Hessen Mobil legt Ergebnisse vor

A44-Variantenvergleich: Ja zu Lossetal, Nein zu H-Trasse 

Kaufungen/Helsa. Niederlage für die Verfechter eines alternativen Verlaufs der Autobahn 44 zwischen Kassel und Helsa: Bei dem Vergleich sämtlicher Varianten für den noch fehlenden Abschnitt durch die Straßenbaubehörde Hessen Mobil ist die von der Bürgerinitiative (BI) Pro A 44 vorgeschlagene H-Trasse durchgefallen.

Das geht aus den Ergebnissen der Prüfung hervor, die dem Runden Tisch zum Autobahnbau am Freitagabend in Kaufungen vorgestellt wurden.

Die H-Trasse, offiziell Zwischenkorridor genannt, soll nach den Vorstellungen der Bürgerinitiative von dem heutigen Autobahndreieck Kassel-Süd zwischen Lohfelden-Vollmarshausen und Söhrewald-Wellerode hindurch und weiter am Rand der Söhre und des Stiftswaldes entlang zur Kunstmühle bei Oberkaufungen führen. Östlich von Oberkaufungen soll die Autobahn nach den Plänen der BI dann auf die vom Land vorgeschlagene Lossetaltrasse einschwenken.

Während die H-Trasse und auch ein Autobahnverlauf direkt durch die Söhre nach der Prüfung durch Hessen Mobil ausscheiden, stehen die Chancen für eine der Lossetalvarianten besonders gut.

Es handelt sich dabei um jene Variante, die den Erhalt der Bundesstraße 7 zwischen Oberkaufungen und Helsa als Umleitungsstrecke für die Autobahn vorsieht. Im Detail sieht diese Variante wie folgt aus: Der Verkehr der A 44 wird zunächst zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost auf der Autobahn 7 geführt, die zu diesem Zweck auf einer Länge von sechs Kilometern von bislang sechs auf acht Fahrstreifen erweitert wird.

Die Anschlussstelle Kassel-Ost wird bei dieser Variante zu einem Autobahndreieck ausgebaut. Für Kaufungen ist eine Anschlussstelle bei Niederkaufungen vorgesehen. Zwischen der Kunstmühle und Helsa wird die Autobahn am Rande des Stiftswaldes parallel zur B 7 geführt. Die Kreisstraße 7 zwischen Oberkaufungen und Helsa würde wegfallen und zu einem Wirtschaftsweg zurückgebaut. Damit würde der Kritik des Bundesrechnungshofs Rechnung getragen, der parallel verlaufende Straßen in der Regie des Bundes aus Kostengründen ablehnt. Der Landkreis Kassel ist bereit, die heutige Bundesstraße unter seine Fittiche zu nehmen. Ein Mandat für Verhandlungen mit dem Bund hat der Kreistag Landrat Uwe Schmidt (SPD) bereits erteilt. Diese Variante stößt vor allem in Kaufungen auf Zustimmung, da der Ort vom Umleitungsverkehr verschont bliebe.

Vom Tisch sind aufgrund des Vergleichs sämtliche Varianten für eine direkte Anbindung von Kaufungen-Papierfabrik an Kassel-Ost (vor allem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit) sowie eine eigene Anschlussstelle Papierfabrik (vor allem aus Gründen des Naturschutzes).

A44-Einhausung zu teuer? Experten sehen Schutz bei Oberkaufungen kritisch

Unter den von Hessen Mobil betrachteten Varianten schneidet eine am besten ab: eine Autobahn im unteren Lossetal, die zwischen Niederkaufungen und Helsa parallel zur Bundesstraße 7 geführt wird. Die B 7 soll dabei von Kassel-Ost bis zur Einmündung der Kreisstraße 6 überbaut und die Kreisstraße 7 zwischen Oberkaufungen und Helsa zurückgebaut werden.

Für den Bereich Oberkaufungen sieht diese Planungsvariante vor, die Autobahn zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm einzuhausen, also zu umbauen. Doch an diesem Punkt sehen die Experten der Straßenbaubehörde ein erhebliches Problem. Wegen der geschätzten Kosten von 64 Millionen Euro für die Einhausung wird die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung als „sehr schlecht“ eingestuft. Auf der Notenskala wird die Wirtschaftlichkeit mit einer Fünf bewertet.

Die Variante, so heißt es im Fazit der Betrachtung, „wird damit voraussichtlich aus Kostengründen nicht realisierbar sein“.

Bewertung der Lossetaltrasse

Variante in Kürze: Autobahndreieck Kassel-Ost, Anschlussstelle Kaufungen, Parallelführung neben der B7 ab Kunstmühle bis Helsa, Rückbau der K7 zwischen Oberkaufungen und Helsa.

Vorteile (Auszüge): sehr gute technische Machbarkeit, Problematik des Umleitungsverkehrs durch den Erhalt der B7 gelöst, durch ortsnahe Linienführung Lärmvorsorgewerte unterhalb der Grenzwerte, zusammen mit Variante, die Überbauung der B7 vorsieht, beste Bewertung bei Wirtschaftlichkeit.

Nachteile (Auszüge): mehr Waldverlust im Stiftswald, Bechsteinfledermaus-Kolonie und Brunnen Kohlenstraße werden gekreuzt.

Fazit: mögliche Vorschlagsvariante, Bündelung von Verkehr wird erreicht, wirtschaftliche Lösung, Problem des Umleitungsverkehrs gelöst, effektivste Lösung hinsichtlich Lärmschutz.

Bewertung der H-Trasse

Variante in Kürze: Zwischenkorridor ab Kassel-Süd mit Anschlussstelle Kaufungen-Mitte, ab Kunstmühle weiter auf Lossetaltrasse.

Vorteile (Auszüge): sehr gute technische Machbarkeit, günstigste Linienführung für den Fernverkehr, weil kein Umweg über die A7, keine Probleme wegen FFH-Gebieten.

Nachteile (Auszüge): Entlastung der Ortslagen nicht gegeben, da ein Großteil des Regionalverkehrs auf der B7 bleibt, Einkesselung von Lohfelden durch Süd- und Ostumfahrung; Zerschneidung zuvor unbelasteter Flächen, sehr schlechte Bewertung bei den Kriterien Raumordnung, verkehrliche Wirkung und Schutzgut Mensch.

Fazit: keine Vorschlagsvariante, weil Bündelung des Verkehrs und Entlastung der Ortslagen nicht erreicht werden, Probleme bei Artenschutz.

Kriterien: Experten vergaben Noten

Unter zwölf Kriterien haben die Experten von Hessen Mobil die verschiedenen Trassenvarianten bewertet. Dabei konnten sie Noten von Eins (sehr gut) bis Sechs (ungenügend) vergeben. Die Kriterien im Einzelnen:

• technische Machbarkeit

• Wirtschaftlichkeit

• verkehrliche Wirkung

• Ziele der Raumordnung, Landes- und Bauleitplanung

• Schutzgut Mensch (besondere Berücksichtigung Lärm)

• Schutzgut Flora und Fauna

• Natura 2000 (Netz von Schutzgebieten)

• Schutzgut Wasser und Hydrogeologie

• Schutzgut Boden

• Schutzgut Klima

• Schutzgut Landschaftsbild und natürliche Erholungseignung

• Schutzgut Kultur- und Sachgüter.

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