Gutachtervorschlag stößt auf große Resonanz

Nach Warnung vor Lkw-Chaos: Alternative A44-Trasse in aller Munde

Bald Realität? Auf der Autobahn 7 bei Lohfelden dreht sich schon heute oftmals kein Rad. Ursachen sind zurzeit Bauarbeiten oder Unfälle. Die Gutachter fürchten, dass angesichts von 30 000 Lastwagen pro Tag im Jahr 2030 die A  7/ A  44 zum Flaschenhals wird. Das Land plant, die Autobahn in diesem Bereich von derzeit sechs auf acht Fahrstreifen auszubauen. Archivfoto:  Schachtschneider

Kreis Kassel. Eines hat die Bürgerinitiative Pro A44 mit ihrem Gutachten erreicht: Überall im Kreis wird über den Vorschlag für eine Alternative zu der Autobahntrasse geredet.

Genauer geht es um die Strecke zwischen Kassel-Ost und Oberkaufungen. Ein Überblick:

Kaufungen

Obwohl die Gemeinde Kaufungen stark von der neuen Trasse für die A44 profitieren würde, äußerte sich Bürgermeister Arnim Roß (SPD) am Dienstag auf HNA-Anfrage diplomatisch zu dem von der BI in Auftrag gegebenen Gutachten. Er werde ihr vorschlagen, die Expertise dem hessischen Verkehrsministerium für das laufende Dialogverfahren zwischen Land und Anrainern zur Verfügung zu stellen. Am morgigen Donnerstag werde sich der Runde Tisch zur A 44 mit dem Papier beschäftigen.

„Aus Sicht der Gemeinde geht es nach wie vor darum, aus den vorliegenden Varianten diejenige herauszuarbeiten, die den Bürgern in Kaufungen den bestmöglichen Schutz vor den Folgen des Autobahnverkehrs bietet“, sagte Roß, der sich nach HNA-Informationen informell bereits durchaus wohlwollend über die Ergebnisse der Expertise geäußert haben soll.

In dem Papier schlägt Verkehrsplaner Wulf Hahn vor, die sogenannte H-Trasse vom Autobahndreieck Kassel-Süd am Rand der Söhre und des Stiftswaldes entlang nach Oberkaufungen zu führen. Mit einer derartigen Variante werde ein Verkehrschaos zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost vermieden. Für das Jahr 2030 rechnet Hahn angesichts des steigenden Lkw-Verkehrs und der europaweiten Bedeutung der A 7 als Nord-Süd-Verbindung mit 30 000 Lastwagen pro Tag in dem Abschnitt.

Söhrewald

„Wir diskutieren seit Jahrzehnten diverse Varianten“, kommentiert Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD) das Gutachten. Der Verwaltungschef verweist in dem Zusammenhang auf die Auftraggeber und die Ziele, die mit diesem Gutachten verfolgt werden. „Wir haben uns nach einem langen Prozess, bei dem auch die H-Trasse geprüft wurde, auf die Lossetaltrasse verständigt, das ist der Status quo“, sagte Steisel. Er kann sich nicht vorstellen, dass die H-Trasse favorisiert wird: „Da glaube ich eher, dass die A44 nicht mehr gebaut wird.“

Lohfelden

„Die Hintergründe der Ergebnisse sind mir nicht bekannt, daher blicke ich mit Spannung auf den Lenkungsausschuss am 11. März“, sagt Lohfeldens Bürgermeister Michael Reuter (SPD). Dass die A7 ständig steigende Fahrzeugzahlen aufweist, spürten die Anrainer in Lohfelden, Fuldabrück und Kassel. Deshalb sei eine Trasse an anderer Stelle auszuschließen. Die Lohfeldener Position habe sich nicht verändert. „Ich gehe davon aus, dass ein von uns beauftragtes Gutachten dies untermauern wird.“

Stadt Kassel

„Wir haben die Aussagen des Gutachtens zur Kenntnis genommen. Die Auswirkungen der Planfeststellungs-Variante auf die A7 sind uns bekannt“, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Die Verkehrszahlen seien derzeit jedoch nicht prüfbar, da die Prognosen des Landes noch nicht vorliegen. Das Verfahren zur Entscheidungsfindung laufe – die Stadt sei daran beteiligt.

Land Hessen

Beim Verkehrsministerium verweist man auf die Verkehrsprognose für die A7, die zurzeit noch erarbeitet wird. Doch selbst bei mehr als 30.000 Lkw täglich müsse die Verbindungsstrecke zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost nicht größer dimensioniert werden, sagte Ministeriumssprecher Wolfgang Harms. Die H-Trasse bringe „erhebliche Nachteile“ mit sich, so etwa die Grundwasserproblematik für Lohfelden sowie die Lärmbelastung für Vollmarshausen und Wellerode. Diese Gründe hätten seinerzeit zum Ausschluss der Trasse geführt.

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