Waldsterben droht

Kreis Kassel: Klimawandel setzt der Fichte zu

Kreis Kassel. Unsere Wälder sind lange nicht so robust, wie sie wirken. Der Klimawandel setzt den heimischen Bäumen zu.

Problematisch ist dabei nicht nur die bevorstehende Erderwärmung, sondern auch die damit verbundenen Witterungsextreme wie heftige Stürme, häufiger Starkregen und zunehmend trockenwarme Perioden.

Derzeit dominiert im Altkreis Kassel die Buche den heimischen Forst, gefolgt von Fichte, Eiche, Kiefer und Lärche. Dies könnte sich aber im Laufe der nächsten Jahre ändern. „Gerade die Fichte wird zunehmend Probleme mit dem Klimawandel bekommen“, weiß Matthias Dumm, Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau. Er und sein Team sind für etwa 21.000 Hektar Wald, darunter auch der Kaufunger Wald, verantwortlich.

Matthias Dumm

Das Forstamt Hessisch Lichtenau beugt den Folgen des Klimawandels vor, indem es seinen Waldbestand mit robusteren Baumarten aufbaut. „Wir pflanzen Bäume, die mit anhaltender Trockenheit gut klarkommen“, so Dumm. Das sei zum Beispiel die Douglasie. Zu dem 20.000 Hektar großen Gebiet, welches im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Melsungen liegt, gehört der westliche Ausläufer des Söhrewaldes, zu dem unter anderem die Revierförstereien Wellerode und Eiterhagen zählen. Auch hier dominiert mit 42 Prozent die Buche, gefolgt von der Fichte mit 32 Prozent und der Eiche mit zehn Prozent. Der Rest verteile sich auf die Edellaubhölzer, sagt Melsungens Forstamtsleiter Jan Stetter. „Infolge des Klimawandels werden sich die Rahmenbedingungen ändern, an die unsere Wälder bisher angepasst waren“, sagt er.

Witterungsextreme und große Unwetter hätten das Potenzial, durch Windwurf oder Windbruch ganze Waldbereiche auf einmal zu schädigen, weiß er. Für Fichte und Eiche stellt die deutlich reduzierte Wassermenge durch das Sinken der Niederschlagsmenge ein großes Problem dar.

„Die Abwehrfähigkeit der Fichte gegen Borkenkäfer ist an die Wasserversorgung gebunden. Verschlechtert sich die Wasserversorgung, verbessern sich die Lebensbedingungen für Schädlinge“, erklärt Stetter. Das sei eine ausgesprochen gefährliche Kombination. Für die Förster bedeutet der Klimawandel, dass die bestehenden Bestände so gepflegt werden müssen, dass gemischte und strukturierte Bestände aus mehreren Mischbaumarten in verschiedenen Altersstufen entstehen, um den Wald gesund zu erhalten. „Es ist unser Ziel, dass die Wälder sich natürlich aus den bereits vorkommenden Baumarten verjüngen und so die Entwicklung hin zu einem am besten für den Standort geeigneten Bestand läuft“, sagt der Forstamtsleiter. Abschließend teilt er mit, dass der Söhrewald sich derzeit in einem guten Zustand befindet. Aufgrund der vielen jungen Bestände sei der Aufwand für die Pflege zwar dauerhaft hoch, aber er sei sich sicher, dass der Söhrewald auch zukünftig ein stabiler und produktiver Wald bleiben wird.

Rubriklistenbild: © Hartung 

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