gefaltet wird, muss es an dieser Stelle dünner werden. Also schärfen Keil und seine Mitarbeiter das Material, bis es eine Stärke von 0,5 Millimeter hat, für die Verarbeitung.

5.  Ab in die Buchstraße: Jetzt ist das Leder bereit für die "Buchstraße". Hier erhalten die einzelnen Seiten des Buches ihre Lederhülle. Platten aus Pappe werden dafür mit Kleber auf der Buchdecke befestigt.

Abschließend werden die einzelnen Seiten des Buches – der Buchblock – mit der Buchdecke verbunden.

Hintergrund

Aus der Haut eines Rindes werden viele Dinge für den täglichen Gebrauch hergestellt

Die Haut eines Rindes – das sogenannte Rindspaltleder – ist vielseitig einsetzbar. Nicht nur Buchleder wird daraus gefertigt, auch Gürtel und der Bezug für Autositze. Hier zeigen wir die einzelnen Abschnitte des Rinds , aus denen verschiedene Alltagsgegenstände gefertigt werden.

Spaltleder heißt es, weil die komplette Rindshaut in mehrere Schichten gespalten wird.

Buchleder

Aus dem sogenannten Croupon, dem Mittelstück, wird unter anderem das Buchleder gewonnen. Die Haut ist an dieser Stelle besonders weich und für die Verarbeitung deshalb gut geeignet.

Gürtel

Die Fasern am Hals des Rindes sind besonders widerstandsfähig, denn das Tier muss sich auf der Weide oder in der freien Wildbahn mit Kopf und Hals voran den Weg durch das Gebüsch schlagen. Deshalb werden aus dem Leder am Hals Gürtel hergestellt.

Accessoires

Übersicht: Das Foto zeigt die einzelnen Abschnitte des Rindsleders und das, was aus ihnen gefertigt wird. Foto: picture alliance / ZB

Aus der Flanke werden kleinere Accessoires wie etwa Etuis für Nagelscheren oder das bekannte Necessaire für den im Notfall benötigten Nadel und Faden gefertigt. 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.