Am 11. Juli Votum über umstrittenen Standort

Kommunen erwägen Klage: Bei Windkraft am Sensenstein droht Eklat

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Über 200 Meter hoch: So groß wie die Anlagen in der Söhre (Foto) sollen auch die Rotoren am Sensenstein werden.

Nach dem 11. Juli droht in Nordhessen eine juristische Auseinandersetzung, bei der der über Jahre erarbeitete Regionalplan für die Windkraft unter die Räder kommen könnte.

An diesem Tag entscheidet die Regionalversammlung darüber, wo in der Region Windräder auf sogenannten Vorrangflächen errichtet werden dürfen. Entschieden wird am 11. Juli auch über einen Standort, der seit Jahren umstritten ist: die landeseigenen Domänenflächen in der Nähe des Gutes Windhausen zwischen Niestetal-Heiligenrode und Nieste.

Seit Langem wird darüber gestritten, ob sich die Flächen links und rechts der Kreisstraße 4 als Standort für die Rotoren eignen. Die Städtischen Werke Kassel und die Gemeinden Kaufungen und Nieste, die sich im Bereich Mühlenberg und Sensenstein in Sachen Windkraft engagieren wollten, begruben ihre Pläne. Der Grund: Die Windleistung reichte nicht aus.

Beim Land Hessen sieht man das anders: Der Landesbetrieb Landwirtschaft hat das umstrittene Areal nahe Windhausen an die Dezentrale Energie Agentur GmbH (Deag) in Osnabrück verpachtet - und zwar auf der Grundlage einer neuen Windberechnung, die allerdings nicht auf tatsächlichen Messungen, sondern lediglich auf einer Simulation beruht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass am Sensenstein Windräder gebaut werden können, ist derweil groß. „Die Fläche steht weiterhin in dem Entwurf“, sagte Harald Merz, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, auf HNA-Anfrage.

So aktuell wie die Pläne ist auch der Widerstand, den die Bürgermeister der drei Anrainerkommunen bereits vor einem Jahr gegenüber dieser Zeitung formuliert haben: Sollte die Regionalversammlung grünes Licht für den Windpark Sensenstein geben, werden Andreas Siebert (Niestetal), Edgar Paul (Nieste) und Arnim Roß (Kaufungen / alle SPD) gegen den Regionalplan Energie klagen. „Die Klageandrohung gilt weiterhin“, hieß es diese Woche aus dem Niestetaler Rathaus.

Rückendeckung dafür haben sich die Bürgermeister von den drei Gemeindevertretungen geholt: Die Parlamente unterstützen die Forderung.

Der Investor Deag hält unterdessen an den Plänen für den Windpark fest, erklärte Geschäftsführer Christian Zydat am Dienstag auf Anfrage. Das Unternehmen plant aktuell mit sechs bis acht Anlagen, jede soll gut 200 Meter hoch werden. Die Rahmenbedingungen für das Vorhaben hätten sich allerdings deutlich verschlechtert, räumte der Geschäftsführer im HNA-Gespräch ein.

Grund seien die veränderten Förderbedingungen für Windstrom, über die der Bundestag im Zuge der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG-Gesetz) abstimmt. Als „mittlere Katastrophe“ für sein Unternehmen bezeichnet Zydat die Tatsache, dass sich potenzielle Windanlagen-Betreiber künftig an Ausschreibungen beteiligen müssen: Wer sich mit der niedrigsten Fördersumme zufriedengibt, erhält den Zuschlag.

Zydat geht aber davon aus, dass sich die Anlagen am Sensenstein rechnen werden, nicht zuletzt wegen eines im neuen EEG-Gesetz vorgesehen Korrekturfaktors für windschwächere Standorte.

Der Deag-Chef erklärte am Dienstag, er werde das Gespräch mit den Bürgermeistern der Anrainerkommunen suchen - und zwar nach dem 11. Juli, wenn die Entscheidungen über die Windkraft-Standorte gefallen sind.

Hintergrund: 47 Windräder fertig , in Bau oder in Planung

Mit bis zu acht Windrädern, die die Firma Deag am Sensenstein errichten will, würde sich die Zahl der großen Rotoren (rund 200 Meter hoch) östlich von Kassel auf 47 erhöhen. Verwirklicht wurden bereits sieben Anlagen im Windpark Söhre / Niestetal (fünf am Warpel / zwei am Sandershäuser Berg). Fünf Anlagen wurden auf dem Rohrberg bei Helsa in Betrieb genommen. Betreiber dieser Standorte sind die Städtischen Werke Kassel.

Im Bau sind neun Anlagen im Stiftswald bei Kaufungen (Städtische Werke) und zehn an der Hausfirste im Kaufunger Wald nahe dem Umschwang (HSE). Außerdem plant die Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) acht Anlagen im Forstgutsbezirk Kaufunger Wald bei Wickenrode.

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