Ehemaliger Bewohner des Wohnheims Waldhof berichtet

Der Kampf gegen die Sucht: Aus dem Leben eines Ex-Alkoholikers

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Einen Arm verloren, ein neues Leben gewonnen: Klaus-Dieter Willius lebte zwei Jahre im Wohnheim.

Helsa. Harten Alkohol hat er so gut wie nie getrunken, sagt Klaus-Dieter Willius. Nur Wein - davon allerdings umso mehr. Ein Ex-Alkoholiker berichtet von seiner Sucht.

Harten Alkohol hat er so gut wie nie getrunken. Nur Wein, davon allerdings umso mehr. „Das konnten schon mal fünf bis sechs Liter am Tag sein“, erinnert sich Klaus-Dieter Willius. Am Wochenende berichtete er darüber während der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Wohnheimes für mehrfach geschädigte Abhängigkeitskranke im Seniorenzentrum Waldhof. Dort war auch er von 2011 bis 2013 untergebracht, und das zunächst nicht freiwillig.

„Meine geliebte Frau hatte sich gerade das Leben genommen, woraufhin ich keine Lebensqualität mehr sah, mich zukunftstot fühlte und auch keinen Hehl daraus machte, mich totsaufen zu wollen“, so der 66-Jährige. Nachdem er tagelang volltrunken auf seinem linken Arm gelegen hatte, der kurz darauf amputiert werden musste, habe sich „die öffentliche Hand“ eingeschaltet und ihn wegen Selbstgefährdung auf der Suchtstation im Haus Waldhof untergebracht.

„Die Eingewöhnung war schwer für mich, ich hatte schon lange keinen geregelten Tagesablauf mehr gehabt, erkannte allerdings schnell die Chance, meine Gedanken neu ordnen und so leben zu können, dass meine Frau stolz auf mich sein kann, wo sie nun ist.“ Gruppengespräche, Arbeiten im Stationsbereich und ein strukturierter Alltag führten Willius Stück für Stück weg vom Seelentröster Alkohol und zurück zu seinem „eigentlich strebsamen Ich“. Die Unterstützung, die er von den „engagierten Mitarbeitern erfahren durfte, hat mir dabei geholfen, endlich wieder auf sicheren Beinen durchs Leben gehen zu können“.

Zwischen ihm und dem Waldhof sei während der zwei Jahre eine ganz besondere Liebe entstanden, die er auf keinen Fall mehr missen wolle. Auch deshalb komme er heute, wo er längst wieder in einer eigenen Wohnung in Lohfelden lebt, gern dreimal die Woche vorbei, um den Alltag mit heutigen Bewohnern zu verbringen. „Ich mache all das, wofür die Angestellten keine Zeit haben“, sagt er zufrieden. Nur eines könne er dabei nicht liefern: ein Patentrezept, um das Monster Alkohol zu besiegen. Da muss laut Willius jeder seinen eigenen Weg finden. „Der Wille ist dabei ebenso wichtig wie die richtige Unterstützung“, sagt er und freut sich, dass in seinem Leben der Alkohol keinen Platz mehr hat.

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