Pfarrer Gottfried Bormuth taufte Esther Wollenhaupt in der Losse

Kaufungen: Zum ersten Mal wurden Kinder in der Losse getauft

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Geschafft: Pfarrer Gottfried Bormuth und Esther Wollenhaupt bei der Taufzeremonie unter dem Beifall der Gottesdienstbesucher an der Losse.

Kaufungen. In den Anfängen des Christentums war die Taufe durch Untertauchen eine gängige Methode. Schon der Prophet Johannes drückte das Haupt von Gläubigen unter die Fluten des Jordan, wird im Neuen Testament berichtet.

Esther Wollenhaupt hat von diesem Brauch während eines Rundgangs im Ostergarten der Baptistengemeinde im Wesertor in Kassel erfahren und war beeindruckt. So beeindruckt, dass sie sich nun am Sonntag auf die gleiche Weise taufen ließ, nicht im Jordan, sondern in der Losse, vor etwa 150 Gottesdienstbesuchern und Schaulustigen. Diese Art der Taufe fand dort zum ersten Mal statt. Die Anwesenden klatschten Beifall, als die Zehnjährige mit Pfarrer Bormuth anschließend triefend aus dem Flüsschen watete.

Nach dem Taufgang hüllte ihre Mutter Damaris die Zehnjährige in einen Bademantel. Es gab Glückwünsche von ihrer Schwester Judith (12) und ihren Taufpaten Mechthild und Harald Berthold. „Das war cool von dir“, rief eine der Gottesdienstbesucherinnen.

Lossewasser für den jüngsten Täufling: Pfarrer Bormuth (von links) träufelte ein paar Tropfen auf den Kopf von Maximilian Hudson, den seine Mutter Katie auf dem Arm hielt. Vater Mike Friedrich staunt, dass sein Sprössling nicht schreit.

Die Eltern waren mit der Entscheidung ihrer Tochter voll einverstanden. Sie hätten Esther als Säugling bewusst nicht getauft, sondern nur segnen lassen, erzählt ihr Vater Gerd Wollenhaupt. Die Familie ist religiös. Sie ist aber auch der Meinung, dass ein Kind selbst die Entscheidung treffen sollte, wenn es alt genug dafür ist. Esther habe vorher schon regelmäßig den Kindergottesdienst besucht, bestätigt Pfarrer Bormuth. Er habe lange überlegt, wie er den Wunsch des Kindes erfüllen könne. Ein Schwimmbad gebe es ja in Kaufungen nicht mehr.

Die Entscheidung für die Losse fiel dann kurzfristig: Das Wetter blieb stabil, das Wasser des Flüsschens war nicht zu kalt. „Ich fühle mich wie neugeboren“, sagte Esther hinterher glücklich. Der Begriff passt auch zum religiösen Sinn der Taufe. Wer im Wasser untertaucht, überlässt dort seine Sorgen, Sünden und Beschwernisse Gott und kommt als neuer Mensch im Bund mit Gott wieder an die Wasseroberfläche.

Vor dem spektakulären Untertauchen gab es noch eine weitere Taufe. Der in Kaufungen aufgewachsene Mike Friedrich war mit seiner US-amerikanischen Frau Katie aus Hongkong nach Niederkaufungen zurückgekehrt, um seinen vier Monate alten Sohn Maximilian Hudson taufen zu lassen. Friedrich ist Studentenpfarrer in Hongkong. Seine Mutter lebt in Niederkaufungen.

Ein paar Tropfen Wasser 

Für seinen ehemaligen Konfirmanden Friedrich hielt Pfarrer Bormuth die Taufsprüche teilweise auf Englisch.

Den Säugling tauchte Bormuth allerdings nicht unter, sondern begnügte sich mit ein paar Händen Lossewasser.

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