Gremium: Kriterien anders gewichten

Runder Tisch A44 kritisiert Variantenvergleich durch Hessen Mobil

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Kopfschütteln am Runden Tisch A  44: Eine der untersuchten Varianten sieht vor, dass die Bundesstraße 7 bei Niederkaufungen (Foto) mit der Autobahn überbaut wird. Dabei ist man längst übereingekommen, die B  7 im Bereich Kaufungen zu erhalten.

Kaufungen / Helsa. Als die Mitglieder des Runden Tisches zur A44-Planung den Vergleich der Autobahnvarianten durch Hessen Mobil näher betrachteten, waren sie - vorsichtig ausgedrückt - verwundert.

Denn bei einer der von der Straßenbaubehörde bewerteten Varianten verläuft die Autobahn bei Niederkaufungen auf der heutigen Trasse der Bundesstraße 7. Dabei hat man sich in dem Dialogverfahren mit dem Land Hessen längst darauf verständigt, dass die B 7 bei Kaufungen erhalten bleibt, um dem Ort ein Verkehrschaos bei Unfällen und Bauarbeiten auf der Autobahn zu ersparen.

In der Variantenprüfung, das monierten Bürgermeister Arnim Roß (SPD) und Wulf Hahn von der Beratungsfirma Regio-Consult (Marburg) am Donnerstag im Gespräch mit der HNA, steckte gleich eine ganze Reihe von Fehlern, Unwägbarkeiten und Widersprüchen. So wurmt Roß vor allem, dass in der Expertise eine Einhausung der Autobahn, also eine Umbauung zum Zwecke des Lärmschutzes bei Oberkaufungen, als zu teuer und damit unrealistisch eingestuft wird, zugleich aber keine detaillierten Pläne für eine solche Lösung vorliegen.

Kostenexplosion bei Tunnel?

In Kaufungen hat man den Eindruck, dass eine derartige Lösung aus finanziellen Gründen verhindert werden soll. Es dränge sich der Eindruck auf, dass Hessen Mobil alles vermeiden wolle, was die Autobahn weiter verteuern könnte. Roß sieht das nicht ein. „Wir wollen nicht, dass im letzten Abschnitt der Rotstift regiert“, sagte der Bürgermeister. Dahinter steht die Befürchtung, dass die Kaufunger für die Kostenexplosion der Autobahn an anderen Stellen bezahlen müssen.

Beispiel Hirschhagen-Tunnel: Nach HNA-Informationen verdichten sich die Anzeichen dafür, dass der 4,2 Kilometer lange Tunnel zwischen der Waldhofkurve bei Eschenstruth und Hessisch Lichtenau zu einem Fass ohne Boden werden könnte. Inzwischen ist die Rede von einer Verteuerung um 95 Millionen Euro - und das bei geschätzten Kosten von 247 Millionen Euro.

Eine Gruppe Bundestagsabgeordneter der Grünen hat eine entsprechende Anfrage an das Bundesverkehrsministerium gerichtet. Am Runden Tisch fordert man nun für die Einhausungsvariante eine seriöse Kostenschätzung und eine exakte Planung.

Nicht einverstanden ist der Runde Tisch in Kaufungen auch mit der Gewichtung der zwölf Bewertungskriterien für die Autobahnvarianten. Bei Hessen Mobil stehe die Wirtschaftlichkeit ganz oben, die Kriterien Flora, Fauna / Artenschutz und Klima seien dagegen nachrangig. Das will das Gremium ändern. Die Runde fordert einen Kompromiss.

Sobald dieser erreicht sei, sollten die zahlreichen Autobahnvarianten weiter reduziert und die verbleibende Zahl noch einmal neu und im Detail betrachtet werden, schlägt Berater Hahn vor.

Das sagt die Bürgerinitiative

Harsche Kritik an der Vorgehensweise von Hessen Mobil bei dem Variantenvergleich übt auch die Bürgerinitiative Pro A 44. Die von ihr vorgeschlagene H-Trasse zwischen Kassel-Süd und Oberkaufungen sei willkürlich eingezeichnet worden. „Wir hätten sie nie direkt durch den Wald laufen lassen“, sagte BI-Vorsitzender Dr. Wolfram Glaß (Kaufungen). Hessen Mobil habe eine veraltete Trasse zugrunde gelegt, die Planer hätten sie nicht optimiert. „Damit musste sie automatisch schlechte Noten mit der Folge bekommen, sie als eigentliche, große Konkurrentin zur politischen Planfeststellungstrasse (Lossetaltrasse, Anmerkung der Redaktion) bequem aus dem Rennen nehmen zu können“, so Glaß. Er kündigte an, dass bis Ende April vier von der BI in Auftrag gegebene Gutachten zur A 44 vorliegen werden. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sollen die Ergebnisse danach umgehend präsentiert werden, kündigte der BI-Vorsitzende an.

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