2015 passten 18 Mitarbeiter auf drei Inhaftierte auf

Kaufunger Frauenvollzug: Schließung vorerst vom Tisch

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Eine Inhaftierte sitzt in ihrer Zelle des geschlossenen Vollzugs für Frauen: In der Zweigstelle der JVA Kassel in Kaufungen sind derzeit 25 Frauen und weibliche Jugendliche untergebracht. Unser Bild stammt vom 22. Dezember 2008.

Kaufungen. Im Kaufunger Frauenknast sitzen wieder mehr Gefangene ein - zumindest im Vergleich zum Vorjahr. Denn im Juni 2015 waren es nur drei Gefangene. Heute sind es 25.

Im Juni vergangenen Jahres waren in der Haftanstalt für Frauen in Kaufungen drei Gefangene untergebracht - eine derart geringe Auslastung, wie es sie laut René Brosius, dem Sprecher des Justizministeriums, zuvor selten gegeben hat. Für die drei inhaftierten Frauen waren damals 18 Mitarbeiter zuständig. Ein Dauerzustand?

Der Ministeriumssprecher verneint das auf Nachfrage der HNA. Aktuell befinden sich im Schnitt 25 Inhaftierte in Kaufungen, die Zahl variiere aber. In der Spitze seien es auch schon mal 29 gewesen. Für die 25 Insassen sind zwölf Mitarbeiter des allgemeinen Vollzugsdienstes zuständig, die in drei Schichten arbeiten. Hinzu kommen drei weitere Mitarbeiter aus Sozialdienst und Verwaltungsdienst, die stundenweise in der Zweiganstalt Kaufungen arbeiten.

Hessenweit sind 250 bis 300 Frauen inhaftiert. Der Großteil der verurteilten Frauen sitzt die Haftstrafe im Frauengefängnis der JVA Frankfurt III ab, das 350 Plätze hat. Für Frauen mit Kind steht dort innerhalb des geschlossenen Vollzugs ein Mutter-Kind-Heim zur Verfügung. Frauen mit Kindern werden daher laut Brosius bevorzugt in der JVA in Frankfurt untergebracht. Die Entscheidung, welchem Standort eine Frau nach der Verurteilung zugewiesen wird, wird im Einzelfall getroffen. Eine Rolle spielen zum Beispiel der persönliche Bezug zu Nordhessen und die Schwere der Tat. In Kaufungen sitzen tatsächlich nur die Frauen aus den Landgerichtsbezirken Fulda, Kassel und Marburg ein, die zu einer Haft von bis zu zwölf Monaten verurteilt wurden.

Frauen mit höherem Strafmaß müssten von der JVA Frankfurt Nordhessen zugewiesen werden. Da nicht jede Frau für den Kaufunger Knast infrage kommt, sei es in der Vergangenheit auch mal vorgekommen, dass die Kapazitäten nicht ausgereizt waren. Eine Schließung der Außenstelle stehe aber nicht zur Debatte, sagt Brosius.

Option: Trakte schließen 

Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit beobachte man die Auslastung der Haftanstalten genau. Gegebenenfalls würden einzelne Trakte geschlossen und Personal würde umverteilt. Wenn auch die Haftzahlen seit Jahren sinken, sei es aber wichtig, einen Puffer zu haben, sollte es wieder einen Anstieg geben, erläutert Brosius. Und den gab es auch, zeigt eine Statistik, die seit November 2015 geführt wird.

Im Zuge des Flüchtlingsstroms habe man mit einem Anstieg der Kriminalitätsrate gerechnet: „Bei bis zu 100 000 zusätzlichen Menschen in Hessen steigt rein statistisch auch die Kriminalität an“, so der Ministeriumssprecher.

Von hessenweit 5300 Haftplätzen seien derzeit 4700 belegt - vom Hochsicherheitstrakt bis zum offenen Vollzug. Insbesondere in der Untersuchungshaft sei der Anteil an Flüchtlingen hoch: Mitte März waren 158 Flüchtlinge in U-Haft, das sind etwa 14 Prozent der U-Häftlinge. Ein Grund dafür ist laut Brosius die höhere Fluchtgefahr.

Wie viele Frauen unter den inhaftierten Flüchtlingen sind, werde nicht erfasst. Rückschlüsse auf den Anstieg der Gefangenen im Kaufunger Knast seit Juni 2015 lassen diese Zahlen also nicht zu.

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