Nach Rückzug aus dem Kreistag: Klasen bedauert „Missverständnisse“

Dr. Gottfried Klasen

Kreis Kassel. Nach dem Rücktritt des AfD-Kreistagsmitglieds Dr. Gottfried Klasen erklärt dieser in einer Stellungnahme, dass er es bedauere, wenn sein „Gedankenaustausch mit anderen Facebook-Gruppenmitgliedern zu Missverständnissen geführt habe“.

Er sei weder Rassist noch Antisemit. Die durch die Frankfurter Rundschau belegten antisemitischen Äußerungen von Klasen hatten alle anderen Kreistagsfraktionen dazu veranlasst, seinen Rücktritt zu fordern. Die Linke forderte zudem auch den Rücktritt des AfD-Kreistagsfraktionschefs Florian Kohlweg (wir berichteten).

Für eine Stellungnahme war Klasen am Freitag nicht zu erreichen. Er gab aber per E-Mail eine Erklärung ab. Klasen betont darin erneut, dass er seine Beiträge auf Facebook als Privatperson geäußert habe. Seine Kommentare, die von Journalisten zusammengetragen wurden, seien „sofern sie denn zutreffen“ nicht zur Veröffentlichung bestimmt und geeignet waren.

Als einen „Rücktritt zweiter Klasse“ bezeichnet Björn Sänger, FDP-Fraktionschef im Kreistag, das Geschehen. „Dr. Klasen verzichtet auf sein Mandat, um Schaden von der AfD abzuwenden. Das ist ein Rücktritt zweiter Klasse, da er auch keinerlei Verständnis für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gezeigt hat. Die AfD hat keinerlei parteidisziplinare Maßnahmen, wie etwa einen Ausschluss, eingeleitet, duldet folglich einen Antisemiten weiter in ihren Reihen. Das sagt eigentlich alles“, sagte Sänger.

Für die Fraktion der Linken im Kreistag ist der Rücktritt notwendig, „leider aber auch nur halbherzig“. „Dr. Klasen und Florian Kohlweg hätten sich für die unsägliche Juden-Hetze zumindest auch entschuldigen müssen. Stattdessen versteckt sich Klasen schweigend hinter seinem Fraktionsvorsitzenden, der im Kreistag bereits mit seiner rassistischen Rede zum Kreisflüchtlingstag selbst für einen Eklat gesorgt hat“, betonen die Linken. Positiv bewertet die Linksfraktion den Zusammenhalt der übrigen Kreistagsfraktionen, die unisono Klasens Rücktritt gefordert hatten. „Das war ein gutes gemeinsames Zeichen demokratischer Ethik“, so die Linken abschließend.

Kreistagsvorsitzender Andreas Güttler (SPD) vermisst eine öffentliche Entschuldigung von Klasen. Güttler findet, dass die Entscheidung zum Rücktritt sehr spät gefallen sei.

Florian Kohlweg erklärte, dass sich die AfD nicht entschuldigen werde, sondern mit der Entscheidung Abstand zu Klasen genommen habe. „Eine Entschuldigung ist immer eine persönliche Sache“, sagte Kohlweg auf Nachfrage der HNA.

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