Drei Jahre für die Nordröhre gebraucht

Durchstich im A44-Tunnel: Oft nur 40 Zentimeter am Tag geschafft

Helsa/Hessisch Lichtenau. 22 Jahre wurde geplant, berechnet und geprüft. Als es dann losging, kam der Bohrer oft nur 40 Zentimeter am Tag voran. Aber nun ist die Nordröhre des A44-Tunnels Hirschhagen durchbrochen.

„Das ist schon ein besonderer Augenblick“, sagt Reinhold Rehbein, als der Bagger zum Durchstich ansetzt. Seit 1993 betreut Rehbein, Dezernatsleiter von Hessen Mobil, das Projekt A44 zwischen Kassel und Herleshausen – und damit auch den Tunnel Hirschhagen. Zwei Dekaden lang hat er geplant, berechnet, geprüft. Jetzt, nach etwa drei Jahren Bauzeit, ist die 4,2 Kilometer lange Tunnelröhre gegraben. Ein Teil seines Lebenswerkes? „Könnte man so sagen“, sagt Rehbein.

Der Weg dahin war lang, der Tunnelbau durch den Untergrund zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau war nicht immer leicht. Vor allem der Vortrieb von Westen her machte Probleme. Dort herrschten lockerer Sand und Ton mit Braunkohleeinschlüssen vor. Zusammen mit Wasser bildet dieses Substrat ein gefährliches Gemisch – der Berg wird zähflüssig wie Pudding. Um Einbrüche zu verhindern, mussten zunächst bis zu 15 Meter lange Betonschirme waagrecht in den Berg getrieben werden. Erst dann konnte das darunter liegende Material mit einem Bagger entfernt werden. „Wir sind oft nur 40 Zentimeter pro Tag weitergekommen“, sagt Rehbein. Vor allem deshalb werde der Tunnel wohl noch etwas teurer als geplant werden. Im roten Buntsandstein von Osten her sei dagegen alles schneller gegangen, „bis zu 30 Meter pro Woche haben die Mineure da geschafft“, sagt Rehbein.

Lossebahn sackte ab

Schrecksekunden brachten auch die Absenkungen im Bereich der B7 und direkt im Lossetal. Der Fluss wird hier vom Tunnel in nur zehn Metern Tiefe unterquert. „Tatsächlich senkten sich die Gleise der Lossetal-Bahn um bis zu 40 Zentimeter ab“, sagt Rehbein. Die Gleise seien daraufhin mit Schotter unterstopft worden, was gut funktioniert habe. „Nicht ganz so stark gesenkt hat sich in diesem Bereich die B7. Hier mussten wir baulich nichts unternehmen.“

Arbeiten noch nicht am Ende

Eine kleine geologische Sensation im Zuge des Tunnel-Vortriebs war die Entdeckung eines Mini-Vulkanschlotes mitten in einer tektonischen Störzone mit Tuffstein. Sie löste sogar große Aufmerksamkeit in Fachkreisen aus. Negative Auswirkungen auf den Tunnelbau habe diese Störzone aber nicht gehabt.

Durchbruch beim Tunnel Hirschhagen

„Wie dem auch sei, fertig sind wir mit dem Tunnel Hirschhagen noch lange nicht“, fasst Rehbein zusammen. Als Nächstes würden nun die bis zu 80 Zentimeter dicken Beton-Innenschalen eingebaut. „Allein das dauert noch bis 2018.“ Erst danach erfolge der Einbau der Fahrbahnen, der Entwässerungsanlagen und der ganzen technischen Installationen. Ende 2019 sei dann alles fertig. „Das ist schon viel Zeit. Aber für einen Tunnel eben doch recht schnell“, sagt Rehbein.

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