Harmonie statt Diskussion

Bürgerversammlung zu Flüchtlingsunterkunft - mit Polizei und Sicherheitsdienst

Willkommenskultur in Kaufungen: Pfarrerin Claudia Barth hatte gleich eine Liste mitgebracht, auf der sich Interessierte mit ihrem ehrenamtlichen Angebot eintragen konnten. Fotos: Lischper

Kaufungen. Draußen eine Polizeistreife, drinnen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes: Auf kritische Situationen waren die Organisatoren der Bürgerversammlung in Kaufungen am Freitagabend vorbereitet.

Doch weder Polizei noch Sicherheitsdienst mussten eingreifen: Die Bürgerversammlung zur ersten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Kaufungen verlief ohne Zwischenfälle, sondern beinahe harmonisch. Die Kaufunger zeigten sich hilfsbereit.

Vor der Tür eine Polizeistreife, drinnen im Saal Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes - dass die Bürgerversammlung zur Eröffnung der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber so harmonisch verlaufen würde, damit hatte selbst die Gemeindeverwaltung nicht gerechnet. Waren doch Tage zuvor noch Gerüchte durch das Internet gegeistert, die den Einzug der Flüchtlinge in die vormalige Außenstelle des DRK-Altenpflegeheims heftig kritisierten (wir berichteten).

Anfang August eröffnet der Landkreis Kassel die Unterkunft für 30 Asylbewerber. In Kaufungen, wo aktuell 64 Flüchtlinge in Wohnungen leben, ist es die erste in dieser Größenordnung. Ein Grund für etwa 100 Kaufunger, sich am Freitagabend im Bürgerhaus zu versammeln - unter ihnen größtenteils Ehrenamtliche der Nachbarschaftshilfe, der Kirchengemeinden und der Gemeindevertretung.

Flüchtlingsarbeit sei ein bunter Flickenteppich, man könne nicht alles durch die rosarote Brille sehen, sagte Jörg Roßberg, Fachbereichsleiter Soziales des Landkreises. Auch kritischen Fragen stelle man sich, für Probleme würden die Mitarbeiter des Landkreises Lösungen finden. Doch lediglich eine Dame im Publikum fragte: Wer denn den Zaun zahlen würde, sollte man als Nachbar der Unterkunft einen benötigen? „Wenn ein Zaun nötig wird, kümmern wir uns darum“, so Roßberg, der auf eine Unterkunft in Niederelsungen verwies, wo ein gebauter Zaun sich als überflüssig erwiesen habe.

Neben Roßberg saßen die Fraktionsvorsitzenden des Gemeindeparlaments, die Leiterin der neuen Unterkunft, Isabelle Krause, der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Karl Hellmich und Bürgermeister Arnim Roß (SPD).

Beschäftigung ist wichtig 

Dis Kaufunger waren motiviert. Ihre Fragen bezogen sich fast ausschließlich darauf, wie man am besten helfen könne. Für die Flüchtlinge sei das Wichtigste, eine Beschäftigung zu haben, erzählte Krause, die bislang in Baunatal Flüchtlinge betreute. Viele der Neuankömmlinge - und das sind laut Roßberg derzeit vor allem solche aus Krisengebieten - hätten Traumata. Strukturen zu schaffen sei da ein Erfolgsrezept. Sie mal mit auf das Dorffest nehmen oder in den Verein, seien neben Praktika eine gute Aktivität. Das Wichtigste dabei: Der Kontakt mit der deutschen Kultur. Auf die Frage, wie man sich denn am besten verständige, antwortete Roßberg: Mit Händen und Füßen.

Viele Kaufunger seien bereits in Nachbargemeinden aktiv in der Flüchtlingshilfe, sagte Bürgermeister Roß. Von den vorhandenen Strukturen könne man profitieren. Letztlich dankte Roßberg: „Ich habe mehr Infos mitgenommen, als herausgegeben.“ Und Hellmich sagte: „Das ist Kaufungen“.

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