Gegenwind nimmt zu

Protest gegen Stromtrasse Suedlink: Kritik wächst auch an Erdkabel

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Höchstspannungskabel sollen die oberirdischen etwa 70 Meter hohen Strommasten ersetzen. Was in der Landschaft deutlich weniger auffällt, ist leider auch deutlich teurer. (Symbolbild)

Kreis Kassel. Der Gesetzgeber hat der Erdverkabelung für die geplante Stromtrasse Suedlink Vorrang eingeräumt. Nachdem der Protest gegen die Stromleitung danach etwas ruhiger wurde, nimmt der Gegenwind nun wieder zu.

Das war auch bei der Expertensprechstunde im Kasseler Büro vom „Bürgerdialog Stromnetz“ zu spüren.

„Die Skepsis ist einfach groß“, sagte Tim Wiewiorra, Leiter des Kasseler Büros. Das habe man jetzt auch bei drei Veranstaltungen in Gudensberg, Kirchheim und Homberg gespürt. „In Hessen gibt es eine generelle Ablehnung gegen diese Leitung“, so Wiewiorra.

Gaben im Kasseler Büro „Bürgerdialog Stromnetz“ Auskunft: Tim Wiewiorra (links) und Dr. Peter Ahmels.

Die Bundesnetzagentur hat die Pläne für eine Freileitung nach der Gesetzesänderung an den Vorhabenträger, die Firma Tennet,zurückgegeben. Dort werden die Trassen für die Suedlink-Leitung, die möglicherweise auch die Kommunen Baunatal und Schauenburg durchschneiden könnte, unter der Priorität für Erdkabel neu erarbeitet. Auch die Kommunen Wolfhagen, Habichtswald, Homberg und Knüllwald waren von Trassenvorschlägen direkt betroffen.

Die Korridore für die Erdverkabelung sollen gegenüber den Freileitungsvarianten nun gradliniger verlaufen, erläuterte Dr. Peter Ahmels, der als Sachverständiger zum „Gesetz des Energieleitungsbaus“ im Bundestag mitarbeitete. „Man geht von der Elipsenform ab, eher auf einem geraden Weg von A nach B“, sagte Ahmels.

Gerhard Schnasse von der Bürgerinitiative Habichtswald wollte von Ahmels beispielsweise wissen, warum die Stromkabel nicht einfach in Flüssen und Kanälen verlegt werden können. „Kanäle scheiden aus, weil sie zu eng sind“, sagte der Experte. Die Wasser- und Schifffahrtsämter hätten grundsätzlich Bedenken, dass bei Niedrigwasser Schiffe die Leitungen beschädigen könnten. „Das wäre ein zusätzlicher Risikofaktor für die Schifffahrt.“

Erdkabel im Querschnitt: So sieht der Schutzstreifen für eine Erdverkabelung mit zwei Gleichstromleitungen aus. Landwirtschaft soll auf der Oberfläche möglich sein. Das Anpflanzen von Gehölzarten hingegen nicht. Die Wurzeln von Büschen und Bäumen könnten die Kabel beschädigen, heißt es.

Erika Carstensen-Bretheuer vom Landesverband der Bürgerinitiativen hält die Bürgerbeteiligung am Stromnetzausbau generell für eine „Beschäftigungstherapie für Bürger“. „Ich habe Bedenken, dass Bürgerbeteiligung nur scheinbar da ist“, sagte sie.

Peter Ahmels verwies auf die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung im Rahmen einer „Methodenkonferenz Erdkabel“ der Bundesnetzagentur in Bonn am 3. März. Daran könnten Interessierte entweder persönlich teilnehmen oder sie könnten sich per E-Mail im Vorfeld zu dem Vorhaben äußern. Bei der Methodenkonferenz fasse man die Meinungen schließlich zusammen, um zu einem für alle verträglichen Procedere zu kommen.

Weitere Infos gibt es beim Bürgerdialog Stromnetz, Fünffensterstraße 2, 34117 Kassel, Tim Wiewiorra, 05 61/3 50 29 46 90, E-Mail: wiewiorra@buergerdialog-stromnetz.de.

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