Gymnasiale Oberstufen beklagen den Wegfall von Lehrerstellen

+
Die Herderschule in Kassel ist eine der vier Schulen mit gymnasialer Oberstufe unter der Trägerschaft des Landkreises Kassel, die unter der Umverteilung von Lehrerstellen weg von der Oberstufe leiden werden.

Kreis Kassel. Rund 300 Lehrerstellen werden in Hessen bis 2018 an den Oberstufen wegfallen. So plant es das hessische Kultusministerium. Jedoch spricht das Ministerium in Wiesbaden nicht von Stellenstreichungen, sondern von einer Umverteilung.

Was in den Oberstufen abgezogen wird, soll künftig in anderen Bereichen eingesetzt werden. Auf diese Weise werden bereits in diesem Jahr rund 160 Stellen in Hessens Oberstufen wegfallen, in den kommenden beiden Schuljahren werden es erst 80 und dann 75 Stellen sein. Davon betroffen sind auch die Schulen mit gymnasialer Oberstufe im Landkreis Kassel. 

HERDERSCHULE (Kassel)

Als reines Oberstufengymnasium mit gerade einmal 611 Schülern wird die Herderschule in Kassel die Stellenkürzungen besonders zu spüren bekommen. „Bis 2018 werden wir bis zu drei Lehrerstellen verlieren“, sagt Schulleiter Martin Sauer. Um die Pflichtkurse dann noch weiter anbieten zu können, werde voraussichtlich der eine oder andere kleinere Leistungskurs wegfallen müssen. Auch müsse im freiwilligen Förderbereich geknapst werden. „Ob wir dann noch unserem Auftrag gerecht werden können, auch schwächere Schüler zum Abitur zu führen, ist derzeit noch nicht klar.“ Die Herderschule wird hauptsächlich von Schülern der kooperativen und integrierten Gesamtschulen des Schulverbundes Kassel-Ost besucht.

LICHTENBERG-SCHULE (Kassel)

Markus Crede, stellvertretender Leiter des Lichtenberg-Gymnasiums mit derzeit 1298 Schülern, befürchtet vor allem den Wegfall von kleinen Leistungskursen wie Informatik, Französisch oder Musik. „Wenn dem so ist, können wir beispielsweise unseren Schwerpunkt Musik an den Nagel hängen“, sagt Crede. Auch der mögliche Wegfall eines Französisch-Leistungskurses könne sich negativ auf den bilingualen Unterricht an der Schule auswirken. „Insgesamt wird durch die Stellenstreichungen unser Angebot verarmen“, sagt Crede. Gleichzeitig vergrößerten sich die verbleibenden Kurse. Crede rechnet bis zum Jahr 2018 mit drei Lehrerstellen weniger in seiner Oberstufe.

WILHELM -FLICHNER-SCHULE (Wolfhagen)

Die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe ist die einzige Schule mit Oberstufe im Altkreis Wolfhagen. „Uns werden eineindrittel Stellen gestrichen“, beklagt Schulleiter Ludger Brinkmann. Dies werde schon zum Halbjahr Konsequenzen haben. So müssten Grund- und Leistungskurse zusammen unterrichtet werden - die Leistungskurse allerdings mit mehr Stunden zusätzlich. „Das alles ist schwer zu organisieren“, sagt Brinkmann. Auch müssten sich die Lehrer dabei ständig auf unterschiedliche Lern- und Wissensniveaus einstellen. „Wir hoffen sehr, auf diese Weise unser breites Kursangebot weiter halten zu können.“

ALBERT-SCHWEITZER-SCHULE (Hofgeismar)

Wie die Herderschule in Kassel ist auch die Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar ein reines Oberstufengymnasium mit aktuell 499 Schülern. „Wir werden den Wegfall von Lehrerstellen sehr deutlich spüren“, sagt Schulleiter Waldemar Gries. Bis 2018 würden drei Lehrer wegfallen. „Wir haben das Problem, dass wir schon relativ große Klassen haben. Kommen jetzt noch Schüler hinzu, weil wegen des Lehrermangels andere kleinere Kurse wegfallen, könnten tatsächlich Kapazitätsgrenzen überschritten werden“, sagt Gries. Dann müssten Kurse geteilt werden, was wiederum mehr Lehrpersonal erfordere. Gries setzt in diesem Fall vor allem auf die Stärken des Schulverbundes mit der Marie-Durand-Schule (Bad Karlshafen), der Heinrich-Grupe-Schule (Grebenstein), der Gustav-Heinemann-Schule (Hofgeismar) und der Freiherr-vom-Stein-Schule (Immenhausen). „Dieser Schulverbund erlaubt eine relativ enge personelle Verzahnung, sodass ein möglicher Lehrermangel an einer der Verbundschulen über den Weg von Teilabordnungen aufgefangen werden kann“, sagt Gries. Er hoffe auf diese Weise erreichen zu können, dass künftig auch kleinere Leistungskurse weiterhin angeboten werden können.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.