Überdacht mit Solaranlagen

Die Solar-Autobahn bei Aschaffenburg - Ein Modell für die A44?

Aschaffenburg/Kaufungen. Im Lossetal wird diskutiert, wie man Anwohner und Umwelt beim Bau der A44 schützen kann. Eine Variante ist eine Einhausung mit Solaranlage, wie bei Aschaffenburg.

Wenige Meter von der sechsspurigen Autobahn entfernt ist im Örtchen Goldbach nur ein sanftes Rauschen zu hören. Dafür sorgt ein Ungetüm aus Beton, Stahl und Solarpanelen. Zwischen Goldbach und Hösbach in Franken ist die Autobahn auf einer Länge von knapp drei Kilometern überbaut. Über eine derartige Einhausung wird auch im Zusammenhang mit der geplanten A44 bei Kaufungen diskutiert (siehe Artikel unten). Das Besondere an dem fränkischen Klotz ist aber sein Dach. Denn darauf befindet sich Deutschlands angeblich längste Fotovoltaikanlage. Ein Projekt, auf das der Geschäftsführer der Energiewerke Goldbach-Hösbach (EWG), Alex Schalkhas, stolz ist.

Gebaut wurde die Solaranlage auf die bereits bestehende Einhausung der A3. Die wurde laut Schalkhas bereits seit den 1960er-Jahren als eine Lärmschutzvariante beim Ausbau der Autobahn erörtert. Nach langen und konfliktreichen Diskussionen wurde Anfang der 2000er-Jahre die Autobahn schließlich dreispurig ausgebaut. Die Einhausung wurde zwischen 2001 und 2005 aufgesetzt. Das war notwendig, da andersweitig die Lärmschutzvorgaben nicht hätten erfüllt werden können, sagte Schalkhas.

Das sieht nicht jeder so: 2003 wurde die Anlage vom Steuerzahlerbund als größte Steuergeldverschwendung des Jahres bezeichnet. 80 Millionen Euro hatte der Bau gekostet. Der damalige Präsident Karl-Heinz Däke nannte die Einhausung einen „Luxus-Lärmschutz“.

Die Solaranlage ist dagegen ein Erfolgsprojekt, das noch im Jahr seiner Fertigstellung zu einem der Gewinner des Deutschen Solarpreises gekürt wurde. Die drei Abschnitte der Anlage haben bis Ende 2015 zusammen über 17 Millionen Kilowatt erbracht, die mit über sieben Millionen Euro bei der Einspeisung vergütet wurden. Aktuell rechnet die Betreibergesellschaft damit, die Anfangsaufwendungen bis 2021 getilgt zu haben.

Die Akzeptanz für die Solaranlage ist laut Schalkhas in der Bevölkerung hoch. Natürlich gebe es manchmal noch Redebedarf, aber inzwischen sei es recht still geworden. Das liegt auch daran, dass Bürger an einem Abschnitt der Gesamtanlage Bürger beteiligt sind. Der A3-Solarpark umfasst gut 60 Prozent der Leistung der Anlage.

Dabei wurden an die Bürger Anteile im Volumen von 1,4 Millionen Euro ausgegeben. Dafür erhalten die Bürger je nach Tarif vier bis fünf Prozent Zinsen. Von 2009 bis 2015 hat dieser Teil der Anlage einen Überschuss von 250 000 Euro erwirtschaftet. Schalkhas zieht nach fast sieben Jahren eine positive Bilanz: „Wir erwirtschaften unsere Abschreibungen, Miete und Wartungskosten. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind positiv.“ Schalkhas warnt aber auch und weist auf den notwendigen Ausbau von Speichern und einen guten Ressourcenmix hin: „Wer sauberen Strom haben will, muss auch bereit sein zu investieren und etwas mehr zu zahlen.“

Kaufungen ist nicht Goldbach

Eine Einhausung mit Solaranlage, das könnten sich auch einige gut für den Bau der A44 durch das Lossetal vorstellen. Sie regen an, die A44 auf einer Länge von rund vier Kilometern zwischen der Kunstmühle östlich von Oberkaufungen und der Setzebachbrücke bei Niederkaufungen zu umbauen.

Unter ihnen sind Bürgermeister Arnim Roß und der Landtagsabgeordnete Timon Gremmels (beide SPD). Bei einem Ortstermin in Goldbach stellte sich aber heraus, dass sich das Modell nicht eins zu eins auf das Lossetal übertragen lässt.

Denn zwischen Goldbach und Hösbach stand die Einhausung schon, bevor die Solaranlage aufgesetzt wurde. Während die Einhausung sehr umstritten war, gab es laut EWG-Geschäftsführer Alex Schalkhas weit weniger Gegenwehr bei der Solaranlage. Ein Neubau bietet allerdings auch Chancen, findet Gremmels. In Goldbach hätte man zum Beispiel gern einen anderen Neigungswinkel für die Panele gewählt, um mehr Strom zu erzeugen, das war allerdings auf der bestehenden Einhausung nicht zu verwirklichen.

Strom vom Dach der Autobahn

„Außerdem muss man bedenken, dass wir noch andere Preise für die Einspeisung bekommen. Nämlich 42 Cent pro Kilowattstunde“, sagt Schalkhas. Seitdem ist die Vergütung konstant gesunken. Laut Netzagentur wären es in diesem Jahr etwa zehn Cent für eine derartige Anlage gewesen.

Wie viel es in Zukunft sein wird, dazu möchte Sprecher Fiete Wulff keine Angaben machen, da sich das Antrags- und Förderverfahren geändert hat. Ab 2017 müssen solche Förderanträge mit Geboten für den Vergütungssatz gestellt werden und das niedrigste Gebot bekommt den Zuschlag für die Förderung. Andererseits: „Auch die Baukosten sind heute um ein Vielfaches geringer“, sagt Schalkhas. Kaufungens Bürgermeister Roß ist noch immer Fan auch von der Idee, einen lokalen Energieversorger wie die EWG, dem die Bürger vertrauen und den sie kennen, ins Boot zu holen. „Die EAM böte sich da ja an.“

Rubriklistenbild: © Pflug

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