Berlin schweigt zu A44-Alternative durch die Söhre

Kaufungen/Lohfelden. Auf ihn setzt die Bürgerinitiative (BI) Pro A44 ihre ganze Hoffnung: Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, liegt seit einigen Tagen ein brandneues, von der BI in Auftrag gegebenes Gutachten vor.

Der Inhalt: Eine noch einmal überarbeitete Trassenplanung für die Autobahn zwischen Kassel und Oberkaufungen. Von dem Staatssekretär sei die A44-Alternative wohlwollend registriert worden, hieß es.

Die so genannte H-Trasse sieht vor, die A 44 vom heutigen Dreieck Kassel-Süd an Vollmarshausen vorbei und durch einen Teil der Söhre nach Oberkaufungen zu führen. Wie berichtet, favorisiert das Land eine andere Variante.

Die Planung von Hessen Mobil sieht vor, die Autobahn ab der heutigen A7-Anschlussstelle Kassel-Ost durch das Lossetal zu führen. Zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost soll der A 44-Verkehr auf der A 7 laufen. Nachdem Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) das Dialogverfahren über den Trassenverlauf auf Eis gelegt hatte, hofft man auch bei der Gemeinde Kaufungen darauf, dass der zweite Mann nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Bewegung in die Sache bringt.

Ob dem so ist, wollte auch die HNA wissen und stellte dem Staatssekretär mehrere Fragen zu der Trassen-Problematik. Die wichtigste Frage: Wie fällt die Bewertung der Alternativtrasse der BI aus? Doch Bomba blieb eine Antwort auf diese und die anderen Fragen schuldig.

„Können nicht vorgreifen“

Rainer Bomba

Stattdessen erklärte eine Ministeriumssprecherin, dass die Bundesländer im Auftrag des Bundes die Autobahnen planen und bauen. Die hessische Straßenbauverwaltung werde sich in Kürze über den Sachstand zu dem Abschnitt Kassel-Helsa äußern: „Dem können wir nicht vorgreifen.“ Darauf angesprochen, reagierte man im Landesverkehrsministerium am Mittwoch ausweichend. Die modifizierte H-Trasse der BI sei den Teilnehmern des A 44-Dialogverfahrens bekannt, sagte Ministeriumssprecher Marco Kreuter.

Zu möglichen Kontakten in der Sache zwischen Minister Al-Wazir und Staatssekretär Bomba sagte der Sprecher auch auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung nichts.

Zur Frage einer Lärmschutz- Einhausung der Autobahn bei Oberkaufungen verwies Kreuter auf Berlin: „Die Entscheidung trifft der Bund.“ Sobald diese Entscheidung vorliege werde das Ministerium vor Ort in Kaufungen darüber berichten. 

Von Kassel-Süd nach Osten

Die Bürgerinitiative (BI) Pro A44 kämpft seit vielen Jahren gegen den vom Land geplanten Verlauf der Autobahn. Sie lehnt eine Anbindung bei Kassel-Ost und die Streckenführung durch das Lossetal bei Kaufungen ab. Jetzt hat die BI von dem Beratungsunternehmen Regio-Consult (Marburg/Friedrichshafen) einen neuen Entwurf für einen alternativen Verlauf der Autobahn, die so genannte H-Trasse, erarbeiten lassen.

Wo sollte die A44-Trasse nach Meinung der BI verlaufen? 

Die BI hält es für sinnvoll, die von Westen kommende A 44 direkt am heutigen Dreieck Kassel-Süd in Richtung Osten weiterführen. Die Trasse würde östlich von Oberkaufungen wieder auf die so genannte Vorzugsvariante des Landes treffen.

Was unterscheidet den neuen Entwurf der Firma Regio-Consult vom dem bisherigen Vorschlag der BI? 

Die Trasse soll zwischen der Brücke über den Fahrenbach bei Vollmarshausen und der Brücke Setzebach bei Niederkaufungen nicht mehr am Rand der Söhre verlaufen, sondern in den Wald hineingerückt werden.

Was verspricht sich die BI von dieser Änderung? 

Durch den Verlauf im Wald vermindern sich nach Einschätzung von Regio-Consult-Planer Wulf Hahn die Immissionen für den Lohfeldener Ortsteil Vollmarshausen. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, die Strecke relativ ortsnah über den Heupelsgraben zu führen. Statt des Bogens wurde nun eine direktere Linie gewählt.

Welche Bauwerke sieht der Trassenvorschlag der Bürgerinitiative vor? 

Es müssten mehrere Brücken errichtet werden, und zwar östlich des Dreiecks Kassel-Süd über Salzpfad und Wälzepfad (Länge: 150 Meter/ Höhe über Grund: 15 Meter), über den Fahrenbach zwischen Vollmarshausen und Wellerode (440 Meter/37 Meter), über den Setzebach bei Niederkaufungen (170 Meter/23 Meter) sowie über den Dautenbach bei Oberkaufungen (50 Meter/sieben Meter).

Zuletzt wurde viel über die Einhausung, also eine Umbauung der Autobahn für den Lärmschutz diskutiert. Sind in den A44-Plänen der BI solche Einhausungen vorgesehen? 

Ja, und zwar gleich zwei im Bereich von Oberkaufungen. Die erste soll an der Ziegelhütte entstehen und 250 Meter lang sein, die zweite etwas weiter östlich im Bereich des potentiellen Baugebiets Wiebelsburg. Länge: 490 Meter.

Wie viel hat die Alternativplanung gekostet? 

Nach Angaben des Vorsitzenden Dr. Wolfram Glaß (Kaufungen) hat die Bürgerinitiative für die ursprüngliche Expertise und das jetzt vorgelegte Zusatzgutachten rund 22 500 Euro ausgegeben. (ket)

Rubriklistenbild: © dpa

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