A44: Gruppe aus Kaufungen schlägt Solar-Autobahn vor

Bereits Realität: Zwischen Goldbach und Hößbach in Nordbayern ist die Autobahn 3 seit mehreren Jahren eingehaust. Auf dem Dach der Lärmschutzeinrichtung steht eine Solaranlage. Archivfoto:  nh

Kaufungen. In der Diskussion über die A44 bei Kaufungen schlagen Bürger sowie Vertretern von Firmen und Instuitutionen vor, die Autobahn einzuhausen.

Auf dem Dach der Lärmschutzeinrichtung soll nach dem Vorbild der A3 in Nordbayern eine riesige Fotovoltaikanlage entstehen.

Sie gilt als die längste Fotovoltaikanlage der Welt: Seit 2009 stehen 13 500 Solarmodule auf der Lärmschutzeinhausung der Autobahn 3 zwischen Goldbach und Hößbach nahe Aschaffenburg. Die örtlichen Elektrizitätswerke haben die Anlage in Nordbayern gebaut, betrieben wird sie von der eigens dafür gegründeten A3-Solargesellschaft, die Straßenbauverwaltung kassiert für die Fläche Pacht.

Ein solches Modell könnte sich eine Gruppe von Kaufunger Bürgern und Vertretern von Firmen und Institutionen aus der Lossetalgemeinde auch für die Autobahn 44 bei Ober- und Niederkaufungen vorgestellen. Sie regen an, die A44 auf einer Länge von rund vier Kilometern zwischen der Kunstmühle östlich von Oberkaufungen und der Setzbachbrücke bei Niederkaufungen einzuhausen und auf dem Bauwerk eine Fotovoltaikanlage zu errichten.

Dabei soll die Autobahn ortsnah neben der heutigen Bundesstraße 7 entlanggeführt werden. Die B7, darüber besteht längst Einigkeit, wird im Rang einer Kreisstraße bestehen bleiben und bei Unfällen und Baustellen auf der Autobahn als Ausweichstrecke dienen.

Thilo von Gilsa

Thilo von Gilsa, für den Stiftswald zuständiger Obervorsteher des Ritterschaftlichen Stifts Kaufungen, hält eine Einhausung für eine gute Lösung. Nach den Berechnungen des Stifts könnte so verhindert werden, dass 25 Hektar des Waldbestands dem Autobahnbau zum Opfer fallen. Der „ökologisch besonders wertvolle Waldrand“ werde zerstört, sollte die aktuelle Planung von Hessen Mobil verwirklicht werden.

Für die Kaufunger, denen der Stiftswald auch als Erholungs- und Wandergebiet dient, entstehe zwischen den Ortschaften und dem Stiftswald ein „hässlicher Riegel“, warnt der Obervorsteher.

Von Gilsa, der die Planung auch wegen einer aufwändigen Umsiedlung der an der Ziegelhütte bestehenden Kolonie von Bechsteinfledermäusen „unvernünftig“ nennt, richtet zusammen mit den übrigen Fürsprechern einer A44-Einhausung einen dringenden Appell an Hessen Mobil und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne): Der Vorschlag müsse von Hessen Mobil realistisch dargestellt und gleichberechtigt zu den anderen Autobahnvarianten geprüft werden.

Björn Groß, Chef der Firma Energie-Systeme Groß (früher Stiens) hat schon einmal gerechnet. Er geht davon aus, dass sich die Solaranlage auf der Einhausung wirtschaftlich tragen würde. Auf dem Dach der Anlage - die Solarfläche wäre nach seinen Berechnungen rund acht Hektar (zwölf Fußballplätze groß) - könnten Module mit einer Maximalleistung von 10.000 Kilowatt installiert werden.

Und auch für Land beziehungsweise Bund als Eigentümer der Flächen wäre das Modell nach Einschätzung von Groß lukrativ. Die öffentliche Hand könne mit Pachteinnahmen von jährlich 25.000 bis 30.000 Euro rechnen.

Das sagt das Hessische Verkehrsministerium 

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat inzwischen auf den Brief seines Kollegen Al-Wazir vom September 2015 reagiert, indem dieser eine Einhausung der A 44 als erwägenswert bezeichnet hatte. Dobrindt habe um eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gebeten, erklärte Al-Wazirs Sprecher Wolfgang Harms am Donnerstag auf HNA-Anfrage. „Die Wirtschaftlichkeitsprüfung wird in Kürze fertiggestellt und übersandt.“ In dem Vergleich der Autobahnvarianten hatte Hessen Mobil eine Einhausung aus Kostengründen (64 Mio. Euro) als „voraussichtlich nicht realisierbar“ bezeichnet.

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