Urteilsverkündung unter Polizeischutz fortgesetzt

Gerichtsprozess: Richter wurde beleidigt, Angeklagter musste Saal verlassen

Helsa. Mit einem Eklat während der Urteilsverkündung endete der Prozess gegen zwei Männer, die im Dezember 2014 einen 30-Jährigen in dessen Wohnung in Helsa überfallen hatten und dabei einen selbst gebauten Schlagstock einsetzten.

Der ältere der zwei Täter, ein 34-jähriger Bekannter des Opfers, sprang wutentbrannt auf, als der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek die erlittenen psychischen Schäden des Überfallenen schilderte. Mit unflätigen Worten titulierte der zu vier Jahren und sechs Monaten Haft Verurteilte den Richter, ließ sich auch von seinem Anwalt nicht beruhigen, zeigte den so genannten „Stinkefinger“ und musste von Justizwachtmeistern vorübergehend aus dem Saal geführt werden. Nach einer Sitzungsunterbrechung konnte die Urteilsverkündung unter Polizeischutz fortgesetzt werden.

Dass er sich nach dem Überfall nicht mehr aus dem Haus getraut habe, hatte das 30-jährige Opfer als Zeuge berichtet, ein laut Verteidiger Mauermann polizeibekannter Dealer. Der 34-Jährige Angeklagte hatte sich noch am Morgen mit ruhiger Stimme und glaubwürdiger Reue für seine Tat entschuldigt. Das wertete Staatsanwalt Dr. Philip Schwarz positiv, ebenso wie das Geständnis des Drogenabhängigen auch bezüglich der sieben angeklagten Diebstähle in Kassler Drogeriemärkten.

Eine Sachverständige hatte beiden Angeklagten wegen ihres starken Drogenkonsums zur Tatzeit verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Ein Aspekt, der sich strafmindernd auswirkte, während die jeweiligen einschlägigen Vorstrafen strafmaßerhöhend von der 5. Strafkammer gewertet wurden. Der 34-Jährige stand zum Zeitpunkt des Überfalls Anfang Dezember 2014 sogar unter Bewährung und war erst wenige Tage zuvor aus der Entgiftung entlassen worden, sein sechster Therapieversuch.

Dennoch setzte er sein Arbeitslosengeld in Drogen um und spritzte sich diese auf einer öffentlichen Toilette in Kassel. Dabei begegneten sich die beiden Verurteilten, die sich bis dahin nicht gekannt hatte. Bei dem 30-Jährigen in Helsa wollten sie sich nach eigener Darstellung Geld für weitere Drogen nur ausleihen. Das Gericht hielt aber eine räuberische Erpressung von 400 Euro und zweier Handys unter Androhung von Gewalt mittels des Schlagstocks für erwiesen. Die Kammer folgte für beide Täter exakt der Forderung von Staatsanwalt Dr. Philip Schwarz und verurteilte den jüngeren, 25-jährigen, Mann zu vier Jahren Haft.

Von Andrea Liese

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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