Erkenntnisse zum Münzfund: Waren die Römer auch in Helsa?

Hat etwas entdeckt, was niemand wusste: Geschichtsvereins-Mitglied Roland Gernand beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Römer und fand zwei römische Münzen im Archiv, eine davon ist ein Antoninian. Fotos: Lischper

Helsa. Großalmeröder Porzellan von 1925, Glas aus der Altmündener Hütte, Dinosaurierknochen aus der Sandgrube zwischen Helsa und Wickenrode - in den Vitrinen des Geschichtsvereins Helsa liegen viele Kostbarkeiten.

Manchmal braucht es einen Fachmann, um die wahre Geschichte hinter einem Gegenstand zu finden.

So kam mit Neumitglied Roland Gernand (62) aus Hessisch Lichtenau ein Mann in den Verein, der sich mit der Geschichte der Römer in Nordhessen auskennt. Und er fand heraus: Unter den zahlreichen Münzen des Archivs sind solche aus der Römerzeit.

Die Münzen

Gerd Vogelsang

Die zwei Münzen wurden an verschiedenen Orten in Wickenrode entdeckt. Die erste Münze, ein Antoninian des Claudius II. Gothicus (268-270 n. Chr., großes Bild), wurde bei Ausschachtungsarbeiten gefunden. „Sie steckte in einem großen Klumpen aus Lehm, zusammen mit weiteren Münzen“, sagt Vorsitzender Gerd Vogelsang. Laut Gernand zeigt die Münze ein Profilbild des Kaiser Claudius mit Strahlenkrone. Auf der Rückseite ist Victoria mit Lorbeerkranz abgebildet - „sie ist die römische Verkörperung des Sieges und günstigen Erfolges“.

Die zweite Münze ist ein Dupondius des Hadrian (117-138 n. Chr., kleines Bild). Auf ihr ist die Büste des Kaisers Hadrianus mit Lorbeerkranz abgebildet, auf der Rückseite die Göttin Moneta mit Füllhorn und Waage.

Ein Mann aus dem Dorf entdeckte die Münze bei Umbauarbeiten auf einem Dachstuhl in einem Säckchen mit Münzen und Scheinen. „Er erzählte, sein Großvater habe das Säckchen versteckt, als 1945 die Amerikaner einmarschierten und sein Haus durchsuchten“, berichtet Vogelsang.

Die Bedeutung

Die beiden Münzen liegen etwa 120 Jahre auseinander und haben erst einmal nichts miteinander zu tun, sagt Römer-Experte Gernand. „Wie sie nach Wickenrode gekommen sind, wissen wir nicht.“ Er ist vorsichtig mit seiner Entdeckung: „Wir sollten diesen Münzenfund nicht überbewerten, aber auch nicht unter den Teppich kehren.“ Dass diese Münzen in Wickenrode gefunden wurden, müsse nicht bedeuten, dass hier auch die Römer unterwegs waren.

Es könnte aber sein, dass ihr Fund mit den Handelsstraßen zusammenhängt. „Vielleicht hat ein Händler die Münzen mitgebracht.“

Die Erkenntnisse

Schwerpunkt seiner bisherigen Recherche waren für Roland Gernand die Handelswege. Anhand von archäologischen Fundmeldungen in der Region könne man solche Wege rekonstruieren.

Einer dieser Wege ist der Sälzer Weg: Heute als Wanderweg genutzt, diente er lange vor Christi Geburt als Handelsstraße. „Acht Münzen römischen Ursprungs wurden auf diesem Weg gefunden.“

Interessant für ihn sei nun die Frage, ob auch Wickenrode am alten Wegenetz lag. Die römischen Münzen könnten darauf hinweisen.

Der Geschichtsverein Helsa ist im Internet: www.geschichtsverein-helsa.de

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