Senioren mussten nicht Flüchtlingen weichen

Onlineportal verdreht Fakten zu Flüchtlingsunterkunft in Kaufungen

+
Ein Ausschnitt des Artikels: Die Online-Plattform politikstube.com stellt einen Sachverhalt falsch dar.

Kaufungen. Mitte Juli sollen Asylbewerber in ein DRK-Altenpflegeheim einziehen. Eine Internetseite veröffentlichte den HNA-Artikel dazu, unterschlug aber wichtige Informationen.

Der Landkreis hat ein Haus am Sophie-Henschel-Weg in Kaufungen als Gemeinschaftsunterkunft angemietet.

Im HNA-Artikel geht es um die Anmietung eines leer stehenden Hauses durch den Landkreis, der dort Flüchtlinge unterbringen möchte. Die Seite politikstube.com hat Auszüge des HNA-Artikels auf der eigenen Plattform veröffentlicht. In der Version auf der Online-Plattform politikstube.com mit der Überschrift „Altenpflegeheim Kaufungen: Senioren müssen Asylbewerbern weichen“ werden die Asylbewerber als Grund genannt, dass die Senioren umziehen müssen. Eine irreführende Angabe.

Die Seite politikstube.com stammt laut Medienberichten von der Seite netzplanet.net ab, die „tatsächliche Nachrichtenmeldungen aufnimmt und ihnen eine rechtspopulistische Richtung gibt“, wie es auf der Internetseite meedia.de heißt.

Ganz offensichtlich werde hier bewusst eine falsche Meldung transportiert und benutzt, um Stimmung zu machen gegen Flüchtlinge, sagt Bürgermeister Arnim Roß (SPD) auf HNA-Anfrage. „Ich finde das unmöglich. Das schürt unnötig Feindschaft und Hass“, lautet die Reaktion des Rathauschefs. Er merkt an, dass es in der Kaufunger Bevölkerung eine große Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen gebe.

Landkreis ist Mieter

Arnim Roß

Der Text ist am 30. Juni veröffentlicht worden - am selben Tag wie der Artikel auf hna.de Der Autor des Textes, genannt Victoria, verzichtet auf eine Angabe der Quelle - sowohl für die kopierten Auszüge des Ursprungstextes als auch für die Verwendung des Bildes.

In dem HNA-Artikel wird dargelegt, dass zwölf Senioren, die in dem Haus Nummer 14 in einer Wohngemeinschaft lebten, während der Bauarbeiten im DRK-Haupthaus in das Haus am Sophie-Henschel-Weg eingezogen waren.

„Während der Baumaßnahmen war uns dieses Haus eingefallen“, hatte Klinik-Geschäftsführer Norbert Schwarzer auf Nachfrage erläutert. Kurzfristig habe man sich entschlossen, die Senioren in einer Wohngemeinschaft unterzubringen. Als die Senioren 2011 schließlich das Haus bezogen, habe sich das DRK-Altenpflegeheim vertraglich verpflichtet, nur für die Dauer der Bauarbeiten das Haus zu nutzen, so Heimleiter Stephan Kratzenberg.

„Die Senioren mussten sowieso ausziehen.“ Die weitere Verwendung des Hauses Nummer 14 sei völlig unklar gewesen. Der Träger habe sich dann entschieden, das Haus an den Landkreis zu vermieten. Was dieser mit dem Gebäude anstelle, sei dem Mieter überlassen.

Wissenschaftler: „Eine Ideologie soll gestärkt werden“

Laut Prof. Wolfgang Schröder, Politikwissenschaftler an der Uni Kassel, bilden die Beiträge auf politikstube.com vermeintliche Gefahren für unsere Gesellschaft ab, die von Fremden, etablierten Politikern und Europa ausgehen. „Es werden die Fakten herausgesucht und dargestellt, die eine bestimmte Ideologie, ein Weltbild stärken, also Belege dafür bieten.“ Fakten, die einem zur Verfügung stehen, werden gezielt angeordnet, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. „Auf Seiten wie dieser wird genau das Welt- und Gesellschaftsbild dokumentiert, das Pegida und große Teile der AfD bis weiter nach Rechts praktizieren.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.