Wölfe im Kaufunger Wald und in der Söhre beobachtet

Schäfer aus Kassel fürchtet um Tiere, sollte Wolf in die Region zurückkehren

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Bereiten Schäfern in der Region Sorgen: Wölfe, hier zwei Jungtiere im Wolfscenter im Kreis Verden.

Söhrewald. In den Waldgebieten östlich von Kassel sind in den vergangenen Monaten angeblich mehrfach Wölfe gesehen worden. Das bereitet insbesondere den Schäfern in der Region Sorgen.

„Wir haben eine ganze Reihe von Meldungen“, sagte Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) in Kassel, auf HNA-Anfrage. Die beim RP angesiedelte Obere Naturschutzbehörde ist mit den Raubtieren befasst. Die Wölfe seien im Kaufunger Wald und in der Söhre beobachtet worden. Beweise für die Anwesenheit, beispielsweise Trittspuren, lägen aber nicht vor. Sie seien auch nur schwer zu erbringen. Aktuell werde in einem Labor möglicher Wolfskot untersucht, den ein Förster im Kaufunger Wald entdeckt habe.

Derweil bereitet die Rückkehr des Wolfes Schafzüchtern Sorge. „Das wird zum Problem werden“, sagt Schäfer Hubertus Dissen aus Kassel. Er ist sicher: Der Wolf aus der Söhre hat bereits Tiere gerissen. Sollte er sesshaft werden, könnten weitere folgen.

Etwa 1000 Mutterschafe hat Dissen und 600 bis 800 von ihnen werden nächste Woche auf die Sommerweide geführt - und die liegt nahe der Stelle, wo der Wolf fotografiert wurde. Ob das Tier noch in der Nähe von Wellerode unterwegs ist, ist nicht klar. „Aber es kann passieren, dass ein paar meiner Schafe gerissen werden“, sagt Dissen. Verhindern könne das ein Herdenschutzhund nicht immer. Einen einzelnen Wolf bekomme der Hund in den Griff, bei einem Rudel werde es problematisch. Auch ein Elektrozaun sei ein guter Schutz, aber kein hundertprozentiger.

Hubertus Dissen

Erst kürzlich habe er in Kassel einen Workshop organisiert, bei dem es um das Thema Elektrozaun als Schutz vor Wölfen ging. Dort wurde deutlich gemacht: Kriegt der Wolf einmal „einen gewischt“, bleibt er dem Zaun künftig fern. Aber, so sagt Hubertus Dissen, dann müsse der Zaun auch ständig überprüft werden, stets müsse Strom fließen.

In Hessen sei die Situation für Schafhalter noch nicht kritisch, in anderen Bundesländern sei die Situation dagegen bereits existenzbedrohend. Als zwischen 2006 und 2011 ein Wolf im Reinhardswald lebte, habe er „viel Schaden angerichtet und rund 100 Tiere getötet“, sagt Hubertus Dissen, der bei der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) Bundessprecher der Gruppe Große Beutegreifer ist.

Sollte sich der in der Söhre gesichtete Wolf hier niederlassen, „wird es Probleme geben“. Schon jetzt werde vermutet, dass er einige Tiere gerissen habe. Allerdings, so räumt der 58-Jährige ein, sei das schwer nachweisbar.

Über das Thema Entschädigungen werde derzeit noch nicht mit dem Land geredet. Aber man stehe in Kontakt mit dem hessischen Wolfsmanagement. Denn man dürfe nicht vergessen, dass Schafe Naturschutz betreiben. „Und wenn wir die Schafe nicht schützen können, müssen wir überlegen, ob wir das weiterhin machen können.“

Eine Begegnung im Kaufunger Wald im Herbst 2012

Das Bild zeigt einen etwa acht Zentimeter großen Abdruck, der von einem Wolf stammen könnte. Das Bild wurde am 3. April im Gutsbezirk Kaufunger Wald nahe dem Bilstein aufgenommen.

Es gibt bislang nur wenige Menschen, die in den heimischen Wäldern einen Wolf gesehen haben: Einer von ihnen ist Edgar Paul. Der Bürgermeister von Nieste, der im Grenzgebiet von Hessen und Niedersachsen sein Jagdrevier hat, erspähte das Tier an einem Herbsttag im Jahr 2012. Durch sein Fernglas entdeckte er in der Mittagszeit wohl einen der ersten Wölfe, die in der Region Nordhessen unterwegs waren. „Es war ein großer Rüde“, berichtet Paul auch fast vier Jahre danach spürbar beeindruckt. Aus dem Auto heraus hatte der Jäger das Raubtier gesehen, das 80 Meter entfernt in einem Waldstück mit Buchen stand. „Ich konnte den Wolf noch rund 100 Meter mit dem Fernglas verfolgen“, erinnert sich Paul.

Schon drei, vier Jahre zuvor hätten ihm andere Jäger im Kaufunger Wald von Wolfsbeobachtungen berichtet. Weil er seinerzeit nur einen einzigen Wolf zu Gesicht bekam, geht Paul davon aus, dass es sich um ein durchziehendes Tier handelte. Auch der Wolf, der bei Wellerode in eine Fotofalle tappte, sei wohl ein Einzelgänger gewesen.

Ein Nachweis des Wolfs gelang im Herbst 2012 übrigens nicht. Als Paul zusammen mit dem Wolfsbeauftragten der Mündener Jägerschaft nach drei Tagen den Ort der Sichtung untersuchte, hatte der Regen bereits alle Spuren vernichtet.

Video: Verhalten, wenn man einem Wolf begegnet:

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