Land will Preis für Autobahn erst berechnen, wenn Trasse feststeht

A44 Kassel-Helsa: Blindflug bei den Kosten

Auch um sie geht es: In der Nähe der Ziegelhütte bei Oberkaufungen besteht eine Kolonie der streng geschützten Bechsteinfledermaus. Würde die Autobahn - wie bei der Vorzugstrasse des Landes vorgesehen - am Rand des Stiftswaldes verlaufen, müssten die Tiere umgesiedelt werden. Vermieden werden könnte dies, wenn die Autobahn näher am Ort verlaufen würde ...

Helsa. Wie viel kostet die Autobahn 44 zwischen Kassel-Ost und Helsa wirklich? Diese Frage kann das hessische Verkehrsministerium auch ein halbes Jahr nach der Vorlage eines Gutachtens durch die Bürgerinitiative (BI) Pro A44 nicht beantworten.

Wie berichtet, hatte der Straßenbauexperte Helmut Hesse aus Hannover im Auftrag der BI die Kosten für den rund zehn Kilometer langen Abschnitt neu berechnet. Der Diplom-Ingenieur, der in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein Beratungsbüro betreibt, rechnet mit 382 Millionen Euro. Das sind 156 Millionen mehr als die aus dem Jahr 2012 stammende Kalkulation der Straßenbaubehörde Hessen Mobil.

... Dann wäre allerdings ein verstärkter Lärmschutz erforderlich, etwa durch eine Einhausung (Umbauung) der Strecke. Wie viel eine solche Lösung genau kosten würde, ist offen. Zudem ist die Kalkulation für den Abschnitt Kassel-Helsa insgesamt veraltet. Archivfotos: nh

Hesse hatte 2015 die Kosten für Grunderwerb, Planung, Bau und Überwachung ermittelt und die Angaben von Hessen Mobil überprüft. Seitens des Landes teilte Wolfgang Harms, Sprecher von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), mit, dass die Aktualisierung der Kostenberechnung noch nicht abgeschlossen sei. Der Grund: Noch sei nicht klar, welche Trassenvariante das Land dem Bund vorlegen werde. „Erst wenn die Variante feststeht, werden wir die Kostenberechnung machen“, sagte der Ministeriumssprecher.

Wie berichtet, gibt es eine sogenannte Vorzugstrasse, die Hessen Mobil vorgeschlagen hat. Diese führt von der heutigen Anschlussstelle Kassel-Ost an Kaufungen-Papierfabrik vorbei und schwenkt bei Niederkaufungen in die Feldmark ab. Laut dem Plan führt die Autobahn ab der Ziegelhütte weiter durch die Randbereiche des Stiftswaldes und östlich von Oberkaufungen am Hang entlang nach Helsa.

Dass es bei dieser Variante bleibt, ist inzwischen allerdings eher unwahrscheinlich. Um naturschutzrechtliche Probleme im Zusammenhang mit einer Kolonie streng geschützter Bechsteinfledermäuse zu vermeiden, hat Hessen Mobil inzwischen für Oberkaufungen eine ortsnähere Trassenvariante vorgelegt.

Demzufolge könnte die Autobahn ab der Kunstmühle auf einem oder eineinhalb Kilometern Länge parallel zur B 7 geführt und aus Lärmschutzgründen eingehaust, also umbaut werden. Bis das Bundesverkehrsministerium die Varianten abschließend geprüft hat, ist das Dialogverfahren zwischen der Gemeinde und dem Land ausgesetzt. An dessen Ende will das Land einen Trassenvorschlag unterbreiten.

Hintergrund: Experte: Tunnel macht A44 teurer

Dass die A 44 im Abschnitt Kassel-Helsa nach Einschätzung des BI-Gutachters 156 Millionen Euro teurer wird als geplant, hängt nach seiner Berechnung vor allem mit erheblichen Mehrkosten für den geplanten Tunnel bei Helsa zusammen. Die letzte Kostenschätzung von Hessen Mobil geht von 67,4 Millionen Euro aus, der BI-Gutachter hat dagegen 175,5 Millionen Euro ermittelt. Teurer dürfte auch der Tunnel Hirschhagen zwischen Helsa-Eschenstruth und Hessisch Lichtenau werden, der allerdings nicht zum A 44-Abschnitt Kassel-Helsa gehört. Laut Hessen Mobil gibt es Nachforderungen der am Bau beteiligten Firmen. Auch für den Tunnel gibt es keine neue Kostenberechnung, sagte Ministeriumssprecher Harms auf Anfrage. „Das Auftragsvolumen beläuft sich auf circa 250 Millionen Euro, die Baudurchführung ist aber noch nicht abgeschlossen.“ Insider gehen von beträchtlichen Mehrkosten für den Tunnel Hirschhagen aus.

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