Funkturm in Söhrewald: Diese Funktion erfüllt er heute

Bleibt stehen: Der Funkturm in Söhrewald wurde Anfang der 60er-Jahre gebaut. Seine Größe verdeutlichten damals Techniker auf den Plattformen (links). Heute versorgt der Turm Mobilfunknutzer mit Netz. Fotos: Lischper/nh

Söhrewald. Er ist das Wahrzeichen der Gemeinde Söhrewald: Der Funkturm zwischen den Ortsteilen Wellerode, Wattenbach und Helsa-St. Ottilien. Er wurde vom Fernseh- zum Mobilfunkturm.

Der Turm markiert den Standort der Gemeinde aus verschiedenen Perspektiven des Altkreises Kassel. Seine Funktion ist für den Laien nicht erkennbar - und doch profitiert jeder davon: Mobil- und Richtfunk sorgen zum Beispiel für Handyempfang.

„Der Turm stand bereits vor der Gebietsreform in den 70er-Jahren“, sagt Bürgermeister Michael Steisel (SPD). Da er von allen Ortsteilen sichtbar ist, habe er vor allem eine emotionale Bedeutung als „verbindendes Element“. Nicht umsonst ziere der Turm auch das Logo des Gemeindeblatts „Söhrewald-Bote“, so der Rathauschef.

Eigentümer des Turms ist die Deutsche Funkturmgesellschaft mit Hauptsitz in Münster. Die Tochter der Telekom hat die Fläche des hessischen Staatswalds für den Funkbetrieb gemietet. Davor, also seit 1961, war das die Deutsche Bundespost. „Funk wird immer gebraucht“, sagt Telekom-Sprecher George McKinney auf HNA-Anfrage - besonders in Bezug auf mobile Datenverbindungen.

Nur fünfmal in Deutschland

Und auch die Wetterverhältnisse werden von hier aus gemessen: Das Ergebnis ist auf der Internetseite foreca.de zu finden.

Den Typ des 2,5-Millionen-Mark-Turms, der in den Jahren 1962 und 1963 gebaut wurde, gibt es nur fünfmal in Deutschland. Er war gerade 50 Meter hoch, da zog das Bauwerk bereits viele Ausflügler an, hieß es in einem HNA-Artikel im Herbst 1962. Demnach sei besonders das Fundament bemerkenswert: Die Betonkonstruktion, am Ende etwa 1500 Tonnen schwer, würde auf einem Betonklotz von 18 Metern Durchmesser stehen, der 3,5 Meter tief in den Boden hineingeht.

Das Ziel: Ein fast 150 Meter hoher Turm mit einer Wandstärke von 40 Zentimetern, vier Plattformen und mehreren Rundläufen - zum Bedauern einzelner Bürger nicht begehbar.

Vor der Fertigstellung kündigte die Bundespost an, es könnten „von Süd nach Nord gleichzeitig 1920 Telefongespräche“ über die Anlage laufen, weitere 960 Gespräche auf der Strecke Hannover-Kassel. 7,5 Millionen Mark wurden in die Technik investiert.

Nach der Fertigstellung des Betonturms im Jahr 1964 lag dessen Hauptbedeutung in einem verbesserten Empfang des Fernsehprogramms. ARD, ZDF und der Hessische Rundfunk hatten zeitweise von dort aus gefunkt - bis zum Fall der Mauer 1989, erzählt Telekom-Sprecher George McKinney. Seitdem habe es keinen Bedarf mehr von Seiten des Rundfunks gegeben. 2006 wurde ein Teil des Turmes zurückgebaut.

Historische Bilder vom Funkturm Söhrewald

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