Marktplatz: Katzenbetreuung auf Gegenseitigkeit

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Gabriele Börner spielt mit Lizzy.

Was machen wir mit unserer Katze, wenn wir in Urlaub fahren?“ Diese Frage hat sich sicher schon manche Familie gestellt, die ihr Heim mit einer oder mehreren Katzen teilt.

Aus einem ähnlichen Grund suchte auch Gabriele Börner aus Lohfelden vor drei Jahren eine Möglichkeit, einen ihrer Lieblinge künftig gut versorgt zu wissen – sie hatte eine Katze gefunden und bei sich aufgenommen. Allerdings vertrug der Neuling sich nicht mit den bereits bei der Familie wohnenden Tieren.

Bei ihren Recherchen stieß die Katzenfreundin dann auf den Freundeskreis Katze und Mensch e.V., der 1995 in Baden-Württemberg gegründet wurde. 2015 zählte der Verein bereits 7000 Mitglieder, die sich in ganz Deutschland der Katzenbetreuung auf Gegenseitigkeit verpflichtet fühlen: Betreust Du meine Katze, betreue ich Deine Katze.

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Marktplatz: Katzenbetreuung auf Gegenseitigkeit

Darf eine Katze in ihrem Revier bleiben, findet sie regelmäßig das Futter an der gewohnten Stelle und wird die Abwesenheit „ihres Menschen“ viel leichter ertragen als in einer fremden Umgebung. Denn Katzen sind sehr an ihre gewohnte Umgebung gebunden. Eine Katze zu transportieren und zum Beispiel mit in den Urlaub zu nehmen, ist zumeist mit starkem Stress für das Tier verbunden. Und damit auch für den Besitzer.

So werden jährlich hunderte von Katzen während der Abwesenheit ihrer „Dosenöffner“ zuhause von anderen Katzenfreunden versorgt, der Freundeskreis Katze und Mensch e. V. gewährt die Betreuung durch katzenerfahrene Mitglieder in der gewohnten Umgebung der Tiere.

Die Betreuung der Katzen erfolgt auf Gegenseitigkeit und kann darum ausschließlich von Vereinsmitgliedern in Anspruch genommen werden. Für die Mitglieder bedeutet das: Für das „Catsitting“ ihrer Katzen zahlen sie keinen Cent. Im Gegenzug betreuen sie dafür bei nächster Gelegenheit die Katzen von anderen Mitgliedern. Über die Termine, wann und wo sie betreuen, entscheiden sie selbst nach ihren Möglichkeiten.

Damit das Prinzip der gegenseitigen Betreuung nicht einseitig missbraucht wird, gibt es ein Punktesystem: Jede Mitgliedschaft startet mit zehn Plus-Punkten. Für jeden Tag, an dem die Hilfe eines anderen Mitglieds in Anspruch genommen wird, wird ein Punkt abgezogen und dem Betreuer ein Punkt gutgeschrieben. Wenn die Katze bei einem anderen Mitglied betreut wird, gibt es pro Tag einen Plus-Punkt. Dieses System dient der Orientierung, eine Kontrolle oder Verpflichtung gibt es nicht.

Außerdem setzt sich der Freundeskreis Katze und Mensch e.V. für den Schutz herrenloser und verwilderter Katzen ein, für den – ebenfalls deutschlandweit – die Mitgliedsbeiträge verwendet werden. „Eine normale Mitgliedschaft kostet 37,50 Euro im Jahr, für Senioren sogar nur 15 Euro. Das ist ein Bruchteil dessen, was man für eine Tierpension ausgeben müsste.“

„Mit diesem Geld von aktuell etwa 7000 Mitgliedern im Bundesgebiet ermöglichen wir die Hilfe für Streuner“, berichtet Gabriele Börner. Sie selbst hält seit 20 Jahren Katzen, seit zehn Jahren kümmert sie sich auch um herrenlose und Streunerkatzen.

Dafür engagiert sie sich seit 2012 lokal als Gruppenleiterin des Freundeskreises Katze und Mensch e.V. im Großraum Kassel, in dem der Verein etwa 80 registrierte Mitglieder im Alter zwischen 20 und 85 Jahren verzeichnet. „Für die jüngeren Mitglieder steht die Urlaubsbetreuung im Vordergrund, bei unseren älteren Mitgliedern geht es unter Umständen auch um die Absicherung, ihre Katze in guten Händen zu wissen – für den „Ernstfall“.“

Regelmäßige Treffen

Gabriele Börner selbst beherbergt derzeit acht Katzen in ihrem Haus: „Das sind alles Fundtiere, die auch vermittelt werden können und sollen.“ Darum suche sie nicht nur Interessenten für den Verein, sondern ebenfalls weitere Pflegestellen – nicht nur für Katzen verschiedenen Alters, sondern auch für junge Fundtiere, die möglichst sozialisiert werden sollen, um nach der Kastration ebenfalls vermittelt werden zu können. „Wir haben zum Beispiel eine ältere Dame, die selbst keine eigene Katze mehr halten möchte, sich und ihre Wohnung aber als Anlaufstelle für Notfälle zur Verfügung stellt“, berichtet Gabriele Börner.

„Wir Mitglieder treffen uns immer am letzten Freitag des Monats ab 18.30 Uhr in der Gaststätte Lohmann, Königstor 3. Zu diesen Treffen ist jeder immer herzlich eingeladen.“

Frau Börner ist als Ansprechpartner ebenfalls per Telefon (0561/ 510 78 91) oder E-Mail (kassel@katzenfreunde.de) zu erreichen. Gern beantwortet sie auch Fragen zu Futter- und Pflegestellen sowie zu Patenschaften. (pcj)

Von Constanze Junker

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