Kommunen rüsten auf und investieren in neue Krippenplätze

Nachfrage nach U3-Betreuung im Kreis Kassel steigt

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Der Trend weist nach oben: Immer mehr Eltern im Landkreis wollen einen U3-Platz für den Nachwuchs. Auch werden die angemeldeten Kinder immer jünger. Unser Symbolbild zeigt eine typische Kita-Szene einer altersgemischten Gruppe in einer Düsseldorfer Kindertagesstätte.

Kreis Kassel. Nur noch wenige Wochen, und das neue Kindergartenjahr beginnt. Damit werden weitere U3-Kinder in die Einrichtungen der 13 Kommunen des Altkreises Kassel strömen.

Es zeigt sich: Der Bedarf an U3-Betreuung wächst, immer mehr Eltern im Landkreis wollen oder müssen Familie und Beruf besser unter einen Hut kriegen - für die Gemeinden und Städte eine Herausforderung.

Wie ist es um die U3-Betreuung in den einzelnen Kommunen bestellt? Gibt es Engpässe? Und wenn ja, wie reagieren die Kommunen auf die wachsende Nachfrage? Eine Bestandsaufnahme zeigt: Die Kommunen des Altkreises haben die Situation im Griff.

Fuldabrück: Noch Kapazitäten 

Keine Investitionen in neue U3-Plätze plant derzeit Fuldabrück. „Wir kriegen alle Neuzugänge unter“, sagt Kita-Verwalterin Lena Bartholmai, „nicht zuletzt auch wegen des bei uns praktizierten teiloffenen Konzeptes.“ Das heißt: U3-Kinder können auch mit älteren Jungen und Mädchen in eine Gruppe kommen (altersübergreifend). Das ermögliche eine flexible Unterbringung von U3-Kindern. „Wir haben insgesamt 325 Plätze, davon sind aktuell nur 284 besetzt. Wir haben also noch Kapazitäten, die einen Mehrbedarf auffangen könnten.“ Und der kann kommen - denn im Neubaugebiet Dörnhagen ist noch Platz für neue Wohnhäuser.

Helsa: Kein Fehlbedarf 

„Wir haben keine Probleme mit Fehlbedarf“, sagt Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD). Die 59 bereitstehenden Plätze für U3-Kinder in Krippen- und altersgemischten Gruppen seien derzeit nicht alle besetzt. In der Kita Wickenrode gebe es nach wie vor Plätze. Die Awo als Betreiber der drei Kitas in Helsa sei ein guter Kooperationspartner. „Wir sind laufend dabei, unser Angebot und die Ausstattung unserer Einrichtungen zu verbessern.“

Niestetal: Weitere Einrichtung 

Insgesamt 111 kommunale Plätze stehen für Kinder unter drei Jahren in Niestetal bereit. Sie verteilen sich auf fünf Einrichtungen. „Die Neuanmeldungen für das neue Kindergartenjahr 2016/2017 sind sicher untergebracht“, sagt Bereichsleiterin Heike Pflüger. Dennoch könne es im Laufe des nächsten Jahres noch eng werden. Grund: „Wir verzeichnen derzeit viele Zuzüge von jungen Familien“, sagt Pflüger. Zwei kürzlich neu gebildete Gruppen könnten Spitzen abfangen. Jedoch werde das Gemeindeparlament noch im Oktober über den Neubau einer neuen, sechsten Einrichtung nachdenken.

Kaufungen: Vier neue Gruppen 

„In Kaufungen besteht ein Mehrbedarf“, sagt die Erste Beigeordnete Doris Bischoff. Deshalb werde für 1,27 Mio. Euro eine neue Einrichtung mit vier Gruppen auf dem Alten Festplatz gebaut. Grund: Das Baugebiet Neue Mitte wird derzeit erschlossen, mit einem starken Zuzug junger Familien ist zu rechnen. Kaufungen hat derzeit sechs Einrichtungen mit drei U3-Gruppen und zwölf altersübergreifenden Gruppen. Alle Einrichtungen sind ausgelastet.

Ahnatal: Mehr Anmeldungen 

Die Gemeinde Ahnatal könne den bestehenden U3-Bedarf gut abdecken. „Dennoch werden vermehrt Kinder ab dem zweiten Lebensjahr angemeldet“, sagt Fachbereichsleiter Dieter Semdner. „Dem Trend wollen wir gerecht werden.“ Ab September 2017 werde es eine weitere Krippengruppe geben. „Ein endgültiger Beschluss dazu, in welcher Form die Krippe eingerichtet werden soll - freier Träger oder gemeindliche Einrichtung -, wird im Herbst in der Gemeindevertretung gefasst“, sagt Semdner. Derzeit betreut Ahnatal 35 U3-Kinder, sie verteilen sich auf insgesamt drei Einrichtungen.

Vellmar: Starker Zuzug 

Wegen starken Zuzugs junger Familien hat sich ein Mehrbedarf an U3-Plätzen entwickelt. „Deshalb werden wir zum 1. September zwei neue Tageseinrichtungen - zunächst als Container-Zwischenlösungen - in Betrieb nehmen“, sagt Hauptamtsleiter Stephan George. Dazu zählen auch zwei neue U3-Gruppen. Die Neubauten sollen 2017 fertig sein. Dann verfügt Vellmar über vier Krippengruppen und weitere Plätze in altersübergreifenden Gruppen.

Söhrewald: Kurzfristiger Engpass 

Nur zum Jahresende könne es zu einem Engpass kommen. „Dann haben wir kurzfristig ein einziges Kind auf der Warteliste stehen“, sagt Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD). Ansonsten hätten alle 24 angemeldeten U3-Kinder einen Platz. Die derzeitige Situation begründe keine Neuinvestitionen, sagt Steisel.

Lohfelden: Fehlbedarf vorhanden 

Ganze 120 Plätze für Kinder im Alter von zwölf bis 36 Monaten stehen in der Gemeinde Lohfelden zur Verfügung. Aktuell gibt es sogar noch zwei freie Plätze. „Jedoch wird es im Laufe des Kita-Jahres nach jetzigem Stand zu einem Fehlbedarf von mindestens zwölf Plätzen kommen“, sagt Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). Hierbei seien noch nicht eventuelle Zuzüge und spontane Anmeldungen berücksichtigt. „Im Moment gibt es verwaltungsinterne Abstimmungsgespräche, um den Mangel aufzufangen“, sagt Jäger. Auch stünden noch politische Beratungen und Beschlüsse aus.

Baunatal: Nur wenig Zuwachs 

Wenig Zuwachs an U3-Kindern verzeichnet die Stadt Baunatal. „Wir haben 59 Plätze, sie alle sind belegt“, sagt die Fachbereichsleiterin Rahel Krause. Die relativ kurze Aufenthaltsdauer der U3-Kinder sorge für einen regen Durchlauf, „sodass wir letztlich sehr viele U3-Kinder erreichen können“. Nicht zuletzt liefe die Kooperation mit den freien Trägern hervorragend. Insgesamt gebe es 250 Plätze (U3 und Kita) mit verschiedenen Betreuungsformen. Die Stadt selbst plane keine neuen Angebote, der Gertrudenstift baue derzeit eine neue Kita - auch mit U3-Angebot.

Nieste: Kein Mangel 

„Wir haben keinen Mangel an U3-Plätzen“, sagt Benjamin Bossmann, zuständig für die Kita-Verwaltung in Nieste. Zwar seien die beiden vorhanden U3-Gruppen derzeit voll besetzt, „jedoch hilft die normale Fluktuation, Engpässe zu vermeiden“, sagt Bossmann. Soll heißen: So viele Kinder, wie neu hinzukommen werden, werden die U3-Gruppen aus Altersgründen auch wieder verlassen. Investitionen seien seitens der Gemeinde Nieste keine geplant.

Schauenburg: Arbeitskreis berät 

„Die aktuelle Nachfrage an Betreuungsplätzen ab dem zehnten Lebensmonat nimmt stetig zu“, sagt Schauenburgs Kita-Verwalter Michael Leise. So könne die Gemeinde aktuell nicht allen Anträgen zur U3-Betreuung in einer gemeindlichen Einrichtung entsprechen. „Deshalb ist bereits ein Arbeitskreis Kindergarten gegründet worden“, sagt Leise. Dort werde zurzeit über die Erweiterung des Betreuungsangebotes beraten. „Zur Diskussion stehen die Erweiterung von bereits vorhandenen Kindertagesstätten und der Umbau von Bestandsimmobilien der Gemeinde.“

Fuldatal: Hohe Investition 

In Fuldatal sei der steigende Bedarf an U3-Plätzen deutlich zu spüren, sagt Fachbereichsleiter Michael Thöne. Alle 61 Plätze seien derzeit voll belegt, etwa zehn neue Kinder kämen im neuen Kindergartenjahr hinzu. „Wir haben Wartelisten“, sagt Thöne. Doch sei im Gemeindeparlament bereits die Grundsatzentscheidung für den Neubau einer sechsten Einrichtung für 2,5 Mio. Euro gefallen. Neben zwei altersübergreifenden Gruppen sollen so zwei neue U3-Gruppen entstehen. „Bauen wollen wir im Baugebiet Auf der Treber.“ Container dienen als Zwischenlösung.

Espenau: Kinder auf Warteliste 

„Aktuell haben wir keine freien Plätze mehr in unseren beiden Einrichtungen“, sagt Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda (parteilos). Untergebracht sind aktuell 49 U3-Kinder. „Zehn Kinder stehen auf der Warteliste“, sagt Strzoda. „Die Eltern wurden bereits an Tagesmütter beziehungsweise an die Tageselternbörse der Familienbildungsstätte Sternschnuppe in Vellmar verwiesen.“ Aktuell werde der künftig zu erwartende Platzbedarf ermittelt. „Auf Basis dieser Erkenntnis werden dann weitere mögliche Maßnahmen in den zuständigen Gremien erörtert“, sagt Strzoda.

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