Kaufunger Solar-Unternehmer Stiens tritt ab

BjörnGroß

Kaufungen. Das rotierende, dem Sonnenlauf folgende Verwaltungsgebäude der Solartechnik Stiens in Kaufungen-Papierfabrik wird sich weiterdrehen - aber der Chef geht von Bord:

Ab sofort wird sich Georg Stiens (48) aus dem operativen Geschäft des 2004 von ihm gegründeten Unternehmen zurückziehen. Er bleibt allerdings Eigentümer. Stiens will sich künftig hauptsächlich um seinen Bullen-Mastbetrieb bei Oberkaufungen kümmern.Sein Nachfolger auf dem Posten des Geschäftsführers ist der bisherige Prokurist Björn Groß (30). Stiens: „Er trifft alle Entscheidungen für den künftigen Geschäftsgang. Ich bin raus.“

Es geht also weiter mit dem Verkauf von Solaranlagen meist auf den Dächern von Wohnhäusern, in denen zunehmend Strom für den Eigenverbrauch produziert wird.

Doch die Krise der Stromerzeugung durch Fotovoltaik hat tiefe Spuren bei dem Kaufunger Unternehmen hinterlassen, das seit 2004 einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hatte.

Auf dem Höhepunkt der deutschen Solarenergieerzeugung im Jahr 2012 verkaufte Stiens jährlich 3000 Anlagen, heute sind es noch 1000. Damals gab es 65 Arbeitsplätze im Unternehmen und rund 400 bei den Handwerksbetrieben, die die Module aufs Dach schraubten. Heute beschäftigt Georg Stiens noch 15 Mitarbeiter, im Handwerk sind es etwa 100. Statt einst 130 Handelsvertreter werden ab 2016 nur noch 25 in Nordhessen, Südniedersachsen und Ostwestfalen unterwegs sein.

Auch der Umsatz - Stiens nennt traditionell keine Zahlen - ist enorm geschrumpft, auch weil die Preise für die Solarmodule und Wechselrichter heute gut zwei Drittel niedriger sind als noch vor wenigen Jahren. Die Anlage für ein Einfamilienhaus kostete vor fünf Jahren 30 000 Euro, heute sind es noch 9000 Euro.

Der Umbau für die Zeit nach dem Boom ist in vollem Gang, zum Teil auch schon geschafft: 50 Arbeitsplätze wurden ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut, die Mitarbeiter haben laut Georg Stiens Abfindungen bekommen und inzwischen ausnahmslos neue Jobs gefunden. Die beiden Niederlassungen im Münsterland und in Mittelhessen werden zum Jahreswechsel in die Selbstständigkeit entlassen.

Auch am Standort Kaufungen schrumpft das Unternehmen: Die großen, nicht mehr benötigten Hallen und ein Nebengebäude wurden an die Spedition Schenker und ein anderes Unternehmen vermietet, Leerstand werde es so nah an der A 7 nicht geben, meint Stiens.

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