Aus Köcher- wird Kreativhaus

Kreistag: Bungalow auf Sylt soll umbenannt werden

Bekommt bald ein neues Namensschild: Der Bungalow auf dem Gelände des Jugendseeheims des Landkreises Kassel auf Sylt wird von Köcher-Haus in Kreativhaus umbenannt. Foto: Ketteritzsch

Kreis Kassel. Das Köcher-Haus auf dem Gelände des kreiseigenen Jugendseeheims auf Sylt soll umbenannt werden. Dafür sprachen sich die Mitglieder des Kreistags bei ihrer Sitzung am Montag in Vellmar aus.

Künftig soll der Bungalow, der bislang den Namen des früheren Landrats trägt, Kreativhaus heißen. Abgelehnt wurde hingegen ein Antrag der CDU-Fraktion, die Gespräche des Landkreises mit dem Land Hessen zum Erwerb der Sababurg einzustellen.

Köcher-Haus

Die Bezeichnung Köcher-Haus ist schon lange umstritten, denn der damalige Landrat Josef Köcher (SPD) sicherte sich das Grundstück auf Sylt, auf dem der Klinkerbau steht, unter fragwürdigen Umständen: Gerade einmal 1600 Mark (820 Euro) zahlte er 1967 für ein 3000 Quadratmeter großes Areal bei Kampen (die HNA berichtete). Dort ließ der Politiker ein Privathaus errichten, obwohl an der Stelle ein Haus für das Personal des benachbarten Jugendseeheims vorgesehen war. 1970 überschrieb Köcher die Immobilie an seine beiden Kinder. Auch nach dem Rückkauf des Gebäudes durch den Landkreis trägt der heute für Seminare genutzte Bungalow offiziell die Bezeichnung Köcher-Haus.

Das wird sich nun ändern. Die CDU-Fraktion hatte den Antrag gestellt, Landrat Uwe Schmidt (SPD) zu beauftragen, einen Ideenwettbewerb zur Namensfindung auszuschreiben. „Wenn Bauwerke mit dem Namen eines Lokalpolitikers versehen sind, dann wird es problematisch, wenn dieser Name Kratzer bekommt“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Williges vor dem Parlament. Für die CDU sei es schon immer zweifelhaft gewesen, dass ein Landrat ein Haus auf kommunalem Grund errichtet. „Damit missbraucht er seine Position“, so Williges weiter.

Die SPD hatte auf die Initiative der CDU hin vorgeschlagen, auf einen Wettbewerb zu verzichten und das Gebäude in Kreativhaus umzubenennen. „Wir brauchen keinen Wettbewerb“, sagte Carla Wuttke. Die SPD wolle jetzt einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen – ohne dafür viel Geld und Zeit aufzuwenden. Das Parlament stimmte dem zu. Künftig wird der Bungalow den Namen Kreativhaus tragen.

Sababurg

Braucht der Landkreis Kassel eine Burg? – diese Frage stellte der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Williges im Kreistag. „Das Landratsamt reicht offenbar nicht aus“, witzelte er. Wie bereits berichtet, hatte das Land Hessen den Pachtvertrag für die Sababurg mit der Familie Koseck zum Jahresende gekündigt. Die Zukunft des Dornröschenschlosses ist seither offen.

Im Kreistag scheiterte die CDU nun mit einem Antrag, die Gespräche mit dem Land Hessen über einen möglichen Erwerb der Sababurg durch den Landkreis zu beenden. Der Besitz und Betrieb von Burgen und Schlössern sei keine Aufgabe des Landkreises. Zudem sei die Sababurg sogar geschenkt zu teuer, begründete Williges den Vorstoß. „Jede Mitgift des Landes wird zu gering sein, um die Risiken beim Erwerb abfedern zu können“, fuhr er fort. Zudem sei nicht geplant, die Sababurg abzureißen oder zweckzuentfremden. „Wenn das Land keinen Dummen findet, wird es die Sababurg selbst weiterunterhalten“, glaubt Williges.

Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) hielt ihm entgegen, dass weder Aufwand noch Nutzen derzeit abschließend beurteilt werden könnten und versprach zugleich: „Wir werden kein finanzielles Risiko eingehen.“

Während die Freien Wähler neben der CDU dem Antrag zustimmten, lehnten ihn SPD, FDP, Linke, Piraten, Tierschutzpartei und Teile der Grünen mit einigen Enthaltungen ab. Ihr Tenor: Die Sababurg ist unverzichtbar für die Region. Es müssen Gespräche geführt und eine Lösung gefunden werden.

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