Gesundheitsamt warnt

Impfbereitschaft im Kreis sinkt - Eltern halten Masern für harmlose Infektion

Landkreis Kassel. Im vergangenen Jahr haben sich die Impfquoten im Landkreis Kassel verschlechtert.

Landkreis Kassel. Im vergangenen Jahr haben sich die Impfquoten im Landkreis Kassel verschlechtert. Ein prägnantes Beispiel dafür ist laut Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, die Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR).

Die Quote der Impfungen werde bei den Schuleingangsuntersuchungen ermittelt. Während diese in den Jahren 2013 und 2014 noch bei 95,3 Prozent gelegen habe, sei sie 2015 auf 86,9 Prozent gesunken, so Müller. Besonders in Hinblick auf Masern sei dieses Ergebnis besorgniserregend, da es sich hier um eine schwere Infektionskrankheit handele.

Dr. Karin Müller

Über die Gründe der Impfmüdigkeit könne man nur spekulieren, sagt Müller. Viele Eltern hielten Masern immer noch für eine harmlose Kinderkrankheit und unterschätzten dabei die Gefahr der Infektion. Manche Mütter und Väter sollen auch die Angst haben, dass die Impfung mehr Schaden anrichtet als die Krankheit.

Im Altkreis Kassel sind laut Regine Bresler, Abteilungsleiterin für Kinder- und Jugendgesundheit im Gesundheitsamt der Region Kassel, die Impfquoten für Masern, Mumps und Röteln größtenteils in Ordnung. Lediglich Fuldatal mit 90 Prozent und Kaufungen mit 92,9 Prozent lägen eindeutig unter der vom Gesundheitsamt und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für gut befundenen Quote von 95 Prozent. Auch Nieste mit einer MMR-Impfrate von 94,7 Prozent und Schauenburg mit 94,4 Prozent seien leicht unter der idealen Prozentzahl. Die Gemeinde Söhrewald sei mit einer hundertprozentigen Impfquote Spitzenreiter im Kreis, gefolgt von Vellmar mit 98,3 Prozent.

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Grund dafür ist laut Bresler, dass Deutschland als freier Staat den Bürgern in dieser Hinsicht keine Vorschriften mache. Deshalb gebe es lediglich die öffentliche Empfehlung, Kinder impfen zu lassen. „Es herrscht eine große Diskussion um die Impfpflicht“, bestätigt Bresler, gerade weil Länder wie die USA, Großbritannien und Norwegen schon masernfrei seien und einen Impfnachweis vor der Einreise anfordern. So lange es in Deutschland aber kein Gesetz gebe, bleibe der Handlungsspielraum groß.

Regine Bresler

Man versucht laut Bresler, an die Vernunft der Eltern zu appellieren, vor allem weil die Masern-Krankheit für immunschwache Menschen wie Säuglinge oder alte Personen tödlich enden könne. Eine MMR-Impfung werde für Kleinkinder erst ab dem elften Lebensmonat empfohlen.

Die Kinderärztin Hanna Schafft-Sommer, die in Immenhausen praktiziert, sieht die Impfmüdigkeit als große Gefahr. Eltern setzten nicht nur ihre Kinder einer großen Gefahr aus, sondern gefährdeten damit die Öffentlichkeit. „Eltern sind oft sehr verunsichert durch alle möglichen Kampagnen, zum Beispiel im Internet“, berichtet Schafft-Sommer. Dieser Verunsicherung wolle sie in Gesprächen mit den Eltern entgegenwirken, da man als Arzt mitverantwortlich dafür sei, dass die Kinder gesund durchs Leben gehen. Eine Impfpflicht in Deutschland halte sie für sinnvoll, da nicht geimpfte Menschen eine Gefährdung anderer darstellten. „Es macht keinen Sinn, nicht zu impfen“, betont Schafft-Sommer. 

Von Lara Thiele

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