Gutachter sieht Steigerung

Experte: Kostenexplosion bei A44 - von 226 auf 382 Millionen Euro

Kommt die Lossetrasse, wird auch der Auto- und Lkw-Verkehr auf der A  7 zunehmen. Aktuell werden hier Lärmschutzanlagen gebaut. Foto: Ketteritzsch

Kaufungen. Die Planungen für den A 44-Abschnitt zwischen Kassel-Ost und Helsa sorgen weiter für Schlagzeilen:

Während die Debatte über die von der Bürgerinitiative (BI) Pro A 44 vorgeschlagene Alternativtrasse zwischen Kassel-Süd und Oberkaufungen anhält, legt die BI bei einem weiteren Thema den Finger in die Wunde. Ein von der Initiative in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten für die vom Land Hessen vorgeschlagene Trasse durch das Lossetal gegenüber dem offiziellen Ansatz inzwischen erheblich gestiegen sind.

In seiner Bewertung geht der Diplom-Ingenieur Helmut Hesse von dem gleichnamigen Beratungsbüro in Hannover davon aus, dass die Kosten für den rund zehn Kilometer langen Abschnitt inzwischen um gut 156 Millionen auf 382 Millionen gestiegen sind. Die Kalkulation der Straßenbaubehörde Hessen Mobil sieht dagegen Kosten von knapp 226 Millionen Euro vor.

Auf der Basis der Preise im Jahr 2015 habe er die Kosten für Grunderwerb, Planung, Bau und Überwachung berechnet und die Angaben von Hessen Mobil überprüft, schreibt Hesse in seiner Expertise. Die Berechnung schließe die Mehrwertsteuer ein. Die aktuellen Kosten für den geplanten Tunnel bei Helsa hat Hesse nach eigenen Angaben auf der Grundlage einer Liste der in Köln ansässigen Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen ermittelt. Der Tunnel ist nach Einschätzung des Gutachters der dickste Brocken bei den Steigerungen. Die Kosten für das Bauwerk fallen demnach um 160 Prozent höher aus als in der letzten Kalkulation von Hessen Mobil: Während die Straßenbaubehörde auf knapp 67,4 Millionen Euro kommt, geht der Gutachter von 175,5 Millionen Euro aus. Auch die Kosten für den Erd- und Straßenbau seien gegenüber den vorliegenden Berechnungen von Hessen Mobil erheblich gestiegen - um 72 Prozent.

BI-Vorsitzender Dr. Wolfram Glaß sagte in einer ersten Reaktion, das Gutachten von Hesse und die zuletzt für die Initiative erarbeitete Expertise der Firma Regio-Consult (Schätzung: 385 Millionen Euro ohne Helsa-Tunnel) hätten aufgedeckt, dass das Land die Kosten für die Lossetaltrasse wohl bewusst zu niedrig angesetzt habe. Glaß: „Damit wachsen die Chancen der H-Trasse immer mehr.“ Wie berichtet, favorisiert die Bürgerinitiative einen Verlauf der A 44 von Kassel-Süd an der Söhre entlang zur Kunstmühle bei Oberkaufungen. In seinem Gutachten hatte Regio-Consult die Kosten für diese Variante auf maximal 415 Millionen Euro geschätzt.

Nachforderungen erhoben

Kostensteigerungen werden auch beim Tunnel Hirschhagen zwischen Helsa-Eschenstruth und Hess. Lichtenau erwartet. Das Bauwerk gehört nicht zum Abschnitt Kassel-Helsa. Auf Anfrage hatte Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus erklärt, die beauftragten Firmen hätten Nachforderungen erhoben, über die zurzeit verhandelt werde.

Das sagt das Ministerium:

Beim hessischen Verkehrsministerium in Wiesbaden wollte man die von dem Gutachter ermittelte Kostensteigerung am Montag auf HNA-Anfrage nicht kommentieren. Ohne die Kenntnis darüber, wie diese hergeleitet worden sei, könne man zu dem Ergebnis nicht Stellung beziehen, sagte Wolfgang Harms, Sprecher von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Harms verwies darauf, dass die Kosten für den Abschnitt Ende 2012 mit circa 226 Millionen Euro beziffert worden seien. „Eine aktuellere Schätzung haben wir derzeit nicht.“ Zu dem Vorschlag der Bürgerinitiative Pro A 44 für die alternative H-Trasse werde sich Minister Al-Wazir aktuell nicht äußern, sagte der Sprecher. Die Expertise der Beratungsfirma Regio-Consult liege dem Minister bis heute nicht vor.

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