Stadtverordnete bei H-Trasse gespalten

Chaos in der Stadt durch A44-Bau befürchtet: Will Kassel eine Alternative?

Viel los: Nach einem Gutachten von Regio-Consult könnte die Zahl der Lastwagen auf der Autobahn stark steigen

Kreis Kassel. Das Gutachten zur möglichen H-Trasse entlang der Söhre, demzufolge die bisherige A 44-Planung zu einem Verkehrschaos mit erheblichen Auswirkungen auf die Stadt Kassel führen wird, hat Diskussionen ausgelöst. Welche Streckenführung nach Osten favorisieren die Fraktionen im Kasseler Stadtparlament? Ein Überblick:

SPD

Die SPD-Fraktion stellt infrage, ob 15 Jahre nach Abschluss der Trassenfindung ein Umschwenken auf die H-Trasse überhaupt noch möglich sei. Oberste Priorität habe, so SPD-Fraktionsvorsitzender Günther Schnell, der Ausbau des Lärmschutzes für die an die Trasse angrenzenden Kasseler Stadtteile und die Anrainergemeinden. Für die wegfallende Anschlussstelle Kassel-Ost müsse es einen Ersatz geben, „um Schleichverkehre durch die östlichen Kasseler Stadtteile zu verhindern“.

CDU

Norbert Wett, CDU-Fraktionsvorsitzender, fragt sich: „Ob ich das noch erlebe, dass ich über diese Autobahn fahre?“ Die H-Trasse müsse man prüfen, aber parallel zügig weiterplanen. Leidtragende seien ohnehin die Kaufunger Bürger: „Sie leiden unter dem Lärm durch den Zubringerverkehr und dem Stau, der sich bei einem Unfall bildet.“ Unbedingt erhalten bleiben müsse die Anschlussstelle Kassel-Ost, so Wett. Eine Untertunnelung des Stiftswaldes lehne die CDU ab, sie koste nur Zeit und Geld.

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„Ursache des ganzen Schlamassels war die damalige Fehlentscheidung für die Lossetrasse statt der Söhretrasse. Damit hätte man das Kasseler Becken zugleich entlastet“, sagt Norbert Wett.

Linke

„Die aktuellen niedrigen Verkehrszahlen auf der B 7 belegen, dass die A 44 nicht gebraucht wird“, sagt Norbert Domes, verkehrspolitischer Sprecher der Linken. Für wenige Autos und Lkws würde ein sensibler Naturraum zubetoniert und die Anwohner im Lossetal zusätzlichem Lärm und Abgasen ausgesetzt. „Die beste Lösung ist, den Weiterbau der A 44 zu stoppen.“

Der Ausbau der A 7 auf acht Spuren sowie der Ausbau der A 49 würden für eine Verdoppelung der Fahrzeugzahlen mit entsprechendem Anstieg von Lärm und Abgasbelastungen im gesamten Kasseler Becken sorgen, so Domes.

FDP

Heinz Gunther Drubel, FDP-Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher, meint hingegen, nicht die Autobahn würde das Kasseler Stadtgebiet belasten, sondern die Bundesstraße, „die nun mal durch Kassel führt“. Man wolle keine neue Planung, „also auch keine H-Trasse“. Die bringe nur eine Zeitverzögerung und zusätzliche Kosten mit sich. Stattdessen müsse die A 44 weitergebaut werden und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) solle dafür sorgen, dass der Bund weitere Mittel freigibt, betont Heinz Gunther Drubel. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sei das Projekt noch immer nicht fertig. Das habe dafür gesorgt, dass der Werra-Meißner-Kreis und ganze Teile Thüringens sich wirtschaftlich nicht entwickeln konnten.

Demokratie erneuern / Freie Wähler

Bernd Hoppe von der Fraktion Demokratie erneuern / Freie Wähler spricht sich für die direkte Weiterführung der aus dem Westen kommenden Autos nach Osten aus. Deshalb befürworte man die H-Trasse. „Die Lossetaltrasse wäre eine weitere erhebliche Belastung für die Anwohner.“ Zudem stehe ja noch nicht fest, ob die H-Trasse überhaupt mehr kosten werde.

Die Grünen

Der Vorsitzende der Kasseler Grünen, Boris Mijatovic, weist darauf hin, dass die H-Trasse nur eine von sieben Trassen sei, die es zu prüfen gelte. Geprüft werden müssten „die verkehrlichen Folgen“ sowie der „Anlieger- und Umgehungsverkehr; die Umweltbelastungen zum Beispiel im Kasseler Becken aber auch im Wald auf die Fauna; sowie die Kosten und die Umsetzbarkeit der Varianten.“ Zentral für die Kasseler Grünen sei „die Vermeidung von Feinstaubbelastungen und weiteren Umweltschäden im Kasseler Becken und im Umland“, so Mijatovic.

Die beiden Alternativen:

Zwei verschiedene Varianten zum Trassenbau stehen im Fokus: Die H-Trasse, die die Bürgerinitiative (BI) Pro A 44 umgesetzt sehen möchte, würde direkt vom Kasseler Süden nach Osten führen. Dafür würde das Autobahndreieck Kassel-Süd zum Autobahnkreuz ausgebaut werden. Die Strecke würde an Vollmarshausen vorbeiführen in Richtung Oberkaufungen.

Die Vorzugstrasse des Landes Hessen sieht dagegen eine Zusammenführung der A 44 und der A 7 zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost. Erst von dort aus soll die Trasse weiter in Richtung Osten geführt werden. (ren)

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