Einige Kommunen profitieren nicht vom Ausbau

Breitband im Kreis Kassel ja – aber nicht für alle

Kein Breitbandausbau für Fuldabrück: Vor allem die Ortsteile Dittershausen, Dennhausen und Dörnhagen (im Bild nicht zu sehen) werden darunter leiden. Keine Probleme gibt es nur in Bergshausen (links im Bild), das vom Kölner Anbieter Unitymedia mit bis zu 100 Mbit versorgt wird. Ab Ende November mischt dort auch die Telekom mit, die rund 2000 Haushalte mit schnellem Internet erreichen will. Stefan Rampfel

Fuldabrück. Im Landkreis Kassel hat der öffentlich geförderte Breitbandausbau Nordhessen begonnen. Viele Kommunen profitieren davon, jedoch nicht alle.

Einige Gemeinden gehen sogar ganz leer aus – zum Beispiel Fuldabrück. Woran liegt das? Hier einige Hintergründe.

„Alle Welt redet vom Breitbandausbau, nur in Fuldabrück tut sich nichts.“ So denken derzeit viele – vor allem in den Fuldabrücker Ortsteilen Dittershausen, Dennhausen und Dörnhagen. Aktuell sind dort Downloadraten von maximal 16 Mbit pro Sekunde zu haben, in einigen Bereichen sogar nur 6 Mbit. Anbieter ist die ACO connect mit Sitz in Kassel.

Während viele Kommunen im Landkreis Kassel vom Breitbandausbau von mindestens 30 Mbit profitieren werden, wird Fuldabrück komplett leer ausgehen. Grund: Weil der Breitbandausbau in Nordhessen grundsätzlich ein öffentlich gefördertes Projekt ist, darf nur dort entwickelt werden, wo es bislang noch keine öffentliche Förderung in Sachen Breitbandausbau gegeben hat. Hintergrund ist eine Wettbewerbsvorgabe der EU, die eine Doppelförderung von vornherein ausschließt.

Tatsächlich hat es in Fuldabrück aber schon ein öffentlich gefördertes Breitbandprojekt gegeben. Das war im Jahr 2010 im Rahmen der Hessischen Breitbandinitiative. Die Gemeinde schloss einen Vertrag mit der ACO connect ab und erhielt dafür entsprechende Funktechnik. Die Investitionskosten in Höhe von 155 000 Euro wurden zu zwei Dritteln vom Landkreis, zu einem Drittel von der Gemeinde Fuldabrück getragen.

Seither werden die Ortsteile Dittershausen, Dennhausen und Dörnhagen via Richtfunk mit Breitband versorgt. Der Sender steht auf dem Dach des VW-Werkes in Baunatal und ist so ausgerichtet, dass Empfänger in Dittershausen und in Dörnhagen erreicht werden. Von dort aus geht es dann via Kupferkabel weiter zu den einzelnen Haushalten.

„Es gibt zwar noch ein Kupferkabel von der Telekom-Verteilerstelle in Kassel-Niederzwehren rüber nach Dittershausen. Jedoch ist es mit vier Kilometern Länge zu lang, um große Datenraten übertragen zu können“, sagt Fuldabrücks Hauptamtsleiter Achim Mihr. Ursache dafür sei schlicht der hohe elektrische Widerstand im Kabel. „Daher hat es 2010 auch die Funklösung mit der ACO gegeben.“

Klar ist: „Inzwischen sind Downloadraten von 16 Mbit längst nicht mehr Standard – und schon gar nicht zu den Preisen, wie sie die ACO anbietet“, sagt Hans-Jürgen Lange, Fraktionsvorsitzender der Fuldabrücker CDU. „30 Mbit sollten es schon sein, besser 50 Mbit – und zwar flächendeckend“, fordert er. Einen entsprechenden Antrag für die Gemeindevertretersitzung am 13. Oktober hat er bereits formuliert (siehe Hintergrund).

Doch wie kann ein weiterer Breitbandausbau in Fuldabrück aussehen, wenn keine öffentliche Förderung mehr in Sicht ist?

Die Gemeinde setzt derzeit auf den Landkreis Kassel, der nun im Rahmen einer Studie klären will, wie Kommunen im Landkreis, die bereits eine Förderung erhalten haben, jetzt nicht vom weiteren Breitbandausbau abgehängt werden (siehe Information).

Auch setzt Fuldabrück weiterhin auf den jetzigen Anbieter ACO connect. Zwar laufe in etwa einem Jahr der Vertrag mit der ACO aus. Jedoch stünde man bereits in Verhandlungen, inwieweit die ACO ihre Breitbandinfrastruktur in Fuldabrück an die modernen Standards anpassen könnte, sagt Achim Mihr.

Mit der Telekom habe man das schon versucht. „Die fordern einfach zu hohe Beteiligungen von den Gemeinden ab“, sagt Mihr. „In unserem Fall ging es um jeweils rund 250 000 Euro für jeden der drei Ortsteile Dittershausen, Dennhausen und Dörnhagen. Das können wir uns einfach nicht leisten.“

Auf HNA-Anfrage zeigt die Telekom bis heute kein Interesse daran, die Ortsteile Dittershausen, Dennhausen und Dörnhagen mit Glasfasertechnik auszustatten.

CDU-Vorstoß zum Breitbandausbau:

Via Antrag an die Gemeindevertretung fordert die Fuldabrücker CDU auf schnellstem Weg Breitband-Internet für ganz Fuldabrück. „Das, was der derzeitige Anbieter ACO leistet, widerspricht in jeder Hinsicht modernen Anforderungen“, sagt CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Lange. Stattdessen solle die Telekom ins Boot geholt werden. Die Telekom investiere derzeit in Glasfasertechnik im Bereich des neuen Gewerbegebietes „Langes Feld“ in Kassel. Da könne gleich auch ein Glasfaserkabel rüber nach Dittershausen gelegt werden. „Zumindest sollte das der Gemeindevorstand mal prüfen“, fordert Lange.

Landkreis investiert 50.000 Euro in Breitband-Studie:

50.000 Euro hat der Bund jetzt dem Landkreis Kassel zur Verfügung gestellt, um prüfen zu lassen, wie all jene Orts- und Stadtteile im Landkreis, die bereits im Zuge der Hessischen Breitbandinitiative schnelleres Internet erhalten haben, auch künftig nicht vom Breitbandausbau abgehängt werden. Insgesamt 64 der 133 Orts- und Stadtteile im Landkreis Kassel wurden bereits zwischen 2009 und 2012 in Zusammenarbeit mit der ACO connect in die Lage versetzt, über Richtfunkstrecken schnelleres Internet für die Bürger zur Verfügung zu stellen – Fuldabrück zählt auch dazu. „Mit den Fördermitteln soll nun eine Studie finanziert werden, die technische und finanzielle Lösungen für bisher mit Richtfunk versorgte Gebiete erarbeitet, um auch dort möglichst schnell Glasfaserstandard zu erreichen“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn.

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