Mundartexpertin aus Kaufungen ist gestorben

‘s Annchen schnuddelte mit Herz: HNA-Kolumnistin Almut Weingart ist tot

Sorgte stets für gute Stimmung: Unser Bild zeigt Almut Weingart beim Weiberfasching in Lohfelden, einem ihrer legendären Auftritte als Annchen. Archivfoto:  Tanja Engel

Kaufungen. Almut Weingart, vielen bekannt als Kabarettistin ‘s Annchen, ist am Sonntag im Alter von 66 Jahren gestorben.

Ihr Markenzeichen waren Kopftuch, Kittelschürze, Schrubber und Eimer. Seit 1971 pflegte sie als schnuddelnde Putzfrau im Kaufunger Rathaus die nordhessische Mundart. 

Die Ehefrau und Mutter von drei Kindern arbeitete als freischaffende Künstlerin, Buchautorin und Kirchenführerin. Außerdem engagierte sie sich über viele Jahre ehrenamtlich. Gemeinsam mit Brigitte „Brigidde“ Grziwa trat sie bei Festen, Veranstaltungen und Karnevalssitzungen auf.

In ihrem letzten Beitrag hatte sich ’s Annchen am vergangenen Samstag noch mit dem Schnee befasst - zu diesem Zeitpunkt rechnete noch niemand mit ihrem plötzlichen Tod. Am Sonntag starb Almut Weingart nach langer Krankheit im Alter von nur 66 Jahren.

Humorvoll: Almut Weingart schrieb als „Annchen“ wöchentlich eine Kolumne in der HNA. Repro: HNA

„Als Kabarettistin war sie eine Institution, als schnuddelnde Putzfrau hatte sie stets ihre Finger in die Wunden der Kaufunger Kommunalpolitiker gelegt“, erinnert sich Thomas Stier, ehemaliger Redaktionsleiter der HNA im Landkreis Kassel. Weingart sei stets warmherzig und freundlich gewesen, besaß einen feinen Humor und eine klare, direkte Sprache. Mehr als 15 Jahre lang unterhielt sie jeden Samstag die HNA-Leser mit ihrer Mundart-Kolumne „Annchens Tagebuch“ zu aktuellen Themen.

Als eine Frau mit „großem Herzen, die die Stiftskirche liebte“, bleibt sie Dekanin Carmen Jelinek in Erinnerung. Weingart unterstützte den Förderverein Stiftskirche und engagierte sich mehr als zwei Jahrzehnte als Kirchenführerin. „Almut Weingart verband Historisches und Geistliches auf ihre unverkennbare und ganz eigene Art“, erinnert sich Jelinek. Sie habe ihr kompetentes historisches Wissen dabei stets mit viel Humor vermittelt und bereicherte auch die Gottesdienste zum Tag des offenen Denkmals mit ihrer ganz persönlichen Note. Darüber hinaus hat sie die weit über die Kaufunger Grenzen hinaus bekannte Stiftsweihnacht mitgestaltet und nahm noch am Freitag vor einer Woche am Helfertreff zur Stiftsweihnacht teil.

Die vielfältig sozial engagierte Kaufungerin mit Wurzeln in Helsa arbeitete auch im Komitee zur 1000-Jahr-Feier in Kaufungen mit viel Herzblut mit. So schneiderte sie in ihrer Nähstube historische Gewänder für den stehenden Festzug. Weingart initiierte zudem den größten Kindersachenbasar Nordhessens in der Gesamtschule Kaufungen.

Almut Weingart hinterlässt ihren Ehemann und drei erwachsene Kinder.

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