Kreis Kassel: Müllkonzept liegt auf Eis - Ministerium ruderte zurück

Es bleibt bei drei Behältern: Der Landkreis Kassel hätte die Restabfalltonne (links) gern anders genutzt. Das Bild zeigt Uwe Pietsch (Leiter der Abfallentsorgung, von links), Vizelandrätin Susanne Selbert und Dr. Michael Kern vom Witzenhausen-Institut bei einer Vorstellung seines Modells 2013. Foto: privat

Kreis Kassel. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat den Plan aufgegeben, bundesweit eine einheitliche Tonne für Verpackungen und andere Wertstoffe einzuführen.

Damit liegen auch die Pläne des Landkreises Kassel für sein Modell Graue Wertstofftonne erst einmal auf Eis, sagt Sprecher Harald Kühlborn: „Zumindest in dieser Legislaturperiode.“

Geringere Müllmenge 

In der Grauen Wertstofftonne sollte fast alles außer Glas, Papier und Biomüll landen, sagt Kühlborn. Dieser Vorschlag wäre sogar noch weiter gegangen als der der Bundesregierung. Das Umweltministerium hatte in einem Positionspapier vorgeschlagen, dass Müll aus gleichen Materialien, egal ob Verpackung oder nicht, in eine Tonne kommt. Das System Grüner Punkt und der Gelbe Sack wären also erhalten geblieben, nur die Müllmenge, die dort landet, wäre geringer geworden.

Ein mehrjähriger Praxisversuch der Arbeitsgemeinschaft Graue Wertstofftonne, der auch der Landkreis Kassel angehört, habe in Nordhessen und Südniedersachsen über vier Jahre die Effektivität des Modells Graue Wertstofftonne nachgewiesen, so Kühlborn. „Zumindest in unserem Landkreis, wo wir ein gut funktionierendes Biotonnensystem haben.“ Denn der Biomüll ist ein Faktor, der die Sortierung komplizierter und aufwendiger macht.

Keine Tonne eingespart 

„Für uns ist die Entscheidung ein zweischneidiges Schwert“, sagt Kühlborn. Einerseits käme nun keine weitere Tonne. Das sei gut. Andererseits würde eben aber auch keine Tonne eingespart. „Es bleibt einfach alles beim Alten.“

In dem neuen Gesetzesentwurf wurden lediglich die Recyclingquoten, also das Soll dessen, was pro Bürger aus dem Gesamtmüllaufkommen an recycelfähigen Wertstoffen geholt werden kann, leicht erhöht. Das habe aber keine Auswirkungen für den Alltag der Bürger, sagt der Landkreissprecher.

„Da haben sich anscheinend in Berlin die Lobbys verkeilt“, sagt Kühlborn. Mehrere Jahre wurde über die Wertstofftonne und das entsprechende Gesetz gestritten. Gescheitert sind laut Ministerium die Verhandlungen letztendlich, da man sich nicht habe einigen können, wer die Gelben Säcke und Tonnen abholen dürfe.

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