Nicht alle Landstraßen im Raum Kassel haben Markierungen

Mittelstreifen: Auf der Landstraße zwischen Oberkaufungen und der Königsalm bei Nieste wurden sie nach der Sanierung neu aufgebracht.

Kaufungen / Nieste. Auf einigen Landstraßen in und um Kassel fehlen Mittellinien als Orientierung. Das sorgt bei manchen Autofahrern für Verwirrung.

Beide Landstraßen wurden vor nicht allzu langer Zeit von Grund auf erneuert, und doch gibt es zwischen beiden einen gravierenden Unterschied, der vielen Autofahrern ins Auge fällt: Während die Fahrbahnmitte der Kreisstraße zwischen Oberkaufungen und der Königsalm bei Nieste markiert ist, ist dies nur wenige Kilometer weiter zwischen Nieste und dem Staufenberger Ortsteil Dahlheim und zwischen Nieste und Kleinalmerode nicht der Fall. Dort gibt es lediglich Markierungen am Fahrbahnrand.

Zu den Gründen für den Unterschied gibt es unter Auto- und Motorradfahrern verschiedene Theorien. Die gängigste lautet: In Hessen (Straße zwischen Oberkaufungen und Nieste) und Niedersachsen (Straße zwischen Nieste und Dahlheim beziehungsweise Kleinalmerode) wird das Thema Mittelstreifen länderspezifisch gehandhabt. Richtig ist: Für die Markierungen in direkter Nachbarschaft sind zwei unterschiedliche Behörden zuständig: Die Straßenbaubehörde Hessen Mobil und das Niedersächsische Landesamt für Straßenwesen.

Doch damit hat die unterschiedliche Markierungspraxis nichts zu tun, betont Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus auf HNA-Anfrage. Maßgeblich für die Entscheidung, ob auf der Fahrbahnmitte weiße Striche aufgebracht werden oder nicht, sei die Breite der Straße. Erst ab einer Fahrbahnbreite von 5,50 Meter müssten die weißen Markierungen aufgebracht werden. Sinemus bezieht sich dabei auf die „Richtlinie für die Markierung von Straßen“, die das Bundesverkehrsministerium herausgegeben hat.

Die Richtlinie bedeutet aber nicht, dass Leitlinien in der Fahrbahnmitte bei schmaleren Straßen verboten sind. Aber warum gibt es bei schmalen Straßen zumeist keine Mittelmarkierungen? Sollen durch den Verzicht auf die Striche Kosten gespart werden? Nein, sagen Hessen-Mobil-Sprecher Sinemus und sein Kollege Heiko Lange aus Niedersachsen. Sie führen zur Begründung die Verkehrssicherheit an. Markierungen in der Fahrbahnmitte vermittelten oft eine trügerische Sicherheit. Autofahrer, das belegten Untersuchungen, würden durch die Markierungen in eine enge Spur gezwungen, was zu gefährlichen Situationen führen könne. Diese Begründung wird allerdings angezweifelt.

Einer, der seit dem Abschluss der Sanierung vor gut zweieinhalb Jahren das Fehlen der Linien kritisiert, ist Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD). Er hält die Markierungen für unverzichtbar. Ohne sie könnten sich Autofahrer vor allem nachts und bei Nebel oft nur schwer orientieren. Dies gelte besonders für das Waldgebiet zwischen Nieste und Kleinalmerode. Bei Hessen Mobil ist man dagegen der Überzeugung, dass Straßen ohne Mittelmarkierung nicht gefährlicher sind als solche mit weißen Linien. Untersuchungen belegten dies.

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