Verwaltung hält Angebot für ausreichend

Trotz hoher Nachfrage: Wohl keine Chance für mehr reine Gymnasien im Kreis

Gutes Angebot: Aus Sicht des Landkreises ist die Ausbildung an Gesamtschulen wie der IGS Kaufungen ebenso hochwertig wie an Gymnasien. Foto: Stier

Kreis Kassel. Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder auf ein klassisches Gymnasium schicken. Wie die aktuellen Einwahlzahlen zeigen, werden daher auch viele Kinder aus dem Landkreis an Gymnasien in Kassel angemeldet. Doch nicht für alle ist Platz.

Da Stadtkinder an den Schulen in der Stadt Vorrang haben, konnte 40 Kindern aus dem Landkreis weder der erste noch der zweite Wunsch bei der Schulwahl erfüllt werden, heißt es aus dem staatlichen Schulamt (wir berichteten).

Die FDP-Kreistagsfraktion fordert daher in einer Pressemitteilung, ergebnisoffen über mehr reine Gymnasialstandorte im Landkreis nachzudenken. „Wenn Eltern aus dem Landkreis ihre Kinder scharenweise an Kasseler Gymnasien anmelden, dann scheint etwas mit dem Angebot im Landkreis nicht zu stimmen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten, Björn Sänger.

Dass der Landkreis ein weiteres klassisches Gymnasium einrichtet, hält Pressesprecher Harald Kühlborn für unwahrscheinlich: „Es ist ein stetiges Thema, aber eine Mehrheit dafür im Kreistag sehe ich derzeit nicht.“ Zudem gebe es mit der Herderschule in Kassel, der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen, der Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar und der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Kassel mit ihren gymnasialen Oberstufen verbunden mit den Gesamtschulen eine bunte und funktionsfähige Bildungslandschaft im Kreis.

„Manche Eltern übersehen dabei, dass ihre Kinder auf einer Gesamtschule die gleiche hochwertige Ausbildung erhalten, wie auf einem reinen Gymnasium“, sagt Kühlborn. Wie das Beispiel der Ahnatalschule in Vellmar zeige, gebe es auch Kinder aus der Stadt, die im Landkreis zur Schule gehen wollen.

Eine Veränderung bei den Schulen im Kreis wirke sich zudem auf die gesamte Struktur aus. „Schulen in Kassel profitieren auch von den Kindern aus dem Kreis und können zum Beispiel ein breiteres Kursangebot schaffen“, sagt Kühlborn. Ein weiterer Effekt der vielen Anmeldungen in Kassel ist, dass es für Landkreiskinder noch freie Plätze am einzigen kreiseigenen Gymnasium gibt. Markus Crede, stellvertretender Schulleiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, bestätigt das auf Nachfrage der HNA: „Bei uns sind derzeit auch Kinder aus Kassel angemeldet, die Platz machen müssten, wenn ein Kind aus dem Landkreis den Platz benötigte.“ Dass trotzdem so viele Eltern ihre Kinder an Kasseler Gymnasien schicken wollen, ist für ihn auch der Lage geschuldet: „Für manche Kinder sind wir einfach auf der falschen Seite der Stadt.“

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