Mit Schirmmütze ins Rathaus

Steffen Andreae von der Grünen Linken Liste will Bürgermeister in Kaufungen werden

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Alles andere als gewöhnlich: Steffen Andreae, Bürgermeisterkandidat der Grünen Linken Liste in Kaufungen, lebt in der Kommune Lossehof. Als Rathauschef würde er eine Richtungsänderung anstreben. Er setzt auf Kooperation und Nachhaltigkeit.

Kaufungen. Er ist Politikwissenschaftler, verdient sein Geld als Lkw-Fahrer, lebt in einer Kommune und trägt Schirmmütze und Dreitagebart. Steffen Andreae ist sicher kein gewöhnlicher Bürgermeisterkandidat. Dennoch oder gerade deshalb strebt der 49-Jährige den Einzug ins Kaufunger Rathaus an.

„Ich bin leidenschaftlich gern Kommunalpolitiker. Das ist ein cooles Feld“, sagt der gebürtige Schwarzwälder. „Und ich bin ungeduldig.“ Was der amtierende Bürgermeister Arnim Roß (SPD) bislang gemacht hat, reiche ihm nicht aus. „Es muss schneller vorangehen. Wir müssen den Umweltschutz vorantreiben und weg von der Wachstumspolitik. Das müssen wir den Menschen erklären. Und dabei müssen wir ihnen auch etwas zumuten“, formuliert Andreae seine Motivation für die Kandidatur.

Ein politischer Mensch sei er schon immer gewesen, sagt Andreae. Er wuchs in einem liberalen Elternhaus auf, der Vater kandidierte für die FDP als Stadtrat, er selbst für die Jungen Liberalen. Später wechselte er gemeinsam mit seiner Schwester Kerstin Andreae in den Landesverband der Grünen Jugend.

Während seine Schwester ihren Weg dort fortsetzte - sie ist heute stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen -, entschied sich Steffen Andreae gegen die Parteipolitik. „Darüber bin ich heute richtig froh“, sagt er. „Denn wenn ich mir anschaue, wie sich die Grünen gegenüber der CDU in Hessen abstrampeln und auch ihre Seele verkaufen müssen, dann war das die richtige Entscheidung.“

Andreae will lieber dort etwas bewegen, wo er lebt - bei und mit den Menschen, die er kennt. Natürlich ärgerten sich auch einige über ihn, aber das stört den Kommunarden nicht. Ganz im Gegenteil: „Ich hätte gern mehr Streit und Austausch.“ Er will stärker mit den Kaufungern ins Gespräch kommen. Dazu komme er auch gern zu den Menschen nach Hause und erläutere ihnen seine Ideen.

Sich gegenseitig helfen 

Wie beispielsweise die von einem Wochenmarkt in Kaufungen als Ort der Begegnung und des Austausches. Oder die von farblich markierten Mitnahmepunkten im Ort, an denen Kaufunger wie an einer Bushaltestelle auf Autofahrer warten können, die bereit sind, sie ein Stück mitzunehmen. „So hilft man sich gegenseitig. Dadurch entstehen Gespräche und Gemeinschaft“, ist sich der Kommunalpolitiker, der in einer festen Partnerschaft lebt, sicher. Er wirbt für einen Kulturwandel in den Kommunen. Auch sein im Frühjahr erschienenes viertes Buch handelt davon.

Steffen Andreae will die Richtung ändern, Ideen, die schlummern, wecken, einen anderen Kommunikationsstil pflegen. „Aber das, was ich will, lässt sich nicht auf drei Schlagworte reduzieren“, sagt er.

Seine Lösungsvorschläge seien komplex, weil die Probleme komplex seien. „Wer einfache Lösungen will, wird mich nicht wählen“, glaubt er. Aber das nehme er hin.

HNA-Lesertreff zur Wahl: Bewerber stellen sich

Ein HNA-Lesertreff zur Bürgermeisterwahl mit Amtsinhaber Arnim Roß (SPD) und seinen Herausforderern Holger Rode (CDU) und Steffen Andreae (GLLK) findet am Dienstag, 23. Februar, 19 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses in Oberkaufungen, Leipziger Straße, statt. Die Moderation übernehmen die HNA-Redakteure Peter Ketteritzsch und Nicole Schippers.

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