Kaufunger Betrieb hat sich auf anspruchsvolle Konstruktionen spezialisiert

Bharati, die Forschungsstation der Inder am Südpol: Nahezu alle Bauteile wurden in Kaufungen vorgefertigt, danach wurden sie verschifft und vor Ort montiert. Sie ist eines der spektakulärsten Projekte von Lamparter. Fotos: Lamparter/nh

Kaufungen. Von der Hacke bis zum Südpol: Der Kaufunger Familienbetrieb Lamparter hat sich auf besonders anspruchsvolle Konstruktionen spezialisiert.

Sie bauen architektonisch anspruchsvolle, komplexe Fußgängerbrücken zwischen Gebäuden, stählerne Hubschrauberlandeplätze auf Klinikdächern, gewagte Dach- und Fassadenkkonstruktionen und auf Wunsch auch entlegene Forschungsstationen wie die der Inder in der Antarktis.

Wo konstruktive Herausforderungen auf höchstem Niveau gefragt sind, sind die Spezialisten der Kaufunger Heinrich Lamparter Stahlbau GmbH & Co. KG nicht weit. In ihrer Nische sind sie bundes- und weltweit gefragt und fühlen sich dort sichtlich wohl.

Das Südpol-Projekt für die Inder ist eines der spektakulärsten des 1945 gegründeten Familienbetriebs. In wenigen Wochen montierten die Kau-funger die vorgefertigten Teile unter widrigsten klimatischen und logistischen Bedingungen und in einem Wettlauf gegen die Zeit zu einem modernen Bauwerk aus Stahl und Glas.

Große Kunst: Die Spitzhacke des documenta-Künstlers Claes Oldenburg an der Fulda wurde ebenfalls von den Kaufunger Stahlbauern von Lamparter hergestellt. Archivfoto:  Fotolia

Nicht weniger kühn ist das futuristische Vordach des 3. Terminals des Moskauer Flughafens Sheremetyevo. Die 1200 Tonnen schwere Konstruktion liegt an nur zwei Punkten auf. Als die Hilfsgerüste abgebaut wurden, senkte sich der Koloss – wie von den Lamparter-Profis exakt vorausberechnet – um 13 Zentimeter. Mehr hätte es nicht sein dürfen, denn dann wären alle Glasscheiben zerborsten. Aber auch die Brücken – allesamt Unikate – sind nicht ohne. Sie weisen Knicke und Steigungen auf, verjüngen und verwinden sich. Manche haben keinen einzigen geraden Winkel. Derart Kniffliges fordert Konstrukteuren, Schweißern und Stahlbauern höchste Präzision ab.

Gut läuft derzeit das Geschäft mit Brücken. Das hat nach Angaben von Geschäftsführer Claus-Peter Hartmann auch damit zu tun, dass die großen, bis zu 40 Meter langen und 40 Tonnen schweren, in Kaufungen komplett vorgefertigten Bauteile vor Ort schnell „eingehoben“ werden können. Das erspart etwa lange Straßensperrungen. Für den Sportartikel-Hersteller Puma baut Lamparter im Herbst eine vierteilige, 85 Meter lange Brücke samt eines Pylons über eine vierspurige Straße, die die beiden Verwaltungsgebäude verbinden wird. Sie wird das neue Tor nach Herzogenaurach.

Auch in Kassel haben sich die Kaufunger verewigt, unter anderem mit der großen Spitzhacke an der Fulda, dem Himmelsstürmer am Hauptbahnhof, der documenta-Halle und zahlreichen Zweckbauten.

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„Wir machen alles, aber das Ausgefallene macht uns am meisten Spaß“, sagt Hartmann. Er führt das Geschäft gemeinsam mit Ehefrau Heika, die den Betrieb vor acht Jahren von Vater Adolf Wagner übernommen hat. Trotz der guten Auftragslage seien die Preise schlecht, sagt sie. Nur wenige Kunden seien bereit, für das Wissen, die Erfahrung, Zuverlässigkeit und Beratungstiefe zu zahlen. Erschwerend hinzu komme der Fachkräftemangel. Viele Spezialisten verliere Lamparter wegen besserer Bezahlung an die Industrie. „Deren Löhne können wir aber nicht bieten“, sagt die Unternehmerin. Mit knapp 80 Mitarbeitern setzt Lamparter rund 15 Millionen Euro im Jahr um. Neben den eigenen Beschäftigten geben die Kaufunger etwa 30 Menschen Arbeit, die in Subunternehmen tätig sind

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