Revierleiter: "Sie kommen immer wieder"

Wildschweine haben Sportplatz in Helsa durchwühlt

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Hier waren die Wildschweine am Werk: Der Bolzplatz neben dem Spielfeld an den Abtissenwiesen in Eschenstruth ist großflächig zerstört. Wildschweine waren hier wohl auf der Suche nach Nahrung. 

Helsa. Wer seinen Garten umgraben will, sollte sich ein Wildschwein zulegen. Was diese Tiere leisten können, sieht man auf dem Sportplatz Abtissenwiesen in Eschenstruth und auf dem Spielplatz der Siedlung Waldhof: Es scheint, als wäre hier der Bagger am Werk gewesen, spielen kann hier niemand mehr.

Zur Gemeindevertretersitzung am Donnerstag bringt die SPD-Fraktion einen Antrag ein. Sie will prüfen lassen, was man gegen das Wildschwein-Problem tun kann.

Während das Spielfeld des Sportplatzes dank eines Elektrozauns verschont geblieben ist, reihen sich auf dem Platz daneben Hügel und Löcher aneinander, die bis zu zehn Zentimeter tief sind. Für Gert Snethlage kein seltenes Bild. Als Revierförster von Hessen-Forst betreut er den Kommunalwald und Privatwald in Hessisch Lichtenau, Großalmerode und Helsa. Er weiß: Den Wildschweinen geht es hier viel zu gut.

So habe der Wind zwischen 2008 und 2012 im Waldstück zwischen der Siedlung Waldhof und Fürstenhagen große Flächen Fichten umgefegt – sie bieten den Tieren eine gute Rückzugsmöglichkeit. Ein weiteres Versteck, um sich in Ruhe zu vermehren, ist die naturgemäße Waldwirtschaft, durch die der Wald aus großen und kleinen Bäumen besteht. Auch hier suchen die Schweine Schutz – vor allem vor Menschen. Jagen, um die Population zu kontrollieren, sei hier also schwierig. Die Nähe zur Bundesstraße 7 macht auch eine Drückjagd unmöglich, will man nicht riskieren, dass Schweine wie auch Jagdhunde bei der Jagd unter dem Auto landen.

Großes Nahrungsangebot

„Wildschweine sind Allesfresser“, sagt Snethlage. Zum Sportplatz könnte sie das frische Gras geführt haben mit seinen eingenisteten Käferlarven. Andernorts habe er schon tiefere Löcher gesehen – auf der Suche nach Mäusen graben die Schweine auch mal metertief. Und auch die Natur meint es mit ihnen gut: Hätten Buchen früher zweimal in zehn Jahren Früchte getragen, so blühten sie heute fast jedes Jahr, so Snethlage. Bucheckern seien sehr nahrhaft für die Wildschweine. Weil sie aber nur pflanzliches Eiweiß enthalten, suchen die Vierbeiner als Ausgleich nach tierischem Ersatz und nehmen damit noch mehr zu sich.

Bleibt die Frage nach einer Lösung des Wildschwein-Problems. Es müssten weitere Zäune her, sagt SPD-Gemeindevertreter Dirk Schröder auf HNA-Anfrage. Man habe sich innerhalb der Fraktion bereits damit befasst und wolle nun den Gemeindevorstand prüfen lassen, was sonst noch möglich ist.

Revierförster Snethlage hält einen zwei Meter hohen Wildschutzzaun aus Maschendraht für möglich. Der untere Draht sei mit drei Millimetern Stärke dick genug und könnte nicht, wie Snethlage das schon erlebt hat, durchbrochen werden. Auch könnten die Wildschweine ihn nicht hochheben. Die Tiere hätten nämlich eine unglaubliche Kraft in der Nase. „Die haben mir auch schon mal ein 50 Zentimeter tiefes Loch in einen Schotterweg gegraben.“

Das sagt der Bürgermeister

„Ich wollte, dass dort mit Hochdruck bejagt wird“, sagt Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) auf Nachfrage der HNA. Er spricht bezüglich des Zustands der Wiese vom Sportplatz und der Fläche am Spielplatz von einer „extremen Lage“. Man wolle jetzt nach einer „kostengünstigen und effektiven Möglichkeit“ suchen, um mit dem Wildschwein-Problem umzugehen. Für die Gemeinde seien erhebliche Schäden entstanden. „Die kriegen wir nicht ersetzt“, so Küthe. Eine Möglichkeit wäre, weitere Elektrozäune zu befestigen. „Das muss dann eben vom Forst begleitet werden.“

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