Parcours des Feldbogenvereins Kassel-Helsa: Auf der Jagd nach Plastiktieren

Helsa. Bogenschießen - Viele denken da zuerst an Männer in grünen Strumpfhosen und an den Sherwood Forest.

Auf dem Feldbogenparcours in Helsa fühlt man sich sofort wie Robin Hood, der mit seinen Gefährten in den Kaufunger Wäldern auf der Grenze zwischen dem Landkreis Kassel und dem Werra-Meißner-Kreis auf die Jagd geht - allerdings nach Plastiktieren.

Während die Vögel zwitschern, geht es mit erfahrenen Bogenschützen des Feldbogenvereins Kassel-Helsa durch den Wald. Offen berichten die Vereinsmitglieder Ines Manske und Bernd Kessler von ihrer Leidenschaft und der Ursprünglichkeit des Bogenschießens.

Gummi-Elch im Wald 

Real wirkende Tiere als Zielscheibe: Der Elch ist mit das größte Tier im Feldparcours. Foto: Geier

Extra leise müssen sie dafür nicht sein, denn diese Tiere können nicht weglaufen. Das erste Mal auf dem Parcours unterwegs, sucht der Blick die Umgebung ab. Bei jedem Schritt streift der Köcher am Bein entlang. Plötzlich taucht ein imposanter, knapp zwei Meter großer Elch mit seinem ausladenden Geweih zwischen den Bäumen auf. „Diese spezielle Gummiart hat sich aus Kanada direkt in unsere heimischen Wälder verirrt“, berichtet Vereinsvorsitzender Erich Manske. Das Wort Elch ist in englischer Sprache in die Gummihaut eingeprägt, einige Zentimeter oberhalb der Vorderläufe befindet sich eine Art Zielscheibe. Manske streichelt stolz dem Tier über den Rücken und erklärt, wie viele Punkte sich hinter den Ringen des kaum sichtbaren Ziels verbergen. Es gebe elf Punkte, wenn der Pfeil das drei Zentimeter große Zentrum der Scheibe trifft. Reines Wunschdenken, denn aus der Entfernung ist die Zielscheibe nicht zu erkennen.

Mit sieben Metern Entfernung sollen Anfänger ihr Glück probieren. Der erste Pfeil wird noch angereicht. Jetzt muss man ihn nur noch in die Sehne stecken und Position einnehmen. Mit aller Kraft die Sehne samt Pfeil zurückziehen. Ohne Zielhilfe soll man sich nur auf seine Erfahrung und seine Intuition verlassen. Augenmaß ist gefragt.

Je stärker der Bogen gespannt ist, desto heftiger bebt die Hand. Nicht atmen. Der Kopf vollkommen leer. Freude, als der Pfeil dem Ziel mit großer Wucht entgegenschnellt. Überraschung, als er sich einen Augenblick später in das Tier bohrt. Getroffen.

3000 Schuss bis zum Ziel 

Mitten im Wald: Volontärin Christiane Geier ging auf dem Feldbogenparcours in Helsa mit Pfeil und Bogen auf die Jagd nach Plastiktieren. Foto: Kessler/nh

„Man ist selbst dafür verantwortlich, ob man trifft oder nicht und dieses hohe Maß an Eigenverantwortung macht Spaß“, erklärt Manske. Bei jedem Schuss korrigiert er: „Augen auf, tiefer zielen, mehr spannen.“ Ihm ist es zu verdanken, dass zwei der Pfeile tatsächlich im äußersten Ring der Zielscheibe landen. Drei der sieben Schüsse gehen komplett am Tier vorbei.

Wie lange braucht man eigentlich, um ein guter Bogenschütze zu werden? Bei dieser Frage schmunzelt Manske: „3000 Schuss kann das schon dauern. Langweilig oder gar deprimierend wird es trotzdem für den Schützen nie. Jede Lernphase hat ihre besonderen Herausforderungen.“

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