Haus soll nicht verschleudert werden

Noch kein Käufer für 280 Jahre alte Helsaer Gemeindeschenke in Sicht

Steht seit zwei Jahren zum Verkauf: Die ehemalige Gemeindeschenke an der Berliner Straße in Helsa. Rechts im Bild sieht man den Turm der angrenzenden Nikolaikirche, links im Hintergrund das Rathaus. Archivfoto: Schindler

Helsa. Sie hat historischen Wert, ist gut erhalten und findet dennoch keinen Käufer: Die ehemalige Gemeindeschenke im Ortskern von Helsa. Seit Jahren steht das 280 Jahre alte Gebäude zum Verkauf.

Einen geeigneten Käufer gibt es dennoch nicht. Man wolle das Haus nicht verschleudern, sagt Bürgermeister Tilo Küthe auf HNA-Anfrage.

„Es ist unser repräsentativstes Gebäude“, sagt Küthe. Die Wünsche, die die Gemeinde an den potenziellen Käufer richtet, sind dementsprechend hoch. Es sei nicht damit getan, dass Haus zu kaufen und zu nutzen - geeignet ist in den Augen der Gemeinde ein Interessent, der auch Geld in dessen Erhalt steckt. Derzeit wird das mehrgeschossige Fachwerkgebäude, das direkt neben der Nikolaikirche steht, unter anderem von Vereinen genutzt. Im Dachgeschoss befindet sich zudem eine Wohnung.

Dass die Gemeinde eines ihrer markantesten Gebäude zum Verkauf anbietet, wurde 2014 entschieden - aufgrund der angespannten finanziellen Situation. Helsa war unter den Schutzschirm des Landes gekommen und im Vertrag zum Schuldenerlass verpflichtete sich die Gemeinde zum Verkauf.

„Dieses Haus wird nie eine Nullnummer“, hatte der Rathauschef damals gegenüber der HNA gesagt. Auf eine HNA-Anzeige hatten sich damals drei Interessenten gemeldet. Doch ein Verkauf des „Sahneschnittchens“, wie Küthe es nannte, fand nicht statt. Obwohl das Fachwerkhaus trotz seines stolzen Alters baulich in Schuss sei.

Das Kaufangebot, das damals als „einziges konkretes“ bezeichnet worden war, hatte eine Schauenburger Musikerin gemacht, die das Haus als Musikschule und für Konzerte nutzten wollte. Daraus wurde nichts, ebenso wie aus dem Angebot, das die Gemeinde an die evangelische Kirche richtete. Sie hätte das Haus als Gemeindehaus nutzen können, sich aber für einen Neubau entschieden.

Heute, fast zwei Jahre seit der Bekanntgabe des Verkaufs, sagt der Bürgermeister: „Wir wollen uns nicht aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf entscheiden.“ Er räumt allerdings ein: Das, was man im Buch stehen habe, würde man wohl eh nicht bekommen. Dabei sei es ein „optimales Büro“, zum Beispiel für einen Rechtsanwalt.

Hintergrund 

• Ohne die Proteste engagierter Helsaer würde die frühere Gemeindeschenke wohl nicht mehr stehen. Anfang der 1970er-Jahre war geplant, das Fachwerkhaus für die Verbreiterung der Bundesstraße 451 abzureißen.

• In den letzten Kriegstagen entging das Haus nur knapp einem alliierten Fliegerangriff.

• Die einstige Schenke sorgte bis vor gut 100 Jahren immer wieder für Zwist zwischen der politischen Gemeinde und der Kirchengemeinde. Weil der Schankbetrieb direkt neben dem Gotteshaus den Pfarrern ein Dorn im Auge war, wurde er schließlich im Jahr 1901 eingestellt. Aus der Schenke wurde ein normales Wohnhaus, später entstanden Räume für Vereine.

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