Einwandfreie Hygiene kann nicht gewährleistet werden

Ärger um Gehacktes: Metzger darf Rentner Brötchen nicht mehr schmieren

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Wer ins Gehacktesbrötchen beißt, lebt riskant: Das rohe Fleisch kann gefährliche Krankheitserreger enthalten.

Kreis Kassel. Karl-Eugen Schäfer versteht die Welt nicht mehr: Seit vielen Jahren kauft der Rentner regelmäßig zwei frische Brötchen bei seiner Stammbäckerei im örtlichen Supermarkt.

Anschließend lässt er sich die Brötchen beim Metzger gegenüber mit Gehacktes belegen. Doch jetzt ist Schluss mit dieser Tradition.

„Als ich mit meinen beiden aufgeschnittenen Brötchen um das Mett bat, deutete die Fleischereifachfrau an, dass damit jetzt Schluss sei“, erzählt Schäfer. Bislang war der Senior regelmäßig nach dem Einkauf mit seinen Gehacktesbrötchen vom Supermarkt in sein Stamm-Café gegangen, um den Snack bei einer Tasse Kaffee zu genießen.

Warum die Metzgereiangestellte ihm plötzlich keine Brötchen mehr schmieren will, erklärte sie laut Schäfer aber nicht. „Ich habe dann verlangt, den Verkaufsleiter zu sprechen, der auch unverzüglich erschien.“ Schäfer hatte ihn nach einer Begründung für das überraschende Ablehnen der seit vielen Jahren gewohnten und in Anspruch genommenen Leistung gefragt. „Er erklärte mir, dass er nicht für die einwandfreie hygienische Beschaffenheit der erworbenen Brötchen garantieren kann“, berichtet Schäfer. Deshalb dürften seine mitgebrachten Brötchen nicht mehr in der von ihm betriebenen Metzgerei belegt werden.

Kreissprecher Harald Kühlborn: Strenge Vorschriften für Metzger

Wir sprachen mit Kreissprecher Harald Kühlborn über Hygieneanforderungen in der Lebensmittelbranche.

Herr Kühlborn, wie kommt es, dass der HNA-Leser sich sein Brötchen nicht mehr mit Gehacktes belegen lassen darf? Gibt es diesbezüglich neue Vorschriften? 

Harald Kühlborn: Der Hintergrund des Verhaltens des Marktleiters in Nieste liegt in den grundlegenden Hygieneanforderungen an Lebensmittelunternehmer. Diese Anforderungen sind nicht neu. Jeder Lebensmittelunternehmer ist zu einem sorgfältigen Umgang mit den von ihm angebotenen Lebensmitteln verpflichtet.

Er muss auf jeden Fall dafür sorgen, dass eine nachteilige Beeinflussung der Lebensmittel vermieden wird. Bei Brötchen, die bereits durch mehrere Hände gegangen sind, kann man nicht mehr von sicheren Lebensmitteln ausgehen, auch wenn das Hygienerisiko im Einzelfall gering sein mag.

Werden Fleisch- und Wursttheken in Supermärkten regelmäßig kontrolliert? Wenn ja, wer ist dafür zuständig?

Kühlborn: Fleisch- und Wursttheken werden in regelmäßigen Abständen, zumeist zweimal im Jahr, von den Lebensmittelkontrolleuren des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises kontrolliert. Falls es Beschwerden gibt, werden sofort Kontrollen durchgeführt und falls Beanstandungen aufgetreten sind, wird die Kontrolldichte erhöht.

Was passiert, wenn man gegen Hygienevorschriften, besonders im Umgang mit Gehacktem verstößt? Wie sehen die rechtlichen Folgen für Marktleiter und Verkäufer aus? 

Kühlborn: Wird Gehacktes beispielsweise nicht kühl genug gelagert oder „frisches“ Mett vom Vortag angeboten, wird die Ware aus dem Verkehr gezogen und beseitigt. Solche Mettangebote stellen eine Verbrauchergefährdung dar.

In der Regel folgt diesen Verstößen ein Verwarn- oder Bußgeld, je nach Schwere der Verfehlung. Wird die Gesundheit eines Verbrauchers durch fahrlässiges oder bewusst falsches Verhalten im Umgang mit Lebensmitteln in Mitleidenschaft gezogen, haftet dafür der verantwortliche Lebensmittelunternehmer.

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