Fahrradclub bietet Pedelec-Kurse an

Helfer für Senioren gesucht: Sicher radeln mit Elektromotor

+
Üben ohne Gegenverkehr: Uwe Gertig veranstaltet Pedelec-Kurse für Senioren. Die Teilnehmer trainieren unter anderem auf einem Verkehrsübungsplatz, wie hier an der Marbachshöhe in Kassel.

Kreis Kassel. Steigen ältere Menschen auf ein Elektrofahrrad, wird es bisweilen gefährlich. Das besagen zumindest Unfallstatistiken. Uwe Gertig vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) will das jetzt ändern. 

Glaubt man den Statistiken von Behörden und Versicherungen, ist bundesweit jeder zehnte getötete Fahrradfahrer mit einem Pedelec, also einem Rad mit Elektromotor, unterwegs. Acht von zehn Unfalltoten waren älter als 64 Jahre.  

Uwe Gertig, Pedelec-Experte des ADFC-Kreisverbandes Kassel Stadt und Land, organisiert auch deshalb Fahrtechnikkurse für Senioren. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir personell nicht mehr hinterherkommen“, sagt der 74-Jährige aus Ahnatal. Um für kommende Kurse besser aufgestellt zu sein, sucht er nun Helfer. Voraussetzung sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Die Ausbildung übernehmen wir“, sagt Gertig.

Bislang beschränkt sich das Angebot für ältere Pedelec-Fahrer auf einen vier- bis fünftägigen Fahrtechnik-Kurs pro Jahr, den Gertig mit zwei ADFC-Ehrenamtlichen und einer externen Fahrlehrerin veranstaltet. Im Juni nahmen insgesamt 16 Menschen in Kleingruppen teil. „Mehr schaffen wir einfach nicht“, sagt Gertig. Die Nachfrage nach Kursen sei aber weitaus größer. Schließlich boomt der Markt mit den E-Rädern. 

Allein in Deutschland sind im vergangenen Jahr 535.000 Elektroräder verkauft worden, das entspricht einem Marktanteil von 12,5 Prozent. Zum Vergleich: 2009 wurden 150.000 Elektroräder verkauft (vier Prozent). Experten gehen davon aus, dass hierzulande mittlerweile mehr als zwei Millionen Elektroräder unterwegs sind – Tendenz steigend. Die mit Abstand beliebtesten Elektroräder sind Pedelecs, die beim Fachhändler zwischen 1500 und 3000 Euro kosten. 

Dass Pedelecs immer öfter in der Unfallstatistik auftauchen, hängt auch mit der Beliebtheit bei älteren Menschen zusammen. „Nicht das Pedelec ist das Problem, sondern das Fehlen fahrerischer Fähigkeiten“, sagt Gertig, der seit neun Jahren elektrisch fährt und anfangs selbst vom Rad gefallen ist. Höher, schneller, weiter Die Argumente für ein Pedelec liegen auf der Hand: „Man kann schneller fahren, überwindet Steigungen wesentlich leichter und kann dank des Akkus auch längere Touren machen als mit herkömmlichen Rädern“, sagt Gertig. 

Allerdings birgt das komfortable Rad vor allem für Menschen, die länger nicht mehr auf einem Sattel gesessen haben, auch Gefahren. „Wiedereinsteigern fehlen oft Fahrpraxis, Fahrtechnik, körperliche Fitness, Reaktionsschnelligkeit und das Gefühl für Geschwindigkeit“, mahnt er. Zudem sind Pedelecs mit 25 bis 30 Kilogramm doppelt so schwer wie Räder ohne Akkubetrieb – und somit schwerer zu beherrschen. „Deshalb raten wir dringend, sich in Trainingskursen mit dem Pedelec vertraut zu machen, bevor es auf die Straße geht“, sagt Gertig. 

Mehr Infos bei Uwe Gertig: 05609/6354 oder auf: 

www.adfc-kassel.de

Hintergrund: Unfallzahlen in Hessen

In Hessen hat die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 4394 Fahrradunfälle protokolliert, dabei starben 14 Menschen. Der Verkehrsbericht des Landespolizeipräsidiums weist die Unfallzahlen mit Elektrofahrrädern gesondert aus. Demnach ereigneten sich im vergangenen Jahr 206 Unfälle mit Pedelecs und E-Bikes, davon 87 in der Altersgruppe der über 64-Jährigen (42 Prozent). Zwei Menschen über 64 Jahren starben. Im Vorjahr waren es 131 Unfälle (kein Toter). Elektroräder vom Typ S-Pedelec werden statistisch nicht extra erfasst – haben allerdings auch nur etwa zwei Prozent Marktanteil. (ses)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.