Starenkästen bei Kaufungen können nicht zwischen Bus und Lkw unterscheiden

Kümmert sich um die Auswertung der Blitzerfotos: Kai Dieck vom Kaufunger Ordnungsamt holt alle zwei bis drei Wochen die Chipkarte mit den Bildern ab. Archivfoto: Schindler

Kaufungen. Immer wieder kommt es vor, dass Busse geblitzt werden, obwohl sie nicht zu schnell fahren. Der Grund: Blitzgeräte können nicht zwischen Lastwagen und Bussen unterscheiden.

So zum Beispiel auf der Bundesstraße 7, wo fest installierte Blitzeranlagen der Gemeinde Kaufungen Schnellfahrer fotografieren. Während für Lastwagen gilt, dass sie maximal 60 Kilometer pro Stunde fahren dürfen, können Busse hier laut Straßenverkehrsordnung (StVo) schneller fahren, sofern die Fahrgäste sitzen.

Sensoren im Boden

Warum Busse dennoch fotografiert werden, liege an ihrem Gewicht, sagt der Kaufunger Ordnungsamtschef Burkhard Wassel auf Nachfrage. „Sie haben die Tonnage eines Lastwagens.“ Sensoren im Boden messen dazu die Achslast der Fahrzeuge. Einen Bußgeldbescheid bekommen die Busfahrer allerdings nicht, so Wassel. Darum kümmere sich sein Kollege vom Ordnungsamt, Kai Dieck. „Der guckt sich die Fälle an und sortiert aus.“

Wie häufig es vorkommt, dass ein Bus ungerechtfertigt geblitzt wird, kann Dieck nicht beantworten. Darüber werde keine Statistik geführt. Jedes Fahrzeug über 7,5 Tonnen, das über 69 Kilometer pro Stunde fahre, werde geblitzt. Nur Busfahrer, die schneller als 89 Kilometer pro Stunde fahren, begehen einen Verstoß und erhalten einen Bußgeldbescheid.

Auswertung am Computer

Alle zwei bis drei Wochen holt Dieck die Speicherkarte mit den Messfotos von den Starenkästen an der B 7 ab - und das bereits seit 2007, als die Gemeinde die Geräte von der Firma Jen-Optik aufgestellt hat. Am Computer werden diese dann ausgewertet: „Mit einem Klick sind die raus.“ Mehr Arbeit mache ihm das nicht - ohnehin sei es nicht zu vermeiden, dass die Busse geblitzt werden.

Waltraud Peter, Geschäftsführerin von Peter’s Reisedienst in Kassel, kennt das. Busse ihres Unternehmens würden regelmäßig geblitzt - neben der B 7 zum Beispiel auf der Werratalbrücke. Sie dürften schneller als 60 Kilometer pro Stunde fahren, weil im Reiseverkehr Anschnallpflicht besteht und die Gäste sitzen müssen. „Wir bekommen aber keine Bescheide.“

Einer ihrer Busfahrer hatte neulich auf einer Fahrt über die B 7 von Kassel zum Tierpark Germerode gegenüber den Fahrgästen angekündigt, dass es gleich blitzen würde. „Unsere Busfahrer müssen die Fahrgäste nicht informieren, aber es ist ja nett, wenn sie das tun“, sagt Peter.

Sie erinnert sich, dass es in der Vergangenheit auch häufiger Blitz-Missverständnisse gegeben habe, wenn Busfahrer vom Gerät als nicht angeschnallt identifiziert wurden. „Dabei trugen sie einen Beckengurt, den das Gerät nur nicht sehen konnte.“ Heute seien aber alle Busse ihres Unternehmens mit Brustgurten ausgestattet, sagt die Busunternehmerin.

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