Ein Jahr nach Gründung

Weniger Unfälle und weniger Staus? A7-Konferenzen mit Null-Bilanz

Immer viel Verkehr: Kracht es auf der A  7, kommt es oft zu kilometerlangen Staus. Auch die Umleitungsstrecken sind dann völlig überlastet. Die A 7-Konferenzen vor einem Jahr sollten Linderung bringen, getan hat sich aber nur etwas auf niedersächsischer Seite. Auf hessischer Seite fast nichts. Foto: Malmus

Kreis Kassel. Fazit nach einem Jahr A7-Konferenzen: Nur die Lkw-Kontrollen wurden verstärkt. Und Hessen Mobil liefert keine Antworten.

Wenn es auf der A 7 kracht, ist das Verkehrschaos sicher - kilometerlange Staus bilden sich ebenso auf der Autobahn wie auf den Umleitungsstrecken. Viele Hoffnungen hatten da vor einem Jahr die beiden A 7-Konferenzen in Kassel geweckt. Sie sollten die Folgen von Unfällen auf der A 7 für die Anrainerkommunen (Staus auf Umleitungsstrecken) möglichst gering halten. Auch ging es darum, den Verkehr auf der A 7 sicherer zu machen, damit Unfälle erst gar nicht entstehen.

Doch was ist daraus geworden? Der Landkreis Göttingen auf niedersächsischer Seite - auch dort hatte es eine A 7-Konferenz gegeben - hat erst kürzlich erste Erfolge veröffentlicht (HNA-Bericht: http://zu.hna.de/A7Konferenz). Und wie sieht es in Hessen aus? Hier ein Vergleich:

• Tempolimit:

Tempo 120 gilt seit Oktober 2015 lückenlos auf der A 7 auf niedersächsischer Seite zwischen der Landesgrenze und dem Dreieck Drammetal. Auf hessischer Seite gibt es zwischen Melsungen und der Landesgrenze immer noch Bereiche, in denen Vollgas erlaubt ist - auch da, wo es mit sieben Prozent Gefälle runter ins Kasseler Becken geht. Zuständig für die Einrichtung eines durchgängigen Tempolimits wäre die Straßenbaubehörde Hessen Mobil.

• Mittelleitplanken:

An Gefahrenstellen wurden die Mittelleitplanken entlang der A 7 auf niedersächsischer Seite verstärkt, um ein Durchbrechen von Fahrzeugen auf die Gegenfahrbahn zu verhindern. Auf der hessischen Seite wurden zwischen Melsungen und der Landesgrenze schon über weite Strecken Betonschutzwände eingebaut, um Durchbrüche zu vermeiden. Das allerdings wurde bereits vor Jahren unabhängig von der A 7-Konferenz gemacht. Ob noch Abschnitte mit Schutzleitplanken aus Stahl nachgebessert werden (Sandershäuser Berg), dazu kann Hessen Mobil keine Angaben machen.

• Griffigkeit der Fahrbahn und Fahrbahnmarkierungen

Auch zu diesem Thema kann Hessen Mobil aktuell nichts sagen. Man befinde sich in Abstimmungsgesprächen, erklärt Sprecher Horst Sinemus. Hintergrund sei eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker, Uwe Frankenberger und Timon Gremmels an den Landtag. Sie weise eine vergleichbare Fragestellung wie die der HNA zur A 7-Konferenz auf. Mit anderen Worten: Hessen Mobil hat hierzu noch keine Ergebnisse.

Auf niedersächsischer Seite wurden die Prüfintervalle für die Fahrbahngriffigkeit inzwischen von vier auf zwei Jahre verkürzt. Die Fahrbahnmarkierungen sollen jetzt sukzessive erneuert werden.

• Lastwagen-Kontrollen:

Einzig die Lkw-Kontrollen wurden in Hessen verstärkt. Wurden zwischen Januar und Ende Juli 2015 insgesamt 2238 Lkw kontrolliert, waren es im gleichen Zeitraum 2016 insgesamt 2377 Lkw. „Die Zahl der beanstandeten Lkw ist dabei zurückgegangen - von 663 auf 656“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner.

• Blitzer

Seit Januar existiert ein Blitzer an einer unfallträchtigen Stelle im Autobahndreieck Drammetal. Seither sind dort keine Unfälle mehr passiert. Grund: Tempo-Messanlagen führen verlässlich zu einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit. Auf hessischer Seite ist trotz HNA-Nachfrage von Blitzern keine Rede.

• „Section-Control“ und Pförtnerampeln

In Niedersachsen werden für beide Verfahren zur Geschwindigkeitsüberwachung („Section-Control“) wie zur Verkehrssteuerung (Pförtnerampeln) Pilotprojekte gestartet - in Hessen nur mit Blick auf Section-Control. „Ein konkreter Einsatz beider Verfahren ist nicht geplant“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel.

• Umleitungsstrecken

Hier gibt es für die Anrainerkommunen in beiden Bundesländern kaum Veränderungen. In Niedersachsen werden Umleitungsstrecken immer noch überprüft, wie der Landkreis Göttingen mitteilt. Auf hessischer Seite habe es bereits Anpassungen gegeben. Jedoch hielten sich diese in Grenzen, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel.

Hintergrund

Unfallzahlen auf hessischer Seite der A7 gestiegen

Seit der zweiten A 7-Konferenz am 15. Dezember 2015 in Kassel sind die Unfallzahlen auf hessischer Seite der A 7 zwischen Melsungen und der Landesgrenze (rund 30 Kilometer) gestiegen - von 369 auf 385 (Messzeitraum von Anfang Januar bis Ende Juli 2015 und 2016). Das sind 16 Unfälle mehr (4,3 Prozent).

Im gleichen Zeitraum sind auf niedersächsischer Seite der A 7 zwischen Landesgrenze und dem Dreieck Drammetal (auch rund 30 Kilometer) die Unfallzahlen gesunken - von 150 auf 108. Das sind 42 Unfälle weniger (28 Prozent). Der Landkreis Göttingen führt die Abnahme der Unfälle auf der A 7 auf niedersächsischer Seite auf das bereits durchgesetzte Maßnahmenpaket des Landkreises zurück. Die A 7-Konferenz in Niedersachsen fand am 15. Juli 2015 statt. (bon)

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