Fachwerkhaus in Oberkaufungen: "Wohnen, wo andere Urlaub machen"

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Drei Etagen und drei Wohnungen: In diesem Fachwerkhaus in Oberkaufungen wird gearbeitet und gewohnt.

Kaufungen. Erneut wird der Landkreis Kassel im September den Denkmalpreis verleihen. Unter den vorherigen Bewerbern war auch das Fachwerkhaus des Ritterschaftlichen Stifts in Oberkaufungen.

Kirchenglocken, alte Gemäuer, eine kühle Atmosphäre - kann man so das Leben im Fachwerkhaus neben der Stiftskirche in Oberkaufungen beschreiben? „Nein, ich wohne da, wo andere Urlaub machen wollen“ - Anja Brühbach wohnt im Fachwerkhaus Zur Schönen Aussicht 9 und relativiert falsche Einschätzungen.

Das Fachwerkhaus wurde 1583 erbaut und ist das älteste Wohnhaus im Dorf. Bauherr ist das Ritterschaftliche Stift vertreten durch die Obervorsteher. Für die Baulichkeiten im Stift ist der Obervorsteher Henn-Wolfram Riedesel Freiherr zu Eisenbach zuständig. Für ihn war klar, dass das Haus von Grund auf saniert werden muss. Das über 430 Jahre alte Haus war in die Jahre gekommen und eine zurückliegende Renovierung aus dem Jahr 1952 schien nicht mehr gegenwartsgerecht. Fest stand auch, dass weiterhin Leben und Dynamik im Stift stattfinden sollen, denn „von einem Leben im Stift muss man sich nicht abschrecken lassen“, so Riedesel.

Die Bauarbeiten

Als 2014 die Bauarbeiten losgingen, standen sowohl Bauherr als auch Architekt vor einer großen Herausforderung. Unter Mitarbeit des Architekturbüros Hönig in Kaufungen wurde so einiges verändert.

Das vorherige Einfamilienhaus wurde zu einem Mehrfamilienhaus umstrukturiert. Der marode Fußboden wurde durch Echtholzparkett ersetzt. Wände wurden neu verputzt, die Originalholzbalken wurden von jüngeren Fachwerkhausbalken substituiert und auch ein neues Raumgefüge wurde durch Gipskartonwände geschaffen.

Besonderer Hingucker: Die Eingangstür des Fachwerkhauses.

Außerdem wurden die Fenster ausgetauscht. Das Besondere daran ist, dass es sich hierbei um die einzige Veränderung handelt, die von der hessischen Denkmalpflege bezuschusst wurde. Doch Bauherr und Architekt ließen sich von den vielen Arbeiten nicht abhalten. Neben all den Bauarbeiten wurde der Blick immer wieder auf die Historie gerichtet. Die historische Treppe aus dem Jahr 1830 wurde erhalten und auch die Tür wurde nur etwas aufgepäppelt. Sie ist und bleibt ein wahrer Hingucker. Der Charakter des Hauses sollte trotz der vielen Arbeiten nicht zerstört werden.

Leben im alten Fachwerk

Bewohnerin Anja Brühbach, die für das Ritterliche Stift als Buchhalterin arbeitet, weiß die Arbeit zu schätzen. Sie wohnt seit 18 Monaten im Fachwerkhaus, genießt den „großen Schlafkomfort“ und die schöne Aussicht aus ihrem Garten. Für sie gibt es keinen Grund, woanders hinzuziehen. Das Zusammenleben mit den anderen Bewohnern sowie ein Leben in einer behüteten Atmosphäre sind für sie Luxus. Besucher geben durchweg eine positive Resonanz.

Das Fachwerkhaus Zur Schönen Aussicht 9 besteht nun aus drei ca. 100m2 großen Wohnungen, mit jeweils einem eigenen Garten. Hier wird Geschichte lebendig und das Haus erwacht zu neuem Leben.

Hintergrund

Schon vor der Renovierung des Fachwerkhauses an der Schönen Aussicht 9 wurden Wohnungen im Stift für einen zeitgemäßen Gebrauch hergerichtet. Als Nächstes soll der alte Schlafsaal der Nonnen, das Dormitorium, saniert werden. Hier sind jedoch noch viele Vorüberlegungen nötig. Fest steht eines allemal: Leben und Arbeiten im Stift in Kaufungen werden nicht langweilig. Hier finden jederzeit progressive Umstrukturierungen statt, die alter Historie neuen Glanz verleihen.

Von Dina Falten

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