Alkoholprävention im Landkreis Kassel: Projekt „HaLT - Hart am Limit“ klärt über Gefahren auf

Kampf gegen das Komasaufen

Volltrunken: Immer öfter müssen Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Archivfoto: dpa

Kreis Kassel/Lohfelden. Trinken bis zum Umfallen – immer mehr Minderjährige müssen nach übermäßigem Alkoholkonsum stationär versorgt werden. Aktuelle Zahlen bestätigen diesen Trend für unsere Region.

Im Jahr 2012 wurden laut Kreisverwaltung 42 Jugendliche aus dem Kreis Kassel im Klinikum Kassel mit Alkoholvergiftung behandelt und von der Drogenhilfe Nordhessen intensiv beraten. Im Jahr zuvor waren es 38 Jungen und Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren gewesen.

Der Landkreis Kassel und die Gemeinden setzen seit einem Jahr die Alkohol-Präventionskampagne „HaLT – Hart am Limit“ in der Region um. „Die bundesweite Kampagne zielt in ihrem Schwerpunkt auf den Vorbildcharakter der Erwachsenen ab“, sagt Peter Soltau, Fachdienstleiter für Jugendförderung beim Landkreis. Alkohol soll als das Besondere und nicht Selbstverständliche angesehen werden. Der Kreisjugendpfleger appelliert an erwachsene Bürger, Kommunalpolitiker und Vereinsvertreter, selbstkritisch und vernünftig mit Alkohol umzugehen: Man müsse auch einmal „Nein“ sagen, fordert Soltau.

Auch die Gemeinde Lohfelden hat sich der Präventionskampagne des Landkreises Kassel angeschlossen und Initiativen zur Vorbeugung gegen den Alkoholmissbrauch ergriffen. Jugendpflege, Ordnungsamt und Polizei arbeiten dabei eng zusammen.

„Wir sprechen die Cliquen an, drohen aber nicht gleich mit der Polizei“, sagt Ralf Schellhorn über Einsätze der Lohfeldener Jugendarbeiter, die sich oft auf den Bereich hinter dem Rewe-Markt und dem Bürgersee konzentrieren.

In Lohfelden bestehe kein Jugendalkohol-Problem, das habe die Polizei bestätigt. „Wir wollen uns aber diesem gesamtgesellschaftlichen Thema stellen“, sagt Bürgermeister Michael Reuter (SPD). Der Verwaltungschef unterstreicht die wertvolle Mitarbeit des Präventionsrates, in dem die Maßnahmen grundsätzlich koordiniert werden.

Was hat das örtliche Ordnungsamt bisher unternommen? „Wir haben uns vergewissert, dass in Gaststätten kein Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt wird und kontrollieren auch die Geschäfte und Tankstellen regelmäßig“, sagt Amtsleiter Marko Haselböck.

Auch die Präsenz seiner Mitarbeiter etwa auf dem Weihnachtsmarkt habe Wirkung gezeigt. Die Ausgabe farbiger Armbändchen, die die Befolgung der Ausschankvorschriften bei Volksfesten erleichtern sollte, werde man allerdings wegen Beschwerden der Betreiber und erwachsener Besucher nicht fortsetzen, sagte Haselböck.

Hintergrund

Bis zu 3,0 Promille Alkohol im Blut Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden im Jahr 2012 42 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Kassel im Krankenhaus behandelt. In 35 Fällen wurden die Eltern anschließend intensiv beraten. 24 Jugendliche hatten Blutalkoholwerte zwischen 1,1 und 2,2 Promille, elf zwischen 2,1 und 3,0 und einer sogar über 3,0 Promille. Eingeliefert wurden eindeutig mehr Jungen als Mädchen: 34 Jungen und acht Mädchen. Für 39 Jugendliche war es die erste stationäre Behandlung nach Alkoholkonsum. Der stärkste Grund für Alkoholmissbrauch liegt nach wie vor in der Gruppendynamik von etwa gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen, die sich zu einer sozialen Bezugsgruppe zusammenschließen. Abgenommen hat laut Kreisverwaltung das Motiv, sich berauschen zu wollen. 16 der behandelten Jugendlichen berichteten, dass in ihrem familiären Umfeld viel Alkoholgetrunken wird. (ppw) Info: www.halt-projekt.de/

Stichwort

Präventionsrat in Lohfelden

In Hessen gibt es mehr als 100 kommunale Präventionsräte. In Lohfelden entstand das beratende Gremium aus dem „Arbeitskreis zur Sicherheit“, der 1999 mit der Zielsetzung gegründet wurde, die Zusammenarbeit in der Gemeinde im Hinblick auf die Kriminalprävention zu verbessern. Im Präventionsrat arbeiten Bürger, Vertreter der kommunalpolitischen Gremien, der Kirchen, Schulen, Kindergärten und der Polizei zusammen. Den Vorsitz hat der Bürgermeister in seiner Funktion als örtliche Ordnungsbehörde. (ppw)

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