Kabelverlegung der Telekom

Eigentümer ärgert sich: „Das Haus ist von Masten umzingelt“

Fenster mit Holzblick: Vor Horst Hellbigs Haus in Niederkaufungen hat die Telekom drei Pfosten aufgestellt, über die Kupferkabel geführt werden. Die Kabel unterirdisch zu verlegen, war wegen der Breite des Weges nicht möglich, weil kein Bagger durchgepasst hätte, so die Telekom. Foto: Lischper

Kaufungen. Als Horst Hellbig neulich von der Arbeit nach Hause kam, traute er seinen Augen nicht: Vor seinem Haus an der Mühlenstraße in Niederkaufungen hatten Bauarbeiter ein tiefes Loch in den Boden gerissen. Wenige Tage später war sein Haus „von Holzmasten umzingelt“.

Der Grund: Um ein neu gebautes Haus auf dem Nachbargrundstück mit Telefon und Internet zu versorgen, wurden die Kupferkabel von Mast zu Mast an seinem Haus vorbeigeführt. „Ich dachte erst, das sei ein Provisorium, aber die Gemeinde sagte, das bleibt so“, erzählt der 58-Jährige.

Die etwa sechs Meter hohen Masten stehen im Abstand von etwa sechs Metern auf dem Erngässchen, einem kleinen Fußgängerweg, der Mühlenstraße und Auestraße verbindet und neben dem Haus verläuft. Der mittlere Mast steht direkt vor einem Fenster – und sei zudem schief. „Das sieht doch aus wie im Mittelalter“, beschwert sich Hellbig.

Kabel von Mast zu Mast

Die Kupferkabelleitungen kommen aus einem Verteilerkasten, verlaufen wenige Meter unter der Erde entlang der Mühlenstraße und kommen am Eingang zum Erngässchen aus dem Boden. Dieser unterirdische Weg wurde verlängert. Dann führen die Kabel hoch zum ersten Mast, von wo aus sie mit dem nächsten Mast verbunden sind. Sie sind zudem an den nebenstehenden Häusern befestigt.

Dass die Leitungen nicht unterirdisch verlegt wurden, sei der Breite des Gässchens geschuldet. Mit einem Bagger komme man hier nicht durch, sagt der Kaufunger Bauamtsleiter Jürgen Christmann auf HNA-Anfrage.

Die Gemeinde sei von der Telekom angefragt worden, ob etwas gegen den Aufbau von Masten sprechen würde. „Da habe ich gesagt, wir können damit leben“, so Christmann. Im Altdorfbereich sei das früher üblich gewesen und in Aussiedlerhöfen noch immer. „In Witzenhausen werden auf diese Weise sogar Stromleitungen gelegt.“ Man müsse auch an die Menschen aus dem Neubau denken, die einen Telefonanschluss bräuchten. Der Neubau ist ein Sieben-Familien-Haus, das an der Ecke Erngässchen / Auestraße steht. Christmann war dennoch vor Ort und habe sich den angeblich schiefen Mast ansehen wollen. Der Mast, den Hellbig für schief halte, sei gerade. „Das Haus ist schräg.“

Horst Hellbig fragt sich, weshalb die Telekom die Leitungen vom Verteilerkasten an der Mühlenstraße holt und nicht von der anderen Seite, der Auestraße. Der Bauamtsleiter nimmt an, dass sich Letzteres für die Telekom nicht gerechnet habe. Am Telefon hatte Horst Hellbig ihm vorgeschlagen, wenn kein Bagger in den Weg passe, könne man ja per Hand schaufeln und die Kabel so unterirdisch verlegen. Auch diese Lösung sei laut Christmann der fehlenden Wirtschaftlichkeit geschuldet.

Hellbig findet es nicht in Ordnung, dass er im Vorfeld nicht über die Errichtung der Pfosten informiert worden ist. Sie seien eine Katastrophe.

Das sagt die Telekom

„Deutlich günstiger“

Es komme immer wieder mal vor, dass Leitungen über Holzmasten verlegt werden, sagt der Pressesprecher der Telekom, George-Stephen McKinney auf HNA-Anfrage. Das sei eine regelkonforme Bauweise. Zwei Aspekte würden hier eine Rolle spielen: Oft sei es eine Kostenfrage. Koste ein Tiefbau etwa 70 000 Euro pro Kilometer, komme die Telekom mit Holzmasten deutlich günstiger weg, „da liegen die Kosten im einstelligen Bereich“. Der zweite Aspekt seien technische Möglichkeiten. 

„Die Kupferkabel unterirdisch zu verlegen, war hier nicht möglich, weil der Weg nur 40 bis 60 Zentimeter breit ist und kein Bagger durchkommt.“ Hätte man die Kabel von der Seite der Auestraße geholt, wären unterirdisch keine Platzreserven gewesen, um zusätzliche Leitungen zu verlegen. Zum angeblich schiefen, mittleren Mast sagt McKinney: „Es zählt vor allem die Standfestigkeit.“ Von Beschwerden wisse er nichts.

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