Zuschuss vom Bund hängt von Zustimmung der Bürger ab

Gemeinde Helsa lässt Glasfasernetz prüfen: Müssen Bürger zahlen?

Helsa. Wenn es nach dem Bürgermeister geht, sollen die ersten Helsaer Häuser schon Ende 2017 schnelles Internet haben. Wer sich zu spät entscheidet, muss allerdings selbst zahlen.

„Jedes Haus soll mit Glasfaser versorgt werden“, sagte Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) auf einer Bürgerversammlung am Dienstagabend. Wer direkt an das Glasfasernetz angeschlossen werden will, dem wird der Garten aufgerissen, damit die Kabel verlegt werden können. Wer erst im Nachhinein an das Netz angeschlossen werden will, muss die Verlegung sogar selbst zahlen. So lautet der Plan des Bürgermeisters – jetzt muss das Gemeindeparlament darüber entscheiden.

Die von Küthe angestrebte Datenübertragungsrate von mehr als 100 Megabits pro Sekunde ist nur erreichbar, wenn die Glasfaserkabel bis ins Haus gehen. Denn: Je weniger Anteile von Kupferkabel sich in der Leitung bis zum Haus befinden, umso stärker ist die Leistung“, erklärte Frank Schellenberg, Geschäftsführer des Bauprojektentwicklers CEC in Dessau, den die Gemeinde mit der Kalkulation der Baukosten beauftragt hat. „Wir überprüfen den Ist-Zustand der Oberflächen“, so Schellenberg, um zu schauen, wie die Kabel verlegt werden können. Ein Vorteil für den Ausbau des Netzes sei es, so Küthe, dass in weiten Teilen der Gemeinde bereits Glasfaser liegt – im Bereich der Straßenbahn und der Windkraftanlagen zum Beispiel.

Mindestquote nötig

Ein nächster Schritt nach der Prüfung sei es, einen Anbieter zu finden, der das vorhandene Glasfasernetz ausbaut und die Häuser daran anschließt. Ob man an die bereits verlegten Leitungen herankomme, sei aber noch nicht sicher, so Küthe.

Die Kosten für die Prüfung übernimmt das Bundesverkehrsministerium. Und auch vom Ausbau des Glasfasernetzes verspricht sich die Gemeinde einen Zuschuss des Bundes von bis zu 90 Prozent – laut Küthe sei die Bewilligung auch abhängig davon, wie viele Bürger sich den Glasfaserausbau wünschen. Um das herauszufinden, werden demnächst zusammen mit der Wasserzähler-Abfrage Fragebögen in den Briefkästen landen. Um das Glasfasernetz auszubauen, brauche es nämlich eine Mindestquote an Bürgern, die schnelles Internet wollen.

Wie viel muss der Bürger letztlich für den Anschluss an das Netz zahlen? Laut Schellenberg würden bundesweit 90 Prozent der Kommunen darauf verzichten, sich den Anschluss an das Netz vom Kunden bezahlen zu lassen. „Wie Helsa das regelt, darüber muss wohl das Gemeindeparlament entscheiden“, sagt Schellenberg gegenüber der HNA. Sicher ist jedoch: Wer sich erst im Nachhinein für einen Anschluss entscheidet, muss Kosten von bis zu 1500 Euro selbst tragen. „Je größer die Entfernungen zu den Häusern sind, desto teurer wird es“, bestätigt Tilo Küthe. Für jeden, der einen Anschluss hat, fällt zudem ein Nutzungsentgelt an: Die etwa sieben Euro seien in dem Betrag enthalten, den der Kunde an den Internetanbieter zahlt, mit dem er einen Vertrag abschließt. 

Rubriklistenbild: © Archivfoto/Dilling

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