780 Bestattungen im vergangenen Jahr

Bestattung unter Bäumen: Friedwälder im Kreis Kassel stark nachgefragt

+
Ein Urnengrab am Fuß eines Baumes: Unser Bild zeigt einen Grabbaum im Ruheforst Stiftswald bei Kaufungen.

Kreis Kassel. Letzte Ruhe im Wald: Immer mehr Menschen wollen unter Bäumen bestattet werden. Wir geben einen Überblick über die Friedwälder im Landkreis Kassel.

780 Menschen ließen sich im vergangenen Jahr im Kreis in einem Friedwald bestatten. Bereits zu Lebzeiten entscheiden sich Menschen für ein Urnengrab am Fuße eines Baumes mitten in der freien Natur. Als Teil eines Biotops brauchen die Grabstellen keine Pflege und Angehörige haben stets Zugang zu den Gräbern.

Reinhardswald

Der Friedwald Reinhardswald war Deutschlands erster Ort, an dem die Asche verstorbener Menschen beigesetzt werden konnte. Im November 2001 war der Wald eröffnet worden. Seither hat es im Friedwald etwa 5380 Beisetzungen gegeben - 2015 waren es 439, berichtet Pressesprecherin Corinna Brod. Allein im vergangenen Jahr haben 510 Menschen Verträge mit dem Friedwald vereinbart. Sie haben sich entweder einen Platz ausgesucht oder sind als Berechtigte in einem Vertrag für einen Familien-, Freundschafts- oder Partnerbaum eingetragen.

Das Gebiet umfasst mittlerweile eine Fläche von 116 Hektar, 60 Hektar werden bislang als Bestattungswald genutzt - 4836 Bäume. Für alle Bäume läuft die Pacht im Jahr 2100 aus. So lange sind sie vor dem Abholzen geschützt.

Ruheforst Stiftswald

Im Oktober 2009 wurde der Ruheforst im Stiftswald bei Oberkaufungen eröffnet. Seitdem sind dort 1016 Verstorbene in biologisch abbaubaren Urnen im Wurzelwerk von Eichen und Buchen beigesetzt worden. Im vergangenen Jahr waren es 247 Bestattungen.

Auf der neun Hektar großen Fläche stehen 1040 Bäume. Etwa 35 Prozent davon sind bereits belegt, erklärt Renate Hellmold vom Team des Ruheforsts. Bis zu zwölf Urnen finden unter jedem Baum Platz. Die Käufer - die meisten sind älter als 60 Jahre - kommen aus dem gesamten Raum Kassel, aber auch aus den angrenzenden Gemeinden Hessisch Lichtenau und Großalmerode.

„Die Gründe für ein Grab im Wald sind vielfältig“, erklärt Hellmold. Einige wollen die Zwänge und Einschränkungen der herkömmlichen Friedhöfe vermeiden. Auch den Kindern soll zeit- und kostenaufwendige Pflege von Grabstätten erspart werden. Allen gefiele der Gedanke, die nächsten 99 Jahre eingebettet in einem schönen Stück Natur zu ruhen. „Es ist der Gedanke, am Ende ein Teil von der Natur zu werden“, sagt Hellmold. Die Aschekapsel zersetzt sich langsam und wird dann vom Baum aufgenommen. Die Asche, die in großen Teilen Kalium und Kalk enthält, dient dem Baum als Dünger und gibt ihm wichtige Nährstoffe.

Waldruhe Schäferberg

Auch die Gemeinde Espenau hat mit der Waldruhe Schäferberg eine Möglichkeit geschaffen, am Fuß von Bäumen bestattet zu werden. 2005 wurde der kommunale Friedwald eröffnet. Seither wurden dort 486 Personen beigesetzt. Im vergangenen Jahr waren es 94. Momentan umfasst die Fläche 30 Hektar, 200 Buchen und 66 Eichen. Eine Erweiterung der Fläche ist in Planung.

Vor allem Menschen aus dem Landkreis werden dort bestattet, berichtet Anna Korell von der Friedhofsverwaltung Espenau. „Es kommt aber auch immer öfter vor, dass wir Verträge mit Menschen aus Berlin oder dem Ruhrgebiet abschließen, die unseren Waldfriedhof bei einem Spaziergang entdeckt haben“, sagt Korell. In vielen Fällen spielen auch in der Nähe lebende Verwandte eine Rolle.

Jenseits der hessischen Landesgrenze gibt es bei Staufenberg (Landkreis Göttingen) seit Mai diesen Jahres die Möglichkeit sich im Ruh-Wald Burg Sichelnstein begraben zu lassen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.