Notdurft wird in den Büschen verrichtet

Weiter Chaos am Fernbushalt Papierfabrik

Provisorium in Papierfabrik: Obwohl der Haltepunkt täglich von zahlreichen Fernbussen angefahren wird, fehlen dort weiterhin ein Wartehäuschen und Toiletten für die Passagiere. Fotos:  Ketteritzsch

Kaufungen. Eine Busfahrt, die ist lustig. Die Warterei auf den Bus an der Fernbus-Haltestelle Papierfabrik macht allerdings keine Freude.

Keine Toilette, kein Wartehäuschen, improvisierte Fahrplan-Halterung - wie soll es weitergehen?

Es herrschten chaotische Zustände im Sommer vergangenen Jahres an dem Haltepunkt für Fernbusse in Kaufungen-Papierfabrik. Mangels eines Wartehäuschens kauerten von der Hitze erschöpfte Fahrgäste am Rand der Leipziger Straße, überall lag Müll herum. Weil eine Toilette fehlte, verrichteten viele Passagiere ihre Notdurft in den Büschen. Auch die eigentliche Haltestelle vor der Wendeschleife der Lossetalbahn war ein einziges Provisorium: Die Fahrpläne hingen an einem verlotterten Schildermast, der nicht im Boden einbetoniert war, sondern von einer ausrangierten Autofelge als Fuß in der Senkrechten gehalten wurde.

Von der HNA mit den Zuständen in Papierfabrik konfrontiert, kündigte das Unternehmen Mein Fernbus-Flixbus im August 2015 Verbesserungen an. Man sei in „sehr guten Gesprächen mit der Gemeinde“, hieß es seinerzeit aus der Unternehmenszentrale in München. Man wolle die Wartezeit der Fahrgäste in Zukunft „angenehmer gestalten“. Ein knappes halbes Jahr später ist von den Versprechungen des Unternehmens noch nichts umgesetzt worden. Die Fahrgäste sind in Papierfabrik weiterhin Wind und Wetter ausgesetzt. Und wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, dem bleibt weiterhin nur der Weg in die Büsche. Der Schildermast ist noch immer der alte, nur dass jetzt auch noch der Fahrplan des konkurrierenden Anbieters Postbus daran befestigt ist.

Auf HNA-Anfrage kündigte Mein Fernbus-Flixbus am Freitag an, in Kürze zur besseren Orientierung für die Fahrgäste ein professionelles Haltestellenschild zu platzieren. Zu den Themen Wartehäuschen und Toiletten äußerte sich Unternehmenssprecherin Marie Gloystein nicht direkt. Sie wiederholte lediglich die Aussage vom vergangenen Jahr, der Anbieter wolle den Komfort an der Haltestelle verbessern. Die KVG hat nach Angaben ihrer Sprecherin Heidi Hamdad dem Busunternehmen angeboten, auf ihrem Gelände einen Unterstand und ein WC-Gebäude zu errichten. Hamdad: „Eine Antwort liegt uns noch nicht vor.“ Die Wendeschleife dürften die Busse mittlerweile nicht mehr benutzen.

Bei Mein Fernbus-Flixbus hat man derweil eine klare Position in der Diskussion über den besten Standort für einen Fernbusbahnhof. „Aus unserer Sicht wäre eine Haltestelle am Auestadion eine gute Alternative, da dort eine gute ÖPNV-Anbindung gegeben ist“, sagte Sprecherin Gloystein. Die Erfahrung zeige, dass die Fahrgäste darauf großen Wert legten. Wünschenswert seien zudem Abstellmöglichkeiten für die Busse, damit die Fahrer eine Pause machen könnten. Unterdessen herrscht im Kasseler Rathaus noch Unklarheit über den Standort für einen Fernbusbahnhof. Laut Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich wird zurzeit noch das von Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) dazu in Auftrag gegebene Gutachten erarbeitet.

Das sagt der Bürgermeister

Nach Ansicht von Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) hat die Gemeinde beim Fernbushalt ihre Hausaufgaben gemacht. Das Müllproblem sei durch das Aufstellen eines Containers gelöst worden. Der Verwaltungschef stellte auf HNA-Anfrage klar, dass für die Infrastruktur wie Wartehäuschen und Toiletten das Busunternehmen zuständig sei. Als Standort sei allein der Bereich der Straßenbahn-Wendeschleife denkbar. Grund und Boden gehörten der KVG, die insofern Verhandlungen über eine Nutzung mit der Firma Mein Fernbus-Flixbus führen müsse. In einem Gespräch in der vergangenen Woche habe das Unternehmen der Gemeinde gegenüber erklärt, dass die Probleme in Papierfabrik im Jahr 2016 gelöst werden sollen. Den Standort für den Fernbushalt an der Leipziger Straße hält Roß für nicht optimal. Ein besser geeignetes Gelände in dem Kaufunger Ortsteil stehe nicht zur Verfügung, so der Bürgermeister.

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